Europas Anbieter kämpfen um verlorene Anteile im boomenden Cloud-Markt

19. Januar 2021, 15:15
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Die Verluste gehen vor allem auf das Konto der drei Hyperscaler. Der Chefanalyst von Synergy Research glaubt nicht, dass sich der Trend umdrehen lässt.

Der europäische Cloud-Markt hat sich seit Anfang 2017 verdreifacht und erreichte im dritten Quartal 2020 ein Volumen von 5,9 Milliarden Euro. Profitiert haben vor allem die Hyperscaler: AWS, Microsoft und Google. Sie teilen mittlerweile zwei Drittel des Marktes unter sich auf, wie Zahlen von Synergy Research zeigen. Analysiert haben die Marktforscher Infrastruktur- und Plattform-Services sowie Hosted Private Cloud.
Die europäischen Anbieter haben seit Ende 2016 massiv an Marktanteilen eingebüsst: Diese sanken vor allem zu Gunsten der Cloud-Giganten von 26% auf unter 16%. Der restliche Markt wird unter kleineren US-amerikanischen und asiatischen Anbietern aufgeteilt, die aber laut Synergy Research ebenfalls Anteile verlieren.
Unter den europäischen Anbietern findet sich die Deutsche Telekom auf Rang eins – mit 2% Marktanteil. Dahinter folgen OVHCloud und Orange. Auf regionaler Ebene spielen nationale Telcos und regionale Anbieter eine Rolle.
Die Europäer versuchen nun verlorenen Boden gut zu machen, wie die Analysten von Synergy Research erklären. "Europäische Cloud-Anbieter versuchen, mehr Zugkraft im Markt zu gewinnen, indem sie sich auf Kundensegmente und Anwendungsfälle konzentrieren, die strengere Anforderungen an Datenhoheit und Datenschutz erfüllen müssen. Dies hat zu der Gaia-X-Initiative geführt. Sie stellt einen Versuch dar, die Entwicklung der europäischen Cloud-Industrie umzukehren", sagte John Dinsdale, Chefanalyst der Synergy Research Group.
Es locken schliesslich grosse Umsätze: Synergy Research schätzt, dass das europäische Cloud-Volumen dieses Jahr die Marke von 23 Milliarden Euro erreichen wird. Das wäre im Jahresvergleich ein Wachstum von 31%. Infrastruktur- und Plattform-Services machen 80% des Marktes aus und wachsen auch deutlich schneller als gehostete oder gemanagte Private Clouds.
Ob die Bemühungen der europäischen Anbieter Früchte tragen, stehe aber zu bezweifeln, so Dinsdale. Mittlerweile hätten die drei Public-Cloud-Giganten aus den USA 67 Rechenzentren in Europa und über 150 lokale Standorte zusätzlich. Die kleineren US-Anbieter zählen nochmals 36 grosse RZ auf dem Kontinent.

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