ERP-Systeme von Excel umzingelt

17. September 2008, 12:54
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i2s präsentiert die 4. Ausgabe der Studie zur Zufriedenheit von Schweizer Anwendern von ERP-Systemen. Auch heute noch werden viele Umsysteme mit Microsoft Office "gebastelt".

i2s präsentiert die 4. Ausgabe der Studie zur Zufriedenheit von Schweizer Anwendern von ERP-Systemen. Auch heute noch werden viele Umsysteme mit Microsoft Office "gebastelt".
Gestern Abend präsentierte der bekannte ERP-Berater Eric Scherer die Ausgabe 2008 der Studie zur Zufriedenheit der Schweizer ERP-Anwender. den Wind aus den Segeln zu nehmen, unterwirft i2s die Antworten der 927 Teilnehmer der Umfrage nun einem genormten statistischen Plausibilitätstest, der den hübschen Namen Kolmogorov-Smirnov trägt. Und siehe da: Kolmogorov-Smirnov führte dazu, dass die Bewertung eines Anbieters ausgeschlossen werden musste.
Auffallend ist auch, dass drei Anbieter bei der Bewertung der Betriebspartner und des Systems relativ schlecht wegkommen. Bei zweien, nämlich Infor ERP LN (dem ehemaligen Baan) und Lawson M3 (ehemals Movex) lässt sich dies leicht erklären. Baan wurde mehrmals verkauft und der neue Besitzer Infor muss wahrscheinlich noch viel unternehmen, bis das erschütterte Vertrauen in die Lösung wiederhergestellt ist. Schwieriger zu erklären ist die schlechter gewordene Bewertung des deutschen Systems ProAlpha, das in der Schweiz durch Codex vertreten wird. Martin Bühler von Codex wollte auf die schnelle und ohne genauere Analyse keine Stellungnahme abgeben. Möglicherweise wurde Codex das Opfer seines eigenen Erfolgs, denn proAlpha-Projekte leiden unter Ressourcenproblemen.
Einsatzplanung, Maschinendatenerfassung, ... alles mit Office
An der gestrigen Präsentation zeigte Scherer eine interessante Folie, die Auskunft darüber gibt, wie oft und für welche Aufgabenstellungen Schweizer Firmen Eigenentwicklungen oder Microsoft Office (vor allem, aber nicht nur Excel) anstatt der Module der Standard-ERP-Systeme einsetzen. Das Fazit ist schnell gemacht. Je weiter ein Prozess vom Kern der ERP-Systeme entfernt ist, desto eher wird Office eingesetzt. Salopp ausgedrückt: betriebswirtschaftliche Software ist "von Excel umzingelt".
So haben die allermeisten Firmen ein Standardprodukt für die Buchhaltung im Einsatz. Auch ist der Einsatz von Office oder Eigenentwicklungen für die Materialwirtschaft sehr selten. Aber schon in der Auftragsabwicklung haben nur etwas mehr als 40 % ein Standardprodukt im Einsatz, während ungefähr ein Viertel der Anwender eine selbst entwickelte Lösung benützen.
Für viele andere Aufgabe wird Excel (Office) häufig der Standardsoftware vorgezogen. So benützen nur etwa 17 Prozent ein ERP-System für Projektmanagement, während immerhin 13 Prozent dafür Office (MS Project) einsetzen. In der Personaleinsatzplanung verwenden mehr Anwender (ca. 10 Prozent) Excel als die ERP-Lösung (ca. 6 Prozent). Fast gleich sieht das Bild bei Personalzeiterfassung, noch etwas selterner benützt man die ERP-Lösung für Maschinendatenerfassung. Auch die Zollabwicklung wird, wo nötig, öfter mit Excel oder einer selbst gebastelten Lösung als mit dem ERP-System erledigt.
Scherer glaubt, dass der breite Einsatz von Excel und anderen Office-Produkten darauf hindeutet, dass die Module der Standard-Pakete den Ansprüchen eben nicht genügen. Das mag in gewissen Fällen stimmen. In den meisten Fällen wird es aber so sein, dass viele, vor allem ältere, ERP-Lösungen gewisse Module gar nicht haben. Oder dann verzichten die Firmen auf die Einführung eines Moduls, wenn nur wenige Anwender betroffen sind und es mit der bisherigen "Bastellösung" "ja auch ging." (Christoph Hugenschmidt)

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