Evento kommt nicht aus der Diskussion

29. Dezember 2010, 14:56
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Warum ist die neue Schulsoftware um ein vielfaches teurerer als ältere Vergleichsprogramme?

Warum ist die neue Schulsoftware um ein vielfaches teurerer als ältere Vergleichsprogramme?
Offensichtlich will man sich in Berns Regierung nicht damit abfinden, dass es keine Alternative zur Schulsoftware Evento gibt. Für die Software mit ihren zahlreichen Schwächen alle Probleme zu beseitigen. Doch was vor wenigen Monaten noch erfolgversprechend klang, bekommt nun einen erneuten Dämpfer. Zwar steht Evento inzwischen unter der neuen Leitung von Martin Fischer, der dabei ist, die Software anzupassen, zu vereinfachen und Pannenherde auszumerzen. Doch die Kritiker zweifeln weiterhin, dass es überhaupt noch möglich ist, Evento effizient und günstig in den Schulen zu verankern.
Evento ersetzen und doch noch Geld sparen
Wie die 'Berner Zeitung' (BZ) heute schreibt, behauptet nun Grossrat Samuel Leuenberger, man könne Evento doch ersetzen und dabei noch sehr viel Geld sparen. Die Erziehungsdirektion des Kantons Bern könnte nicht nur viel Ärger, sondern vor allem viel Steuergeld sparen, meint der BDP-Grossrat und Notar.
Seine These basiert laut 'BZ' auf einem Vergleich des offiziellen Evento mit der schlanken Softwarelösung der Kaufmännischen Berufsschule Emmental (KBSE). Dort hat man sich mit seinen rund 570 Schülern und 900 Kursteilnehmern bis jetzt gegen die Einführung von Evento gewehrt. Bei der KBSE verursache die Software pro Schüler und Jahr alles eingerechnet nur rund 10 Franken Kosten. Auf die Anfrage von Leuenberger wies Erziehungsdirektor Pulver darauf hin, dass für die 18 Schulen mit Evento derzeit Pro-Kopf-Kosten von 239 Franken pro Jahr anfallen. Damit wäre die KBSE-Lösung drastische 24-mal günstiger als Evento.
Evento um ein vielfaches teurer
Laut 'BZ' hat Pulver diese massive Differenz in seiner Antwort an Leuenberger nun damit gerechtfertigt, dass Investitions-, Entwicklungs- und Wartungskosten mit eingerechnet seien. In den kommenden Jahren werde man so bereits auf 90 Franken herunterkommen und ohne Personalkosten sei künftig nur noch mit Kosten von 48 Franken zu rechnen, so Pulver. Dann wären die Pro-Kopf-Kosten von Evento nur noch fünfmal höher als jene an der Emmentaler Berufsschule. Inwieweit diese Zahl stimmt, ist allerdings offen. Denn die Emmentaler beteuern gemäss 'BZ', sie hätten alle ihre Personal- und Nebenkosten bereits eingerechnet.
Pulver hat in seiner Antwort an Leuenberger noch auf weitere Schwierigkeiten bei dem Vergleich hingewiesen. Evento sei ein Gesamtsystem mit Schnittstellen zur Lehrvertragssoftware Escada und zum Finanzinformationssystem. Zudem biete Evento gesicherte Internetzugänge und sei in Sachen Datenschutz besser als die KBSE-Lösung. Pulver seinerseits bezweifelt auch, ob der Vollkostenvergleich tatsächlich so stark zugunsten des KBSE-Programms ausfalle.
Evento-Kritik reisst nicht ab
Verglichen mit Evento seien bei der KBSE zwar "Steinzeitwerkzeuge" im Einsatz, hält die 'BZ' die Stimmen der Evento-Befürworter fest. Doch immerhin komme auch diese Software von renommierten Firmen – habe zudem aber den grossen Vorteil, dass Lehrer und Sekretärinnen damit offenbar sehr gut leben können.
Die Kritik an Evento wird den Berner Grossrat also weiter beschäftigen. Grossrätin Käthi Wälchli etwa glaubt, dass Evento eine schlechte und viel zu teure Luxuslösung sei. Sie hat in dieser Sache bereits zwei Vorstösse eingereicht, schreibt die 'BZ', und zurzeit laufe diesbezüglich auch eine Untersuchung der grossrätlichen Oberaufsichtskommission. (vri)

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