Erwarten Geschäftsleitungen zu viel von der IT?

2. März 2007, 17:01
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Wir wissen schon, was das Management will, sagen IT-Leiter, aber zuerst müssen wir anderes tun – auch 2007. Eine gefährliche Haltung für die IT-Chefs und ihre Abteilungen, meint Gartner.

Wir wissen schon, was das Management will, sagen IT-Leiter, aber zuerst müssen wir anderes tun – auch 2007. Eine gefährliche Haltung für die IT-Chefs und ihre Abteilungen, meint Gartner.
Dass IT-Abteilungen und die Geschäftsleitungen ihrer Unternehmen teilweise in verschiedenen Welten leben, ist ein altbekanntes Problem. Und trotz aller dementsprechenden Forderungen und guten Ratschläge für eine Angleichung der Strategien dürfte es mit der Annäherung auch 2007 noch hapern.
Zwei von drei Unternehmen würden dieses Jahr gerne schneller wachsen, als der Markt, in dem sie sich bewegen – und die Geschäftsleitungen erwarten dafür Unterstützung durch ihre IT-Abteilungen. Die IT-Leiter seien sich mehrheitlich darüber im Klaren, was die Spitzenmanager 2007 von ihnen erwarten, erklärt das Marktforschungs- und Beratungsunternehmen Gartner aufgrund einer Befragung von weltweit über 1400 CIOs. Aber ihre erklärten kurzfristigen Strategien würden trotzdem nicht im Einklang damit stehen.
Die fünf meistgenannten Forderungen, welche die "Businessleute" 2007 an ihre IT stellen sind die Verbesserung von Geschäftsabläufen, die Kontrolle von unternehmensweiten Kostenstrukturen, Verbesserungen bei der Kundengewinnung und -Bindung, die Erhöhung der Produktivität der Angestellten und die Erhöhung des Umsatzes.
Die fünf meistgenannten kurzfristigen Strategien, welche CIOs für ihre IT-Abteilungen verfolgen, sind dagegen Verbesserungen bei der IT-Servicequalität, -Governance und der Kommunikation zwischen Business und IT, die Messbarkeit des Mehrwehrts, den die IT einem Unternehmen bringt und der Aufbau von Business-Know-how in der IT-Abteilung.
Noch stärker scheint der Unterschied, wenn man die hochgesteckten Erwartungen der Geschäftsleitungen mit den prosaisch tönenden Technologie-Prioritäten der CIOs vergleicht.
Top 10 Business-Erwartungen 2007
  1. Verbesserung von Geschäftsabläufen
  2. Schnellere Innovation

Top 10 Technologie-Prioritäten der CIOs
  1. Business Intelligence-Applikationen
  2. Kollaborationstechnologien

"Hebelwirkung" der IT gefordert
Nun könnte ein gut argumentierender IT-Chef, so meinen wir, wohl zeigen, dass diese technischen Prioritäten und kurzfristigen Strategien doch einiges mit den Business-Erwartungen zu tun haben. Gartner aber konstatiert eine klare Diskrepanz. Dies, so findet der für die Studie verantwortliche Gartner-Vize-Präsident Mark McDonald, könnte die Glaubwürdigkeit und das Ansehen von CIOs unterminieren und damit sie und ihre IT-Abteilungen gefährden. Deshalb sollten sie auch ihre kurzfristigen Strategien überdenken, mit dem Ziel, über die IT eine Hebelwirkung ("Leverage") für ihr Unternehmen zu kreieren.
Dies, so glaubt McDonald, könnten sie vor allem im Bereich des Umgangs mit Informationen erreichen: "CIOs sollten sich auf die 'Informationen' als Ansatzpunkt dafür konzentrieren, wie sie die Effizienz und zukünftige Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens steigern können. Naturgemäss werden CIOs auch weiter verantwortlich für die IT sein, also den Mechanismus. Aber sie können in Zukunft eine grössere Rolle spielen, wenn sie Informationen für das Unternehmen 'aktivieren' - das Wissen, das Leistungsfähigkeit und Innovation antreibt."
Kommentar: Business-Erwartungen im Clinch mit der Realität?
~~Die Ratschläge Gartners sind fast immer bedenkenswert und die genannten Erwartungen der Geschäftleitungen an ihre IT legitim – es stellt sich aber sicher auch die Frage, wie realistisch sie sind. Vor allem wenn dahinter noch der unausgesprochene Nachsatz "und am besten vorgestern und gratis, bitte!" steht. Es scheint jedenfalls deutlich einfacher, diese vollmundigen "Business-Prioritäten" zu formulieren, als sie mit den der IT zur Verfügung stehenden technologischen Werkzeugen auch zu erfüllen, vor allem wenn daneben auch noch der reibungslose und unterbrechungsfreie Betrieb der bestehenden Systeme gefordert wird.
Man kann hundert Mal am Tag "SOA" sagen: Schon Menschen sind nicht so anpassungsfähig, wie sich das Geschäftsleitungen vielleicht wünschen würden, und Software- und Hardware schon gar nicht. Die IT ist zwar in den letzten Jahren weit gekommen, aber die komplexen Business-Prozesse, die ein Unternehmen ausmachen, in Code zu pressen, ist immer noch eine schwierige Aufgabe. Von der schönen Welt der Fernsehspots einiger Hersteller, in denen Büros und ganze Abteilungen in sekundenschnelle entstehen und wieder verschwinden können, sind wir in der Wirklichkeit noch weit entfernt.
In dieser Beziehung wäre es vielleicht auch eine wichtige Aufgabe für einen CIO, nicht nur mehr Business-Wissen in die IT-Abteilung, sondern auch mehr IT-Wissen beziehungsweise IT-Realismus in die Geschäftsleitungen zu bringen. Eine schwierige Aufgabe, ich weiss, denn auch diese sind nicht mit überflüssiger Zeit gesegnet.~~ (Hans Jörg Maron)
Quelle: Gartner EXP CIO-Report "Creating Enterprise Leverage: The 2007 CIO Agenda". Für den Report wurden weltweit 1400 CIOs befragt, vor allem aus Grossunternehmen (Im Schnitt verwalten sie ein IT-Budget von 90 Millionen Dollar.) Die grundsätzlichen Probleme dürften aber auch für kleinere Unternehmen zutreffen.

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