Evento erntet in Bern massive Kritik und wird dennoch bleiben

22. September 2010, 12:00
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Die im Kanton Bern im Einsatz stehende Schulverwaltungssoftware Evento wird trotz angeblich zahlreicher Mängel weiter betrieben. Ein gemeinsamer Effort soll nun Abhilfe schaffen.

Die im Kanton Bern im Einsatz stehende Schulverwaltungssoftware Evento wird trotz angeblich zahlreicher Mängel weiter betrieben. Ein gemeinsamer Effort soll nun Abhilfe schaffen.
Nach dem gestrigen Erfahrungsaustausch mit den Rektoren der Berufsfachschulen und Gymnasien zu den seit langem bekannten, zahlreichen Problemen mit der Software Evento des Zürcher Herstellers Crealogix hat der Berner Erziehungsdirektor Bernhard Pulver heute erneut mitteilen lassen, dass Bern an der Schulverwaltungssoftware festhalten werde. Zwar hätten sich die Probleme in der Anwendung bestätigt, "allerdings wollen die Schulen nicht auf Evento verzichten", heisst es in einer Mitteilung von heute. "Mit vereinten Kräften des Softwareherstellers, des Rechenzentrums und der Erziehungsdirektion soll Abhilfe geschaffen werden", schreibt die Erziehungsdirektion weiter.
Diese Entscheidung war aus einem einzigen Grund erwartet worden: Für Einführung und Kauf der Software sind in den letzten fünf Jahren bereits 33,3 Millionen Franken investiert worden. Wobei allein für den jährlichen Betrieb und den Support zusätzlich zirka 2,5 Millionen Franken pro Jahr aufgewendet werden müssen - früher war übrigens noch von 1,2 Millionen Franken die Rede. Pulver konnte sich offensichtlich nicht dazu durchringen, das Projekt mit dem seit längerem höchst umstrittenen Administrationsprogramm zu stoppen.
Plötzlich will keine Schule auf Evento verzichten
Zwar stellt auch die Ehrziehungsdirektion fest, dass nach wie vor Probleme bestehen im täglichen Betrieb, die Antwortzeiten ungenügend sind und die Anwendung sich als zu umständlich und zu wenig benutzerfreundlich erwiesen hat. Das habe den Aufwand der Schulen erhöht und das Vertrauen der Schulen in Evento sei angeschlagen, da bestehende Qualitätsmängel und Performanceprobleme ungelöst sind, heisst es in der Aussendung. Dennoch habe die Anhörung der Rektoren gezeigt, dass "es auch Schulen gibt, welche mit der Schulverwaltungslösung zufrieden sind. Ein Abbruch der Arbeiten und eine Abkehr von Evento hat keine Schule gefordert." Vielmehr gelte es, die Investitionen und das erworbene Wissen zu nutzen und die Probleme konsequent anzugehen, lässt Pulver mitteilen.
Schlechte Swot-Analyse-Ergebnisse nicht thematisiert
Nicht genannt hat Pulver in der Mitteilung die an dem Gespräch vorgelegte Analyse der Stärken und Schwächen von Evento (Swot-Analyse), die von der Schlossbergschule Spiez eingereicht worden war, wie die in der Sache meist gut unterrichtete 'Berner Zeitung' heute berichtet. Sie habe "an Evento kaum ein gutes Haar" gelassen, heisst in dem Blatt. Der Rektor der Schlossbergschule habe die Analyse so wiedergegeben: Die Bedienungsoberfläche sei "veraltet, unübersichtlich und benutzerunfreundlich", die Software "für Durchschnittsnutzer kaum bedienbar" und der Zugriff auf das Programm via Internet "unzumutbar". Im Detail hätte er gemeint, dass die Stunden- und Pensenplanungsfunktionen schlicht nicht zu gebrauchen sind. Die Folge davon sei, dass die Ressourcenverwaltung kaum sinnvoll genutzt werden könne.
Trotz dieser wohl nur als Desaster zu beschreibenden Situation – die Probleme sind alle längst öffentlich bekannt - will man in Bern dennoch weitere Gelder in das Projekt stecken. Erste Massnahmen wie die - teure - Umstellung auf neue Rechner oder die Einführung neuer Software-Versionen seien bereits initiiert worden. Diese Upgrades sollen beispielsweise eine vereinfachte Dateneingabe ermöglichen, im Herbst sollen sie getestet werden. Ausserdem soll die Gewerblich Industrielle Berufsschule Bern, die schon länger massive Probleme wollte, aus dem Netzwerk genommen und in einem "losgelösten Einsatz" Evento zu Testzwecken nutzen.
Immerhin soll bis Ende Oktober nun endlich ein Massnahmenpaket zwischen Erziehungsdirektion, Softwarehersteller und Rechenzentrum definiert werden, das die Situation für die Schulen nachhaltig verbessert werden, wie die Erziehungsdirektion in ihrer Mitteilung verspricht. (Volker Richert)

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