"Es ist in Ordnung, pink zu sein"

13. Juni 2013, 15:45
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Monique Morrow ist Distinguished Consulting Engineer bei Cisco Schweiz. Sie ist die einzige Frau in Europa, die die höchste technische Qualifizierung Ciscos trägt. Sie engagiert sich allgemein für Frauen in der Informatik, nicht nur im eigenen Konzern, sondern auch auf der europäischen Bühne.

Erst im vergangenen Monat sprach Cisco-Managerin Monique Morrow vor dem europäischen Parlament. In Brüssel machte sie sich stark für das Projekt Girls In ICT der ITU-Mitgliederstaaten.
Inside-it.ch hatte die Gelegenheit, mit Morrow über die Rolle der Frauen in der Informatik zu sprechen.
Frau Morrow, warum braucht es Frauen in der Informatik?
Wegen dem Fachkräftemangel. Mit mehr Frauen können wir den Fachkräftemangel bei technologischen Berufen beheben. "Geek c'est chic" - das muss nur noch ankommen.
Sind Männer nicht die besseren Informatiker?
Bei Cisco stellen wir immer die Person ein, die am besten passt - egal welches Geschlecht. Aber wir glauben, dass es eine grosse ungenutzte Community gibt, nämlich die gut ausgebildeten Frauen. Die müssen wir erreichen und zeigen, dass IT ein toller Beruf ist.
Ist es nicht eher ein strukturelles Problem, dass Frauen nicht in die IT-Branche gehen? In der Informatik muss man immer "up to date" sein, ein Teilzeitjob ist so gut wie unmöglich.
Es ist nur die weitverbreitete Vorstellung, dass es nicht machbar sei, als Frau mit Familie in der Informatik zu arbeiten. Dieses Stereotyp, dass Frauen nicht in die Informatik-Branche wechseln können, trifft nicht mehr zu.
Wir sind überzeugt, dass es möglich ist und bieten die entsprechenden Rahmenbedingungen. Bei uns können beispielsweise alle jederzeit von zu Hause arbeiten.
Bei Cisco finden Sie Frauen in Top-Positionen. Denken Sie etwa an unseren CTO Padmasree Warrior. Oder die globale CIO Rebecca Jacoby.
Ist nicht genau dies das Problem? Frauen in hohen Positionen können sich Nannys oder Putzfrauen leisten - Frauen in tieferen Positionen jedoch nicht.
Frauen mit Nannys sind auch in der Informatik Ausnahmen. Bei dieser Diskussion geht es aber immer um Frauen und Männer gleichermassen. Ohne Unterstützung des Partners klappt das nicht.
Es braucht aber auch Vorbilder wie die genannten Frauen, die anderen Frauen vorleben, wie weit man es bringen kann. Zudem verdienen Frauen in der Informatik neun Prozent mehr Lohn als in allen anderen Berufen.
Sie sind unverheiratet und haben keine Kinder. Haben Sie sich bewusst für die Karriere und gegen eine Familie entschieden?
Nein, überhaupt nicht. Es war damals eine persönliche Entscheidung, das Silicon Valley zu verlassen und meine Chancen in der Schweiz wahrzunehmen. Das mit der Familie hat sich einfach nicht ergeben. Aber mir gefällt mein Lifestyle.
Sie haben vorhin Stereotypen angesprochen. Die Website Girls In ICT widerspiegelt aber genau die Frauen-Stereotypen. Alles in pink...
...und das ist auch gut so. Ich hielt in farbigen Kleidern meine Präsentation vor dem europäischen Parlament. Es ist in Ordnung, seinen eigenen "Brand" zu haben, es ist in Ordnung, pink zu sein. Man muss nicht die schwarze Männeruniform übernehmen.
Was ich sagen möchte, ist, dass jede Person ihren eigenen "Brand" definieren soll - egal ob pink, gelb, schwarz...
Um Frauen zu erreichen, muss es heute also pink sein?
Das ist erst der Start. Ich nenne es eine Evolution. Die Frauen und Mädchen wurden ja in einer gewissen Art und Weise erzogen. Gewonnen haben wir dann, wenn das gar kein Thema mehr ist.
Nennen Sie drei Sachen, die es braucht, damit mehr Frauen den Weg in die Informatik finden.

  1. Mehr Vorbilder. Eine Studie von McKinsey hat gerade kürzlich gezeigt, dass Frauen mehr Vorbilder brauchen.


  1. Bildung. Wir bei Cisco glauben, dass bereits in der Grundschule das Verständnis für Informatik vermittelt werden muss, und dass es Lehrpersonen braucht, die wissen, wovon sie sprechen.


  1. Mehr Selbstvertrauen. Wir können zwar günstige Rahmenbedingungen schaffen, aber Frauen müssen sich am Schluss selber entscheiden. Dafür brauchen sie mehr Selbstvertrauen.

Facebook-COO Sheryl Sandberg sagt über sich selber, dass sie eine Feministin ist. Sind Sie eine Feministin?
Wie definiert man Feminismus? Ich mag Frauen mit einem Standpunkt, und den hat sie.
Es gibt aber leider immer wieder negative Assoziationen mit Feminismus. Es gibt Definitionen des Feminismus, die meinen, dass es gar keine Männer braucht. Ich bin da anderer Meinung, für mich sind Frau und Mann gleichwertig.
Sie sehen sich also also eine Feministin?
Durchaus. Das ganze Unternehmen setzt sich auch für Frauen ein.
Wir bei Cisco zeigen jungen Frauen, dass sie überall hin können. Um das Verhältnis zwischen Mann und Frau auszugleichen, müssen wir aber noch einen weiten Weg gehen.
Sind Sie für eine Frauenquote?
Ich bin ganz klar dagegen. Ich möchte keine Quotenfrau sein, ich will aufgrund meiner Fähigkeiten eingestellt werden.
Meiner Meinung nach ist eine Frauenquote die falsche Message an die Industrie. Ich glaube sehr wohl, dass wir Frauen fördern müssen, aber letztlich ist jede Frau für ihre eigene Karriere verantwortlich. Wenn die Quote eingeführt würde, wüsste man als Frau nie, ob man wegen dem eigenen Können eingestellt wurde oder wegen der Quote.
Anstelle einer Quote müssen wir eine bessere Umgebung schaffen, in der alle arbeiten können. (Interview: Linda von Burg)

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