Exklusiv! Constantin höhlt Matterhorn für RZ aus

1. April 2011, 07:14
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FC-Sion-Präsident Constantin und die Rechenzentrums-Anbieter hegen ehrgeizige Pläne: Das Matterhorn soll ausgehöhlt und zu einem Giga-Rechenzentrum (Tier 6) umgebaut werden. Nur Zürich schlägt quer.

FC-Sion-Präsident Constantin und die Rechenzentrums-Anbieter hegen ehrgeizige Pläne: Das Matterhorn soll ausgehöhlt und zu einem Giga-Rechenzentrum (Tier 6) umgebaut werden. Nur Zürich schlägt quer.
Green, DeepGreen, Interxion, Swisscom, CyberLink, Init7, eShelter, HP, IBM und Swift haben genug: Sie wollen den ruinösen Wettlauf beim Bau von neuen, hochsicheren (Tier 3, Tier 4) Rechenzentren beenden und gemeinsam "Nägel mit Köpfen" machen. Angestossen wurde das Mega-Projekt von niemand anderem als dem umtriebigen Walliser Architekten und Fussball-Präsidenten Christian Constantin, mit im Boot ist auch der ägyptische Unternehmer Sawiris. Ein Konsortium aus den genannten Playern will das Matterhorn aushöhlen und ein gigantisches Rechenzentrum mit über 316'000 Quadratmetern Nutzfläche und einer bisher unbekannten Sicherheitsstufe von Tier 6 (könnte auch mitten in Fukushima funktionieren) im Berg einbauen.
Frits Van der Graaf (Foto Startseite), vom Konsortium zum Sprecher ernannt, erklärte gegenüber inside-it.ch, warum der Standort für das ehrgeizige Grossprojekt ideal ist: "Im Matterhorn werden wir die Kühlungskosten durch ein revolutionäres, auf Luftschächten und Serverkammern mit runden Wänden und Decken beruhendes, passives Kühlungssystem auf nahezu Null reduzieren können." Die Idee für dieses "fantastische System", schwärmt Van der Graaf, das fast ganz ohne Ventilatoren auskomme, hätten sich die Ingenieure von Termitenhügeln abgekuckt.
Trotz des Termiten-Prinzip wird es auch im Matterhorn eine gewisse Menge Wasser für die Kühlung der Server brauchen. Das so entstandene Warmwasser würde für eine gigantische Rutschbahn vom Matterhorn nach Zermatt, die zum Flaggschiff von Sawiris neuem Tourismusprojekt Zermatt 2030 werden soll, verwendet.
So billig wie niemand sonst
"Auch die Kosten für die physischen Sicherheitsmassnahmen reduzieren sich deutlich, denn für die Sicherheit sorgt sozusagen schon die Natur alleine," so Van der Graaf weiter. Viele Stauseen und Kraftwerke lägen zudem gleich nebenan und das Matterhorn sei auch marketingtechnisch ideal: "Es symbolisiert Sicherheit, Stabilität und Hochverfügbarkeit gerade auch für unsere ausländischen Kunden aus dem Nahen Osten und Nordafrika in idealer Weise," sagte uns der Holländer im Exklusiv-Gespräch.
Das Projekt soll unter minimaler Belastung der Umwelt zustande kommen und von aussen wird - ausser Sawiris Rutschbahn - nichts zu sehen sein. Sogar die Ein- und Ausgänge der Luftschächte werden nach dem Plan des Konsortiums von Effekt-Spezialisten aus Hollywood durch künstliche Felsen unsichtbar gemacht. "Das kostet nur einen ganz kleinen Teil von dem, was die RZ-Bauer an der Kühlung sparen", meint der auf seine Idee sichtlich stolze Christian Constantin gegenüber inside-it.ch.
Widerstand: Bern will den Eiger, Zürich will Zürich
Der Kanton Wallis habe bereits grosszügige Unterstützung zugesagt, so Constantin. Wie inside-it.ch weiss, wird das Projekt allerdings riesige Auswirkungen für die Restschweiz haben. Denn das Wallis wird künftig den lokal produzierten Strom selbst brauchen und nicht mehr nach Üsserschwyz exportieren können. Das wird zu einer extremen Stromknappheit in der Rest-Schweiz führen, was Constantin aber nicht zu kümmern scheint: "Das Wasser ist unser Wasser, der Strom gehört uns und wir Walliser können damit anfangen, was wir wollen." Auch im Lötschental, das für einen zusätzlichen Stausee komplett unter Wasser gesetzt werden soll, werde es keinen Widerstand geben: "Dort wohnen nur wenige – und bald sehr reiche – Menschen, und ein paar Luchse."
Widerstand gegen das Monsterprojekt regt sich zwar (bisher?) nicht im bald ersäuften Lötschental, wohl aber im Kanton Bern. FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen will in einer dringlichen Anfrage im Bundesrat verlangen, dass das Rechenzentrum erstens nach dem Open-Source-Prinzip (alle Bürger graben ein bisschen mit) und zweitens im Eiger gebaut werden soll. Der Eiger sei viel besser geeignet, wie ja der Name schon beweise, so Wasserfallen auf Anfrage.
Nicht beeindrucken lassen will sich die Stadt Zürich, die bekanntlich unbedingt eigene Rechenzentren bauen will. OIZ-Chef Daniel Heinzmann - übrigens ein Walliser! - zu inside-it.ch: "Wir wurden für das Projekt angefragt, doch Constantin hat in den letzten drei Monaten bereits vier mal den Projektleiter ausgewechselt. Das würden die Zürcher Stimmbürger niemals akzeptieren." (Hans Jörg Maron / Christoph Hugenschmidt)
(Bild: "Horu - US-Style", Averain)

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