Ernüchterung bei SAP-Anwendern

23. Januar 2019, 12:28
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Bei der digitalen Transformation seien sie "noch nicht sehr weit", glaubt eine Mehrheit von Schweizer SAP-Anwendern.

Bei der digitalen Transformation seien sie "noch nicht sehr weit", glaubt eine Mehrheit von Schweizer SAP-Anwendern.
Big Data, Internet of Things sowie Künstliche Intelligenz und Machine Learning sind die Top-Digitalisierungsthemen bei den Mitgliedern der Deutschsprachigen SAP-Anwendergruppe (DSAG). In diesen Bereichen haben SAP-Anwender Projekte geplant oder bereits begonnen. Das hat der "DSAG-Investitionsreport 2019" ergeben, für den die SAP-Anwendergruppe 244 Unternehmen der DACH-Region befragt hat.
Bei den Digitalisierungsbestrebungen in ihren Unternehmen sind die Befragten in der DACH-Region insgesamt aber skeptischer als noch vor einem Jahr. Eine Tendenz, die sich auch bei den Schweizer Organisationen zeigt, wie die DSAG mitteilt. 69 Prozent der Schweizer Befragten schätzen ihr Unternehmen als nicht sehr weit bei diesem Thema ein. Im Vorjahr waren es noch 54 Prozent.
Die Verantwortlichen haben wohl erkannt, dass es für Projekte viel Schweiss und einen langen Atem brauche, kommentiert die DSAG die Ergebnisse. Während in der letztjährigen Befragung noch 43 Prozent der Unternehmen sagten, sie seien bei der digitalen Transformation weit oder sehr weit, sind es in diesem Jahr nur noch 25 Prozent.
Bei den aktuellen Trend-Themen wird in über der Hälfte der Schweizer Unternehmen in Big Data und bei 44 Prozent in IoT investiert. Projekte im Bereich Künstliche Intelligenz stehen bei 25 Prozent auf der Agenda und um Prozessautomation mit Robotern kümmern sich elf Prozent.
Schweizer Budget-Erhöhungen geringer als DACH-Schnitt
Etwas über die Hälfte der Schweizer Unternehmen gab an, dass das IT-Investitionsbudget 2019 gleich bleibt wie 2018. Während 40 Prozent der DACH-Unternehmen eine IT-Budgeterhöhung für 2019 anvisiert, sind es hierzulande nur 31 Prozent. Gleichzeitig steigen die IT-Budgets in der DACH-Region um durchschnittlich 16 Prozent während es hierzulande um durchschnittlich 13 Prozent erhöht wird.
Bei den SAP-Investitionen verhält es sich ähnlich, wie bei den allgemeinen IT-Investitionen. Sie steigen bei 25 Prozent der Schweizer Unternehmen und bei 42 Prozent der DACH-Unternehmen. "Eine gewisse Zurückhaltung bei den Investitionen bei vielen Schweizer Unternehmen könnte darauf zurückzuführen sein, dass noch keine eindeutige Strategie über die zukünftige Ausgestaltung der Software erkennbar ist", kommentiert Christian Zumbach, DSAG-Vorstand Schweiz.
Diskussion um Supportende von ERP 6.0 hat schon begonnen
Rückläufig sind die Hauptinvestitionen in die Business Suite. Nur noch drei Prozent der Schweizer Unternehmen planen für 2019 hohe Investitionen. Immerhin elf Prozent planen hingegen für S/4HANA (On-Premise) hohe Investitionen und acht Prozent für S/4HANA (Cloud). "Hier scheint sich, wenn auch noch nicht so ausgeprägt, ein neues Verständnis in Bezug auf S/4HANA abzuzeichnen“, glaubt Zumbach.
Die Tendenz zeigt sich auch im Umstieg von ERP 6.0 auf S/4HANA. In diesem Jahr wollen drei Prozent der Unternehmen wechseln und für 33 Prozent ist der Umstieg in den kommenden drei Jahren ein Thema. Die Zahl derer, die noch keine Entscheidung getroffen haben, ist um 13 Prozent auf 28 Prozent gestiegen. Laut der DSAG könnte dies darauf hinweisen, dass viele Schweizer Unternehmen zusätzliche Alternativen prüfen, bevor sie einen konkreten Weg einschlagen.
Da die Business Suite für die Anwender somit noch einige Jahre wichtig sein wird, werde sich die DSAG weiter dafür einsetzen, dass ERP 6.0 weiterentwickelt wird. Insbesondere müsse sichergestellt sein, dass gesetzliche Anforderungen erfüllt werden. SAP selbst kommunizierte, dass die Business Suite bis mindestens 2025 gewartet werde. Ein Bedarf dafür besteht sicher länger, glaubt die Anwendergruppe, weshalb man sich in Gesprächen mit SAP befinde.
Gefragt nach den SAP-Cloud-Lösungen, in die hohe und mittlere Investitionen geplant sind, liegen C/4HANA und SucessFactors bei je 17 Prozent der Befragten vorne. Concur folgt mit elf Prozent und jeweils neun Prozent haben sich für die SAP Cloud Platform (SCP), die SAP Analytics Cloud und die Planungslösung Integrated Business Planning entschieden. Schweizer Unternehmen würden hier eine höhere Affinität zum Thema Cloud zeigen als der DACH-Durchschnitt. Zudem gebe es wohl auch eine grössere Bereitschaft, neue Lösungen wie C/4HANA etwas schneller anzunehmen als bei Unternehmen in der DACH-Region, kommentiert Zumbach die weiteren Ergebnisse der Befragung.
Die DSAG hat für den aktuellen Investitionsreport zwischen Dezember 2018 und Januar 2019 244 CIOs und Vertreter von DSAG-Mitgliedsunternehmen in der DACH-Region befragt. Pro Unternehmen wurde nur eine Person befragt. 36 der Unternehmen stammen aus der Schweiz. (Katharina Jochum)

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