ERP: "Nobodies" haben zufriedenere Anwender

8. September 2011, 09:29
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Regionale ERP-Hersteller haben oft die zufriedeneren Kunden als "Multis" wie Microsoft, SAP, IFS oder Lawson.

Regionale ERP-Hersteller haben oft die zufriedeneren Kunden als "Multis" wie Microsoft, SAP, IFS oder Lawson. Die Partner von internationalen Anbietern (vertikale Achse in der Grafik) werden oft etwas kritischer betrachtet, als die Anbieter selbst (horizontale Achse in der Grafik).
"Die wirklichen Erfolgsfaktoren von ERP-Projekten liegen im Projekt selbst. Sie sind weich und lassen sich nur schwerlich kaufen; mit einem Mindestmass an Kompetenz und Erfahrung sind sie jedoch umsetzbar", schreibt Frank Naujoks, der beim Zürcher Consulting-Haus i2s für die ERP-Zufriedenheitsstudie Ausgabe 2011 / 2012 verantwortlich ist.
An der Studie haben weltweit 1'923 ERP-Anwender aus 17 Ländern teilgenommen. Sie bewerteten total 38 Systeme. Auffällig ist, dass die in der Schweiz am weitesten verbreiteten Lösungen von Abacus und Sage (Sage 200 - ehemals Simultan und Sage 50 - ehemals Sesam) nicht aufgelistet sind. Offenbar wurde die Studie von diesen Herstellern und ihren Partnern nicht aktiv beworben.
Dass lokale Anbieter, oft solche, die ERP-Projekte selbst durchführen, besser abschneiden als die grossen, multinationalen Anbieter, ist keine neue Erkenntnis und nachvollziehbar. Gerade KMU fühlen sich von kleineren, ihnen nahestehenden Dienstleistern und Software-Herstellern oft besser betreut als von den Vertretern der "Grossen".
So sieht man "rechts oben" in der Grafik (siehe oben), wo die "gute benoteten" Lösungen stehen, fast ausschliesslich relativ kleine, lokale Anbieter. Da tummeln sich etwa die österreichische Mesonic, Opacc, eNVenta, tosca der Solothurner Dynasoft, die Langenthaler profinaance, Proffix, Pro-Concept von Solvaxis, Vertec und SQL Business. Von den "Multis" schaffen es einzig die relativ kleine Comarch (ehemals Semiramis), proalpha (Codex) und ganz zuoberst abas ERP in die "guten" Noten.
Andere internationale Player wie SAP, Microsoft mit NAV und AX, IFS, die diversen Infor-Lösungen oder Lawson erhalten von Ihren Anwendern wesentlich schlechtere "Noten".
i2s-Berater Naujoks, dem man den ehemaligen Journalisten anmerkt, kommentiert die Diskrepanz der "Beliebtheit" zwischen lokalen und grossen Playern in der ERP Zufriedenheitsstudie so: "Einerseits sind kleine Anbieter näher am Kunden, andererseits sehen sich kleine Anbieter nicht mit den immer ausladenderen Wunschlisten konfrontiert. Solche Wunschlisten sind gerade bei Grossunternehmen üblich, greifen aber auch auf grössere KMUs über. Ausschreibeunterlagen mit weit über 3‘000 Anforderungen sind leider nicht die Ausnahme, gehen aber an der Projektrealität vorbei. Da ist es dringend notwendig, die grossen Anbieter zu trösten: bei solchen Wunschlisten kann man es nicht mehr allen recht machen."
Immer wieder: Datenmigration problematisch
i2s fragt die ERP-Anwender nicht nur nach ihrer Zufriedenheit, sondern auch nach den wichtigsten Herausforderungen im ERP-Projekt. Die Erkenntnisse der Studie sind nicht revolutionär, aber Anbieter wie auch ERP-Anwender können sie nicht ernst genug nehmen. Hier die Rangliste der "Pains" in ERP-Projekten (in Klammer Anzahl Nennungen in Prozent):

  1. Datenaufbereitung / Migration (28)
  2. Mangelnder Kooperationswille (4)

Dass immerhin 14 Prozent der fast 2'000 Umfrageteilnehmer "keinerlei Probleme" in ihren ERP-Projekten angetroffen haben, zeigt auf, dass die Branche doch langsam erwachsener wird.
Anwender kritisieren Aufwand für Upgrades
Noch besser sieht es bei den Problemen aus, die laufende ERP-Systeme verursachen. Immerhin ein Viertel der Anwender treffen "keinerlei Probleme" an. Die Top-6 der "Pains" der ERP-Anwender (in Klammer Anzahl Nennungen in Prozent):

  1. Upgrade-Aufwand (12)
  2. Schnittstellen (9)

Die Kosten für Wartung und Betrieb eines ERP-Systems scheinen hingegen wenig problematisch. Nur sechs Prozent nennen "Wartungs- und Betriebskosten" auf der Liste ihre "ERP-Probleme". (Christoph Hugenschmidt)
Die Studie gibt es in Länderversionen oder in einer internationalen Fassung für - je nach Lizenzform -500 bis 3'500 Franken. Man kann sie hier bestellen.

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