ERP-Boom schwächt sich ab

17. September 2008, 12:13
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Viele kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz haben ihre betriebswirtschaftliche Software erneuert. Erstaunlich: Anwender kritisieren wieder vermehrt schlechte Benützeroberflächen.

Viele kleine und mittlere Unternehmen in der Schweiz haben ihre betriebswirtschaftliche Software erneuert. Erstaunlich: Anwender kritisieren wieder vermehrt schlechte Benützeroberflächen.
Gestern Abend präsentierte der bekannte ERP-Berater Eric Scherer die Ausgabe 2008 der Studie zur Zufriedenheit der Schweizer ERP-Anwender. den Wind aus den Segeln zu nehmen, unterwirft i2s die Resultate der Umfrage nun einem genormten statistischen Plausibilitätstest, der den hübschen Namen Kolmogorov-Smirnov trägt. Und siehe da: Komogorov-Smirnov führte dazu, dass die Bewertung eines Anbieters ausgeschlossen werden musste.
Auffallend ist auch, dass drei Anbieter bei der Bewertung der Betriebspartner und des Systems relativ schlecht wegkommen. Bei zweien, nämlich Infor ERP LN (dem ehemaligen Baan) und Lawson M3 (ehemals Movex) lässt sich dies leicht erklären. Baan wurde mehrmals verkauft und der neue Besitzer Infor muss noch viel unternehmen Schwieriger zu erklären ist die schlechter gewordene Bewertung des deutschen Systems ProAlpha, das in der Schweiz durch Codex vertreten wird. Martin Bühler von Codex wollte auf die Schnelle und ohne genauere Analyse keine Stellungnahme abgeben. Möglicherweise wurde Codex das Opfer seines eigenen Erfolgs, denn proAlpha-Projekte leiden unter Ressourcenproblemen.
Die grosse Welle ist vorbei
Eric Scherer glaubt, dass sich die Nachfrage nach neuer betriebswirtschaftlicher Software nun abschwächen wird. Er stützt sich auf die Angaben zu den eingesetzten Systeme in den Firmen der 927 qualifizierten Teilnehmern der Umfrage. Mehr als die Häflte (50,6 %) der in der Schweiz installierten ERP-Lösungen sind nun vier Jahre alt oder jünger. 16,4 % der Systeme wurden vor 5 bis 6 Jahren neu eingeführt, 12,5 % vor 7 bis 8 Jahren und nur noch 20 Prozent sind mindestens neun Jahre alt.
Interessant die Bemerkungen des ERP-Spezialisten zum Thema "Branchenausprägungen". Die Anwender bewerten heute die Branchenkompetenz ihrer ERP-Lieferanten viel besser als früher, so Scherer. Dies könnte sich aber für kleinere Anbieter zum Knackpunkt entwickeln. "Kleinere Anbieter müssen sich für bestimmte Branchen entscheiden," so Scherer dezidiert.
Aufgepasst auf Ergonomie und Performance
Die Zufriedenheit der Schweizer Anbieter mit verschiedenen Aspekten ihrer Systemen hat sich über die Jahre teils massiv verbessert. Man lobt etwa die bessere Einhaltung von Zeitplänen und Budget in ERP-Projekten sowie die höhere Branchenkompetenz der Anbieter. Verschlechtert hat sich die Bewertung "nur" bei drei Punkten, wovon zwei aber sehr auffallen. Trotz (oder wegen?) all der schönen grafischen Oberflächen hat sich die Bewertung der Systeme in Sachen Ergonomie verschlechtert. Die Anbieter hätten in Sachen Benützeroberfläche richtiggehende "Wahrnehmungsprobleme" und würden vermehrt vom User unerwünschte, weil schlecht zu bedienende "iPod-Systeme" ausliefern.
Zudem scheint das Thema "Performance" trotz laufend gesteigerter Leistung der Serversysteme wieder aktuell. In der Beratungspraxis von i2s sei Performance ein Trendthema, das man als Anbieter doch bitte ernst nehmen sollte, so Scherer. (Christoph Hugenschmidt)
(Grafik: (c) by i2s GmbH Zürich, 2008. n = 927 Teilnehmer)

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