Exklusiv: Erbt die Konkurrenz die Schweizer Symantec-Kunden?

13. Februar 2020, 15:58
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Die Zukunft ist unklar, auch für Partner. Aber zumindest der Vertrieb kommt wieder in Schwung.

Unter einigen in der Schweiz aktiven Konkurrenten des von Broadcom übernommenen Firmenkundengeschäfts des Security-Anbieters Symantec herrscht Vorfreude.  Man habe gehört, wie uns ein Vertreter eines dieser Konkurrenten erklärte, dass Broadcom für die Symantec-Produkte eine neue Strategie fahren und sich auf die weltweit rund tausend grössten Unternehmen konzentrieren will. Dies würde einem beinahe kompletten Rückzug aus dem Schweizer Markt entsprechen. 
Der 'IT Reseller' berichtete zudem kürzlich von vielen Entlassungen bei Symantec Schweiz. Und nicht nur dies, Partner hätten zudem auch Probleme, Ansprechpartner zu finden und der Einkauf neuer Lizenzen für Kunden über die Distribution sei nicht mehr möglich.  
Also wetzt man bei der Konkurrenz die Messer und bereitet sich auf den Kampf um die gegenwärtigen Noch-Symantec-Kunden vor (oder hat sie bereits aufs Korn genommen.)
Aber wie sehen das Schweizer Symantec-Partner? Was haben sie von ihrem neuen Partner Broadcom gehört? Offensichtlich noch nichts Offizielles. Auch er habe gehört, Broadcom wolle sich auf grössere Kunden konzentrieren, erklärte uns ein Vertreter eines grösseren Symantec-Partners, der anonym bleiben wollte. Aber die Lage sei noch sehr unklar. Und er wisse nicht, ob überhaupt noch Mitarbeitende von Symantec Schweiz für Broadcom arbeiten.

Probleme ja, aber es wird besser

Aber er glaubt nicht, dass dies das Ende der Geschäfte mit Symantec sei. Was für die USA stimme, müsse nicht überall der Fall sein. Er könne sich gut vorstellen, dass die Strategie in anderen Ländern unterschiedlich gehandhabt werde.
Auch dieser Symantec-Partner bestätigte die Probleme bei der Erledigung von Kundengeschäften. Man müsse lange warten auf Offerten, sowohl für Neugeschäfte als auch für Lizenzverlängerungen. Aber er sehe Bewegung in eine positive Richtung. Broadcom bemühe sich offensichtlich sehr, die Vertriebsprobleme in den Griff zu kriegen und neue Leute für die Betreuung der Schweizer Kunden heranzuziehen.
Er hat zudem einiges Verständnis für die Lage der Symantec-Produktbetreuer, sowohl bei Broadcom als auch bei Symantec-Distributoren. Diese seien bestimmt nur so mit E-Mails bombardiert worden – von anderen Partnern und auch von seinem eigenen Unternehmen. Aber langsam werde die Wartezeit kürzer und das Backlog, dass sich offensichtlich nach den Turbulenzen aufgestaut hatte, werde abgebaut. Trotzdem werde es wohl noch einige Wochen dauern, bis sich die Lage ganz normalisiere.

Was die Distis sagen

Wir haben auch bei offiziellen Symantec-Distributoren in der Schweiz nachgefragt. Bei Also habe man keine Probleme beim Vertrieb von Symantec-Produkte, erklärte uns Head of Services & Solutions Daniel Steiner. Allerdings vertreibe Also auch nur Cloud-Services von Symantec via den Also Cloud Marketplace, keine traditionellen Lizenzen.
Peter Bremgartner, Direktor Value Business bei Ingram Micro Schweiz, bestätigte Probleme beim Vertrieb von Symantec-Produkten. Es sei schon "ziemlich harzig" gewesen, Quotes für Offerten einzuholen.
Aber auch Bremgartner sagte uns, dass sich die Lage verbessert habe. Es werde zwar noch etwas dauern, bis die Migration abgeschlossen sei. Aber Bremgartners Fazit ist: "Geschäfte im Channel kann man wieder machen."
Bremgartner glaubt, dass es bei der zukünftigen Symantec-Produktstrategie von Broadcom nicht unbedingt um die Kundengrösse gehen wird. Er glaubt, dass sich Broadcom eher auf bestimmte Produkte konzentrieren werde. Mit einem klareren Fokus könnte es auch durch möglich sein, das Geschäft in diesen Bereichen auszubauen.
Dass sich Broadcom darum bemüht, den Channel-Vertrieb in der Schweiz wieder in Schwung zu bringen scheint und ein Indiz dafür, dass die Strategieänderung keine so drastischen Auswirkungen haben könnte, wie sich die die Konkurrenz wünscht. Gerne hätten wir auch ein Statement von Broadcom zur zukünftigen Strategie und zur Lage der Schweizer Partner erhalten. Aber in der Medienzentrale von Broadcom in den USA, dem gegenwärtig einzigen offiziellen Ansprechkanal für die Presse, hat man nicht auf unsere entsprechende Anfrage reagiert.

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