EU will Monopole beim Glasfasernetz endgültig brechen

14. September 2010, 10:45
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EU-Telekom-Kommissarin Neelie Kroes will gemäss einem der 'Financial Times Deutschland' (FTD) vorliegenden Kommissionsentwurf am nächsten Montag Leitlinien verabschieden lassen, die ein Monopol der Netzbetreiber beim schnellen Internet auf Glasfaser-Basis in Zukunft ausschliessen sollen.

EU-Telekom-Kommissarin Neelie Kroes will gemäss einem der 'Financial Times Deutschland' (FTD) vorliegenden Kommissionsentwurf am nächsten Montag Leitlinien verabschieden lassen, die ein Monopol der Netzbetreiber beim schnellen Internet auf Glasfaser-Basis in Zukunft ausschliessen sollen. Damit sollen insbesondere grosse Telkos wie die Telefónica und die Deutsche Telekom künftig keinen Vorzug mehr geniessen können.
Die seit zwei Jahren erwartete Regulierung der Hochgeschwindigkeitsnetze auf EU-Ebene legt fest, dass jeder, der in Europa Glasfaserkabel verlegt, allen interessierten Konkurrenten Zugang zu seinen Netzen geben muss, wobei die Preise reguliert sind. Laut Schätzungen der FTD besteht derzeit in Europa ein Investitionsbedarf in die Glasfaser-Infrastruktur von 180 bis 270 Milliarden Euro. Bisher hatten unklare Regeln die Ausbauten verzögert. Jetzt heisst es in dem Entwurf, dass beispielsweise in Deutschland die Bundesnetzagentur prüfen müssen, "ob die Investoren ausreichende Kabelschachtkapazitäten für Dritte installieren und einen kostenorientierten Zugang zu diesen Kapazitäten gewähren".
Während EU-Wettbewerbshüterin Neelie Kroes verspricht, mit der Grundsatzentscheidung Anreize für den Netzausbau zu schaffen, ohne den Wettbewerb zu bremsen, wie FTD schreibt, seien die Vorgaben für die grossen Telekomkonzerne eine Niederlage. Die EU setzt auf diesem Wege gleiche Zugangschancen für alle durch und verspricht, das Investitionsrisiko der Netzbetreiber "angemessen berücksichtigen".
Der europäische Telekommunikationsverband Etno fürchtet dagegen, dass die systematische Anwendung kostenorientierter Zugangsverpflichtungen nicht angemessen für die Netze der neuen Generation sei. Unter den neuen Bedingungen würde der Glasfaserausbau zu einer "Herausforderung für Investoren". Andere Verbände begrüssen den Entscheid, weil künftig keine Monopolrenditen zulasten der Kunden abgeschöpft werden könnten. Der diskriminierungsfreie Zugang auf die Netze der Konkurrenz trage dazu bei, die Anbietervielfalt zu erhalten. (vri)

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