EU-Kommission hat Einwände gegen Oracle-Sun-Deal

10. November 2009, 09:37
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Die europäischen Wettbewerbshüter befürchten, dass die Übernahme der Sun gehörenden MySQL-Datenbank durch Oracle den Datenbankmarkt gefährdet.

Die europäischen Wettbewerbshüter befürchten, dass die Übernahme der Sun gehörenden MySQL-Datenbank durch Oracle den Datenbankmarkt gefährdet.
Wie Sun in einer Eingabe an die US-Börsenaufsicht erklärt, hat die Europäische Kommission offiziell Einwände gegen die Übernahme von Sun durch Oracle aufgelistet. Die Bedenken der EU-Wettbewerbshüter beschränken sich gemäss Sun auf die Auswirkungen der Übernahme auf den Datenbankmarkt. Sun ist seit der Übernahme der schwedischen Firma MySQL AB Anfang 2008 das Unternehmen, das hauptsächlich hinter der Weiterentwicklung erfolgreichsten Open-Source-Datenbank "MySQL" steht. Die Übernahme von Sun durch Oracle, mit seiner eigenen, proprietären Datenbank bereits Marktführer im Datenbankmarkt, könnte, so befürchtet die Kommission, die Konkurrenzsituation im Datenbankmarkt zum Nachteil der Kunden entschärfen.
Das "Statement of Objections" ist gemäss Sun allerdings lediglich als vorläufige Stellungnahme zu verstehen. Sie stelle vor allem eine Einladung an die beteiligten Unternehmen dar, vor dem Ende des Verfahrens noch einmal Stellung zu den Befürchtungen zu nehmen und nehme die endgültige Entscheidung keineswegs vorweg.
Trotzdem kritisierte Oracle in einem eigenen Statement die Kommission scharf. Die geäusserten Bedenken würden zeigen, dass die Kommission die Mechanismen sowohl des Datenbankmarkts als auch von Open-Source-Software völlig falsch verstehe. Im Datenbankmarkt gebe es acht verschiedene Firmen mit unterschiedlichen Produkten. Es gebe nach europäischem Recht keine Basis dafür, den Zusammenschluss von lediglich zwei davon zu verhindern. Und Fachleuten, die sich im Open-Source-Markt auskennen würden, sei es völlig klar, dass niemand MySQL kontrollieren könne – eben weil die Datenbank unter Open-Source-Lizenz steht.
Den grösste Applaus für ihre Einwände erhielt die Kommission heute allerdings gerade von Vetretern der Open Source-Szene. Oracle erhielt dafür gewichtige Unterstützung von den Wettbewerbshütern im US-Justizministerium. Diese erklärten gestern ein weiteres Mal, dass die Übernahme die Konkurrenzsituation nicht beinträchtigen werde. Die US-Kartellbehörde hatte die Übernahme bereits im August genehmigt.
Die Haltung der US-Wettbewerbshüter dürfte auch die EU-Kommission beeinflussen, die einem Machtkampf wohl eher abgeneigt wäre. Falls sie aber trotzdem Mitte Januar zu einem negativen Entscheid kommt, könnte die Übernahme für längere Zeit blockiert werden. Darunter dürfte vor allem Sun empfindlich leiden und MySQL wieder zu verkaufen, was die Bedenken der EU-Kommission schnell aus der Welt räumen sollte. (hjm)

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