Erstmals dominiert Huawei den weltweiten Smartphone-Markt

30. Juli 2020, 13:06
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Der Markt ist dynamisch: Huawei einigt sich mit einem US-Partner und übertrumpft Samsung. Doch die Südkoreaner weisen auch gute Zahlen aus.

Huawei lieferte im letzten Quartal 55,8 Millionen Geräte aus. Das waren zwar 5% weniger als im Vorjahr, aber das zweitplatzierte Unternehmen Samsung lieferte nur 53,7 Millionen Smartphones aus und verbuchte damit einen Rückgang von 30% gegenüber dem Vorjahresquartal. Dennoch haben die rückläufigen Stückzahlen nichts daran geändert, dass die der Südkoreaner ein insgesamt gutes Quartalsergebnis vorlegen konnte (siehe unten).
Wie die Analysten von Canalys schreiben, hat sich Huawei die Poleposition trotz der Beschränkungen der US-Regierung gesichert, die das "Geschäft ausserhalb des chinesischen Festlands erstickt haben". So seien die Überseelieferungen im 2. Quartal um 27% zurückgegangen. Dabei sei jedoch die Dominanz auf dem Inlandmarkt um 8% gewachsen. So verkaufe das Unternehmen inzwischen "über 70% seiner Smartphones auf dem chinesischen Festland".
Laut den Analysten ist das "bemerkenswerte Ergebnis", noch vor einem Jahr nur von wenige vorhergesagt worden. Und "wäre Covid-19 nicht gewesen, wäre es nicht eingetreten". Denn Huawei habe die Erholung der chinesischen Wirtschaft voll genutzt, um sein Smartphone-Geschäft wieder anzukurbeln. Samsung hingegen sei in China mit einem Marktanteil von weniger als 1% kaum vertreten und habe in seinen Kernmärkte wie Brasilien, Indien, die Vereinigten Staaten und Europa unter der Corana-Krise und der sich anschliessenden Abriegelungen der Märkte gelitten.
Auch wenn es derzeit für Huawei wichtig sei, den einheimischen Verbrauchern Markenstärke als Komponentenlieferant und Entwicklern zu zeigen, werde es schwierig sein, den Vorsprung langfristig zu halten, meinen die Marktforscher weiter. Das läge nicht zuletzt daran, dass wichtige Vertriebspartner in Schlüsselregionen wie Europa Huawei-Geräte zunehmend skeptisch begegnen würden. Und die "Stärke in China allein wird nicht ausreichen, um Huawei an der Spitze zu halten, sobald sich die Weltwirtschaft zu erholen beginnt", schreibt Canalyst.

Huawei setzt weiterhin auf Qualcomm

Ob diese Prognose sich bewahrheitet, bleibt abzuwarten. Huawei selbst bleibt jedenfalls nicht untätig und hat soeben trotz Handelsstreit zwischen USA und China ein neues Lizenzierungsabkommen mit dem US-Chiphersteller Qualcomm vereinbart. Der zuletzt mehrfach gebüsste Konzern erhält laut 'The Register' von Huawei 1,8 Milliarden Dollar zur Beilegung eines langjährigen Streits über Patenverletzungen und kann auch in den nächsten Jahren die patentierten Technologien von Qualcomm nutzen.

Samsung-Gewinn gestiegen

Zu beachten ist aber, dass die Quartalszahlen bei Samsung (PDF) insgesamt gut ausgefallen sind. Das deutsche 'Handelsblatt' nennt den Konzern denn auch einen der "profitabelsten Elektronikhersteller der Welt". So konnten die Südkoreaner aufgrund der auch in der Krise robusten Chip-Nachfrage den Rückgang des Smartphone-Verkaufs auffangen. Trotz einem Umsatzrückgang um 6% auf umgerechnet rund 40 Milliarden Franken, stieg der Gewinn um 7,3 % auf umgerechnet rund 4,3 Milliarden Franken.
Zudem hat Samsung auch in der Smartphone-Sparte (IT und mobile Kommunikation) Gewinn eingefahren. Das sei durch effizientes Kostenmanagement und Kostenreduktion etwa im Marketing gelungen. Im Resultat stieg auch hier trotz der rückläufigen Stückzahlen der operative Gewinn von umgerechnet 1,2 Milliarden Franken im 2. Quartal 2019 auf heuer umgerechnet 1,5 Milliarden Franken.

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