Eskaliert der Cyberkrieg zwischen China und Indien?

7. Mai 2008 um 11:30
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Cyberkriegsgetrommel in Indien.

Cyberkriegsgetrommel in Indien.
Die renommierte indische Zeitung 'Times of India' schlägt in einem Artikel vom Anfang dieser Woche harte Töne an: Die chinesische 'Cyber-Armee' marschiere gegen das Land, und Indien leide nur im Stillen, statt die Offensive zu ergreifen. Die offizielle Haltung sei zwar, dass chinesische Hacking-Aktivitäten den Rahmen des Üblichen nicht sprengen würden. Inoffiziell würden Regierungsvertreter allerdings einräumen, dass die Bedrohung aus China wesentlich real und beunruhigend sei.
Die Methoden der chinesischen Angreifer seien wesentlich fortgeschrittener als die normaler Hacker aus anderen Ländern. Insbesondere würden von China aus routinemässig konstant indische Netzwerke gescannt und "kartografiert". Damit halte sich China dauernd über die Schwachstellen der indischen Netzwerke auf dem Laufenden, um diese im Falle einer Eskalation der Konflikte zwischen den beiden Ländern lahmlegen zu können. Ausserdem würden von China aus Bots (Software, mit der PCs gekapert werden können) und Keylogger (Spionagesoftware, die Tastatureingaben speichert) gestreut, um IT-Infrastruktur übernehmen zu können.
China versuche, so zitiert die 'Times of India' ihre Quellen aus den Behörden, sich so einen "asymmetrischen Vorteil" gegenüber einem potentiellen Gegner zu erarbeiten. Zeitlich falle die chinesische Cyberoffensive, die seit rund anderthalb Jahren anhalte, ziemlich genau mit den erhöhten politischen Spannungen zwischen den beiden Ländern zusammen.
Die Beamten, die der Tageszeitung die Informationen zugeschoben haben, versuchten offensichtlich öffentlichen Druck aufzubauen, um die indischen Behörden zu einer Gegenoffensive zu bringen. Gegenwärtig werde lediglich im Stillen versucht, defensive Mechanismen aufzubauen. Währenddessen sei ein "entschlossenes", aber "natürlich unterbezahltes" Team von Beamten damit beschäftigt, die täglichen Angriffe so gut wie möglich abzuwehren. Das grosse Manko sei, das ein offensives System für Vergeltungsmassnahmen fehle.
Und das, so trommeln sich die Quellen auf die Brust, wäre eigentlich gar nicht schwierig: Chinas Netzwerke seien "sehr porös", während Indien schliesslich "ein anerkannter IT-Gigant" sei.
Aus internationaler Sicht sind schon die postulierten chinesischen Aktivitäten allein beunruhigend. Indische Vergeltungsmassnahmen könnten ausserdem leicht zu einer Eskalation des "Cyberkriegs" in Asien führen - und im Zuge des Offshoring-Trends befinden sich vor allem in Indien, aber zunehmend auch in China für Unternehmen in unserer Region wichtige IT-Infrastrukturen und -Ressourcen. (Hans Jörg Maron)

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