ETH entwickelt Teleskop-Kontaktlinse mit "Zwinkerbrillen"-Steuerung

13. Februar 2015, 15:47
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Erleichterung für Patienten mit Makuladegeneration: Brillenträger zwinkert mit dem rechten Augen, um die Sicht zu vergrössern und mit dem linken Auge für normale Sehstärke.

Erleichterung für Patienten mit Makuladegeneration: Brillenträger zwinkert mit dem rechten Augen, um die Sicht zu vergrössern und mit dem linken Auge für normale Sehstärke.
Die Zeiten, als Menschen mit Makuladegeneration klobige Brillen mit aufgesetzten Teleskopen tragen mussten, könnten bald vorbei sein. Forschende der ETH Lausanne haben eine teleskopische Kontaktlinse entwickelt, die zu mehr Sehschärfe verhelfen soll. Gesteuert wird die Linse per Augenzwinkern.
 
Nötig ist dafür eine intelligente Brille, welche das Zwinkern erkennt - und vom normalen Lidschlag unterschiedet, wie die ETH Lausanne am Freitag mitteilte. Die Prototypen beider Produkte werden dieser Tage am jährlichen Kongress des US-Wissenschaftsverbands AAAS im kalifornischen San José vorgestellt.
 
Geschätzte 285 Millionen Menschen weltweit sind sehbehindert. In der westlichen Welt ist die altersbedingte Makuladegeneration (AMD), eine Erkrankung der Netzhaut, die mit dem Nachlassen der zentralen Sehschärfe einhergeht, häufigste Ursache für das Erblinden von älteren Menschen.
 
Gerade für AMD-Betroffene könnte die neue Kontaktlinse eine Chance sein. "Es ist wichtig, aber äusserst schwierig, eine gute Balance zwischen Funktionalität und der Belastung einer klobigen Sehhilfe zu finden", wird der Optikspezialist Eric Tremblay von der ETH Lausanne in der Mitteilung zitiert. Eine Kontaktlinse könne in diesem Punkt Abhilfe schaffen.
 
Bequem und sauerstoffdurchlässig
"Derzeit ist es noch Forschung, aber wir hoffen, dass es bald eine wirkliche Option für Menschen mit AMD wird", so Tremblay, der die Produkte in Zusammenarbeit mit Forschenden der University of California in San Diego und
Partnerfirmen entwickelte.
Die erste teleskopische Linse, die um den Faktor 2,8 vergrössert, wurde bereits 2013 entwickelt und seither ständig verbessert, wie es heisst. Vor allem waren die Wissenschaftler bestrebt, die Sehhilfe bequemer und damit alltagstauglich zu machen.
Die Kontaktlinse funktioniert dank eines sehr dünnen Teleskops in einer 1,55 Millimeter dicken Linse. Die kleinen Spiegel reflektieren Licht, was die wahrgenommenen Objekte vergrössert, als ob man durch ein Fernglas schauen würde.
 
Die Vollschalen-Kontaktlinse (Sclera-Lens) enthält kleine Luftkanäle, damit Sauerstoff ans Auge gelangen kann. Gerade die Sauerstoffdurchlässigkeit aber auch die Sichtqualität der Linsen stellten die grössten Herausforderungen dar, schreibt die ETH Lausanne weiter.
 
Brille schaltet von normal auf vergrössert um
Für ein weiteres Problem haben die Entwickler bereits eine elegante Lösung gefunden: Wie kann der Linsenträger bequem von der vergrösserten Sicht in die normale umschalten? Eine Funktion, die gerade für Menschen, die nicht an AMD leiden, wichtig ist.
 
Die Antwort liegt in einer elektronischen Brille, deren Lichtsensoren den Unterschied zwischen einem bewussten Zwinkern und dem normalen Lidschlag erkennen: Die Brillenträgerin zwinkert mit dem rechten Augen, um die Sicht zu vergrössern und mit dem linken Auge für normale Sehstärke.
 
Die Kombination von teleskopischer Linse und intelligenter Brille könnte Sehbehinderte dereinst von Brillen mit aufgesetzten Teleskopen erlösen. Diese folgen nicht den Augenbewegungen, was bedeutet, dass Trägerinnen und Träger ihren Kopf neigen und ihre Augen entsprechend positionieren müssen, um gut sehen zu können. Zudem erschweren solche auffälligen Sehhilfen die "soziale Interaktion", wie die Forscher schreiben. (sda/lvb)

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