ERP II: Überreizt, nicht überschätzt

3. November 2006, 09:25
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~~Ein Leserbrief von Peter Imthurn, Geschäftsführer GUS Schweiz AG~~ Peter Imthurn von GUS Schweiz antwortet auf unseren Artikel --http://www.

Ein Leserbrief von Peter Imthurn, Geschäftsführer GUS Schweiz AG
Peter Imthurn von GUS Schweiz antwortet auf unseren Artikel ERP II - RIP. Da er uns interessant dünkt, veröffentlichen wir hier den Leserbrief in voller Länge.
Am Ende glich es wohl einem Fass ohne Boden. Für (zumindest) einen der Gesellschafter der Semiramis Software GmbH im österreichischen Kirchbichl war dann endgültig Schluss mit lustig: Medienmagnat Franz Koch hat offensichtlich die Konsequenzen aus einer – wie sich jetzt zeigt – chronisch notleidenden Finanzsituation beim Shooting-Star der ERP-Anbieter gezogen und weitere Finanzspritzen verweigert.
Wieder einmal hat sich bewiesen, dass dort, wo Kapital in Hülle zur Verfügung steht, die Fenster sperrangelweit offen stehen. 50 Millionen € und mehr? sind (wie es heisst) in die Entwicklung, den Vertrieb und das Marketing einer von Grund auf neu konzipierten Unternehmenslösung geflossen. Was auf den ersten und zweiten Blick wie eine beeindruckende Erfolgsstory aussah, entpuppt sich jetzt als (Kredit)-Kartenhaus.
Doch rund 200 mittelständische Unternehmen in der Schweiz, in Österreich und Deutschland haben sich von einer überaus modernen Softwarelösung überzeugen lassen. Sie haben bereitwillig Referenz gegeben für ein attraktives Konzept der Benutzerführung, der dank Java erreichten Plattformunabhängigkeit und der funktional weit gefächerten Einsatzbreite des "ERP-Systems der 2. Generation". Sie haben neue Nutzungsmöglichkeiten, wie Application Service Providing in Anspruch genommen und ihre Geschäftspartner mit Hilfe der Weborientierung des Systems in die Geschäftsprozesse einbeziehen können. SOA – der Begriff steht für Service-orientierte Architektur – existierte noch nicht, als Java-Frameworks diese Einsatzmöglichkeiten im Web bereits möglich machten.
ERP II nicht in Frage gestellt
Statt dessen wurde mit dem Schlagwort ERP der 2. Generation (ERP II) umschrieben, was moderne Softwarearchitekturen für Unternehmenslösungen leisten können. Sieben der zehn größten ERP-Anbieter in Europa setzen derzeit auf die Entwicklung Java-basierender Frameworks für ihr zukünftiges Produktportfolio, um Webservices im ERP-Umfeld bereitzustellen. Mehr Integration entlang der Supply Chain, weniger Managementaufwand in der IT-Abteilung, zusätzliche Nutzungsmöglichkeiten durch moderne Benutzeroberflächen und neue mobile Endgeräte – all dies gibt in der Tat dem Enterprise Resource Planning neuen Schwung.
Diese Dynamik wird auch durch ein sich selbst und seine Möglichkeiten überschätzendes Softwarehaus-Management im österreichischen Kirchbichl nicht in Frage gestellt werden. Im Gegenteil: GUS Group erlebt mit ihrer vor 36 Monaten zum ersten Mal vorgestellten Open Solution Lösungsfamilie (GUS-OS) derzeit eine äusserst befriedigende Nachfrage. In den Branchen Pharma, Food, Chemie und Logistik, auf die sich das Unternehmen konzentriert, ist die Bereitschaft, sich mit ERP-Systemen der 2. Generation auseinander zu setzen sehr hoch. Diese Unternehmen, die von wohl funktionierenden Supply Chains im internationalen Umfeld profitieren, erkennen sofort die Vorzüge einer Java-basierenden Lösungswelt, die Software als Webservice zur Verfügung stellt.
Die Macher bei Semiramis haben sich offensichtlich von ihrem Erfolg berauschen lassen. Sie haben den Market Impact ihres Produkts überschätzt – und sich selbst wohlmöglich auch. Dies führte zu unlösbaren – sprich: insolventen – Problemen.
Semiramis ist kein Weltwunder – und die Insolvenz kein Weltuntergang. Java-basierende ERP-Systeme der 2. Generation werden sich weiter profilieren. Am Ende werden die Anwender von ihren Bildschirmen aufschauen und fragen: War da was? (Peter Imthurn, Geschäftsführer GUS-Schweiz AG)

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