Europäische "App-Economy" auf Augenhöhe mit USA

17. Februar 2014, 14:52
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Viel grösser als man denkt.

Viel grösser als man denkt.
Wenn man die klassische Softwarebranche in Europa betrachtet, könnte man Minderwertigkeitskomplexe kriegen. Die Top-100 der europäischen Softwareindustrie machen weiterhin weniger Umsatz, als Microsoft allein..
Laut dem vom Marktforschungsinstitut Gigaom Research verfassten Bericht erzielten Consumer-Apps von europäischen Unternehmen letztes Jahr global 8,5 Milliarden Euro Umsatz in App-Stores - 42 Prozent der globalen Gesamtumsätze. Apps von nordamerikanischen Entwicklern machten etwa gleich viel aus. Die europäischen Unternehmen mussten zwar rund 2,5 Milliarden Euro direkt an Betreiber der Stores, fast alles US-Unternehmen, abliefern. Trotzdem beträgt das Handelsdefizit mit den USA bei Apps laut der Studie nur 128 Millionen Euro.
Das Ergebnis ist insofern überraschend, als alle bedeutenden Plattformen für Apps - Android, iOS, Facebook, Windows - und die dazugehörigen Stores von US-Firmen stammen. Die Namen der grossen europäischen App-Entwickler sind dagegen in der breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Am ehesten ein Begriff ist noch Rovio, der finnische Entwickler von "Angry Birds". Rovio ist aber laut der Gigaom-Studie nur der fünftgrösste europäische App-Entwickler. Die Nummern eins und zwei sind die ebenfalls skandinavischen Firmen King.com und Supercell. Die fünf grössten App-Entwickler (Wer die Nummer drei und vier sind, wird in den uns zugänglichen Materialien leider nicht genannt) sind allesamt Game-Entwickler und laut der Studie für knapp die Hälfte der Umsätze der europäischen App-Entwickler verantwortlich.
App-Boom in Europa
Europäische App-Entwickler machten letztes Jahr, abzüglich der erwähnten Gebühren an Storebetreiber, laut der Studie insgesamt 17,5 Milliarden Euro Umsatz. Die 6 Milliarden Euro, die mit den Apps selbst erzielt wurden, setzen sich zusammen aus den Einnahmen für kostenpflichtige Apps, Einnahmen aus Verkäufen von sowohl realen als auch virtuellen Gütern in den Apps, sowie Werbeeinnahmen. Die restlichen 11,5 Milliarden Marktvolumen sind "Contract Labor", also Arbeitskosten, die App-Entwickler ihren Auftraggebern in Rechnung stellten.
Diese Arbeitskosten, obwohl In-House-Entwicklungskosten dabei noch nicht einmal mitgerechnet sind, sind deutlich höher als die App-Einnahmen. Dies liegt daran, dass die überwiegende Mehrheit der Apps heuzutage nicht angeboten wird, um damit direkt Einnahmen zu erzielen. Kundengewinnung, Marketing, Erhöhung der Effizienz im Kundenservice und andere schwer in Geld messbare Anliegen sind meist die Hauptziele von Unternehmen. Und Apps, die von der Öffentlichen Hand angeboten werden, sind sowieso fast immer "Non-Profit-Apps".
Der Bereich der Auftrags-Apps, so die Studie, ist zudem ein Bereich, dessen Potential von den europäischen App-Entwicklern bei weitem noch nicht ausgenützt wird. Eine Mehrzahl der Entwickler, sowohl grosse als auch kleine, arbeitet lieber für sich eigene Apps, und die App-Abteilungen bei klassischen Softwareschmieden sind noch eher klein.
Die Verfasser der Studie glauben, dass sich die App-Wirtschaft in Europa auch in den nächsten Jahren rasant entwickeln wird. Gegenwärtig arbeiten demnach rund 1,8 Millionen Menschen in der "App-Economy", etwa eine Million Entwickler sowie etwa 800'000 Leute in unterstützenden Bereichen wie Sales und Marketing. 2018, so Gigaom, könnten es, wenn das Potential ausgeschöpft wird, bis zu 2,8 Millionen Entwickler und 2,1 Millionen Arbeitnehmer im App-Umfeld sein. Der Umsatz würde gemäss dieser Vorhersage von heute 17,5 Milliarden Euro auf 63 Milliarden Euro in die Höhe schnellen. (Hans Jörg Maron)

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