EWZ: Swisscoms "Mehr-Fasern-Netzmodell zu teuer"

2. Februar 2009, 15:25
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ComCom-Präsident Marc Furrer kritisiert in einem Interview die Hausanschlussverträge, die das Zürcher Elektrizitätswerk bei der Installation von Glasfaserverbindungen abschliesst.

ComCom-Präsident Marc Furrer kritisiert in einem Interview die Hausanschlussverträge, die das Zürcher Elektrizitätswerk bei der Installation von Glasfaserverbindungen abschliesst.
In einem Interview mit dem Zürcher 'Tages-Anzeiger' nimmt der Chef des Schweizer Telekom-Regulators ComCom, Marc Furrer, Stellung zu Cablecom, der Privatisierung von Swisscom, den regulierten Preisen für die "letze Meile" sowie zum "Glasfaser-Wettrennen" zwischen Swisscom und verschiedenen lokalen Elektrizitätswerken.
Furrer analysiert (in unseren Augen richtig), dass Swisscom nur dank der Offensive der EWs "derart vorwärts mit dem Glasfaserausbau" mache. Dank diesem "Wettrüsten" werde die Schweiz "eine der besten Telecom-Infrastrukturen der Welt" bekommen, so Furrer im 'Tages-Anzeiger'. Es brauche aber eine gewisse Koordination, damit der Boden nicht drei- oder vierfach aufgerissen würde.
Gemäss dem ComCom-Chef führe man zur Zeit Diskussionen darüber, ob es vertretbar ist, dass das EWZ Hausbesitzer, die Glasfasern legen lassen, mit langfristigen Verträgen an sich bindet. Gewisse Aspekte der Verträge zwischen dem EWZ und den Hauseigentümern könnten gemäss Furrer "sogar gesetzeswidrig" sein. Dieser Punkt werde zur Zeit von einer Arbeitsgruppe abgeklärt und die Ergebnisse am nächsten runden Tisch am 1. Mai präsentiert, sagte Furrer.
EWZ: "Wir fördern den Wettbewerb"
Das Zürcher Elektrizitätswerk (EWZ) reagierte äusserst rasch auf das heute veröffentlichte Interview. Man sei sich "nicht bewusst, dass die mit den Hauseigentümern abgeschlossenen Verträge gesetzeswidrig sein sollen," heisst es in einer Pressemitteilung. Denn nur wenn das Nutzungsrecht für die Glasfasern beim EWZ, das keine eigenen Dienste anbieten wird, bleibe, könne der diskriminierungsfreie Zugang für alle Dienstleister sichergestellt werden.
Mehrere Fasern in die Gebäude und Haushalte zu legen, wie dies Swisscom vorschlägt, würde nur Swisscom helfen, ihr "Monopolnetz" zu günstigeren Bedingungen bis zu den Endkunden zu verlängern, heisst es seitens des EWZ. Zudem reiche die Kapazität der Leitungsrohre nicht, um vier Glasfasern zu verlegen.
Die Stadt Zürich verbiete niemandem, Investitionen zu tätigen, heisst es im letzten Abschnitt der Mitteilung unter dem Titel "EWZ fördert Wettbewerb unter Anbietern." Zwei Anbieter (pro Haus) oder ein Mehr-Fasern-Modell in der Stadt Zürich seien volkswirtschaftlich jedoch nicht sinnvoll.
Hintergrund
Im Hintergrund des Hickhacks um die richtige Strategie bei der flächendeckenden Versorgung der Schweizer Haushalte und Firmen mit Breitband-Glasfaseranschlüssen steht ein regelrechter Wettlauf zwischen Swisscom und regionalen EWs. Swisscom will in den Städten Zürich, Basel, Genf
Die Modelle von Swisscom und den meisten EWs sind dabei an einem wichtigen Punkt unterschiedlich: Swisscom will mehrere Glasfasern in jeden Haushalt legen und eine davon exklusiv nutzen. Die EWs wollen nur eine Glasfaser legen, selbst keine Dienste anbieten, sondern dies Drittanbietern wie Orange oder lokale ISPs überlassen. Swisscom argumentiert, ihr Modell lasse echten "Infrastrukturwettbewerb" zu, während die EWs finden, Swisscom zementiere mit der Verlegung einer eigenen Glasfaser ihren Vorsprung, den sie zu Monopolzeiten errungen habe.
Die ComCom ihrerseits versucht, an einem "runden Tisch" zu vermitteln und ein gemeinsames Vorgehen zu bewirken. (Christoph Hugenschmidt)

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