Esmertec verliert (mehr) Geld und den Chef

19. Mai 2006, 08:58
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"Danke für die Vision"

"Danke für die Vision"
Der Zürcher Java-Spezialist Esmertec kommt und kommt nicht aus den negativen Schlagzeilen und der Aktienkurs der seit dem vergangenen September börsenkotierten Firma befindet sich in freiem Fall. Die neueste Hiobsbotschaft: Esmertec wird im laufenden Halbjahr weniger umsetzen (unter 10 Mio. Dollar) und viel mehr Geld verlieren, als ursprünglich angenommen. Esmertec begründet den Umsatzschwund mit einem "erheblichen Preisrückgang für Embedded Java im Mobilfunkmarkt" und mit kürzeren Laufzeiten der Verträge mit den Handyherstellern.
Gleichzeitig gab Esmertec gestern Abend bekannt, dass der bisherige Chef Alain Blancquart das Handtuch in den Ring geworfen hat. Er ist mit sofortiger Wirkung - nur einen Tag vor der Generalversammlung - als CEO und Verwaltungsratspräsident zurückgetreten. Erstaunlich, was Investor-Relations-Leute von börsenkotierten Firmen so alles zustande bringen: "Alain Blancquart hat Grosses beim Aufbau von Esmertec geleistet, das Unternehmen innerhalb von drei Jahren von Null auf rund 40 Millionen Dollar Umsatz gebracht und an die Börse geführt. Alain hat sich entschieden, eine neue Phase in seiner Karriere zu beginnen. Der Verwaltungsrat dankt ihm für die Vision und Energie, die er seit seinem Eintritt 2002 dem Unternehmen gegeben hat und dass er Esmertec zu einer führenden Position im Markt für Embedded Java Lösungen verholfen hat," lässt sich VR-Vizepräsident Hans-Ulrich Müller zitieren.
Interimistischer Nachfolger des gescheiterten Blancquart wird Jean-Claude Martinez, der bisherige COO.
Esmertec hat zwei sehr grundsätzliche Probleme. Zum einen ist unklar, ob es angesichts der laufend steigenden Leistungsfähigkeit von mobilen Geräten die Java-Software von Esmertec in Zukunft noch braucht. Zum anderen zählt Esmertec in seiner Buchhaltung den gesamten Wert von Verträgen zu Beginn ihrer Laufzeit als Umsatz - es wird aber jeweils erst später klar, ob diese Umsätze wirklich realisiert werden können. (Christoph Hugenschmidt)

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