Exklusiv! Bund bricht Server-Ausschreibung ab

6. November 2007, 10:02
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Anbieter sprechen von "Leerlauf" und sind sauer: Das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL bricht eine aufwändige Ausschreibung für etwa 2000 x86-Server plötzlich ab und kündigt eine Neuausschreibung an.

Anbieter sprechen von "Leerlauf" und sind sauer: Das Bundesamt für Bauten und Logistik BBL bricht eine aufwändige Ausschreibung für etwa 2000 x86-Server plötzlich ab und kündigt eine Neuausschreibung an.
Am 6. Juni schrieb das Bundesamt für Bauten und Logistik (BBL), die zentrale Beschaffungsstelle des Bundes, einen schönen Auftrag aus. Etwa 2'000 x86-Server, die der Bund bisher von HP und Fujitsu Siemens bezogen hatte, galt es neu zu beschaffen.
Also machten sich vielleicht 10 bis 12 Anbieter daran, ihre Offerte auszuarbeiten. Doch der Aufwand war für die Katz. Denn im Nachhinein verlangte der Bund bei den Anbietern plötzlich auch noch Testmaschinen. "Da wider Erwarten nicht alle Offerten dem gewünschten Detaillierungsgrad entsprachen, wurde die Lieferung von Servern als Musterkonfigurationen zur Ansicht erforderlich. Letzteres war nicht voraussehbar und daher in der Ausschreibung nicht ausdrücklich vorgesehen," so BBL-Sprecherin Danila Feldmann.
Da es um supermoderne Server mit Vier-Kern-Prozessoren von Intel ging, waren die Testgeräte nur mit einigem Aufwand zu beschaffen, erzählt ein Anbieter, der aus begreiflichen Gründen ungenannt bleiben möchte. Doch auch diese Anstrengungen waren vergeblich, denn am 25.10. brach das BBL die Ausschreibung ab. Begründung: Die Stückzahl und die technischen Anforderungen hätten sich "wesentlich geändert".
"Das BBL arbeitet nicht sauber," kritisiert unser Gesprächspartner. Rechnet man pro Anbieter für Offertstellung und die Beschaffung von Testgeräten mit einem Aufwand von 80'000 bis 100'000 Franken, so verursachte die "Ausschreibungsübung" des Bundes doch Kosten von vielleicht einer Million Franken. Feldmann wehrt sich gegen den Vorwurf, das BBL habe "Leerlauf" produziert: "Bei den in dieser Ausschreibung nachgefragten Geräten handelt es sich um Standardserver. Die Kosten für die Offerterstellung dürften nach unseren Schätzungen um ein Vielfaches tiefer liegen. Da die Geräte gemäss Ankündigung neu ausgeschrieben werden, ergeben sich für die neue Offerte Synergieeffekte, so dass nicht von einem Leerlauf gesprochen werden kann."
Unser Gewährsmann sieht das allerdings anders: "Die abgebrochene Ausschreibung bedeutete für die IT-Anbieter in der Schweiz reine Geldverbrennung." Gemäss Feldmann handelt es sich bei der abgebrochenen Ausschreibung allerdings um eine Ausnahme. "Abbrüche dieser Art erfolgen höchst selten." (Christoph Hugenschmidt)

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