Exklusiv! Harddisk-Dürre in der Schweiz

21. Oktober 2011, 16:06
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Flutkatastrophe in Thailand bedroht Weihnachtsgeschäft im PC-Handel. Assemblierer massiv bedroht.

Flutkatastrophe in Thailand bedroht Weihnachtsgeschäft im PC-Handel. Assemblierer massiv bedroht.
2011 wird für Schweizer Assemblierer ein ganz bitteres Jahr werden. Dies kann man schon jetzt - noch vor dem eigentlich entscheidenden Weihnachtsgeschäft - feststellen. Denn zur Nachfrageschwäche im Consumergeschäft und dem währungsbedingten massiven Preisdruck kommen nun auch noch Lieferengpässe bei den Harddisks wegen der Flutkatastrophe in Thailand.
Der weltweit grösste Harddiskhersteller, Western Digital, und die Nummer 4, Toshiba, mussten ihre Produktion unterbrechen, da ihre Fabriken in Thailand von der Flut betroffen sind. Western Digital produziert etwa 60 Prozent seiner HDs in Thailand, Toshiba etwa die Hälfte.
Auch Seagate hat Fabriken in Thailand, die aber gemäss dem Marktforscher IHS iSuppli nicht betroffen sein sollten. Etwa ein Viertel aller Fabriken, in denen Harddisks assembliert werden, sind in Thailand.
Die Konzentration der Fabrikation in einer Region rächt sich nun, denn die Fabriken der Markenhersteller sind von Zulieferern umgeben, die nun ebenfalls von der Flutkatastrophe betroffen sind. So etwa der Hersteller der Motoren für Harddisks, Nidec Corp., dessen Fabriken teilweise überflutet sind und den Betrieb aufgegeben haben, wie aus einer detaillierten Übersicht, die der Hersteller heute ins Netz gestellt hat, hervorgeht. Nidec stellt gemäss iSuppli 70 Prozent aller Motoren für Harddisks her und beliefert alle wichtigen Anbieter.
"Shortage schon da"
Dass Harddisks knapp werden, ist keine Spekulation, denn der Lieferengpass ist schon da, wie eine Blitzumfrage von inside-channels.ch unter Schweizer Distributoren zeigt. Tom Brunner von Alltron schreibt: "Die Shortage ist bereits da und könnte sich noch massiv verschärfen." Manfred Steinhard von Tech Data antwortet auf die Frage, ob "Tech" noch HDs liefern könne: "Ja, begrenzt".
Alle befragten Distributoren versuchen, ihren Kunden noch HDs zu besorgen. So schreibt Patrick Matzinger von Littlebit: "Ja, wir können noch liefern, wie lange allerdings können wir nicht abschätzen. Wir sollten immer wieder kleine Mengen erhalten, dies wird jedoch die Marktbedürfnisse nicht abdecken können." Ähnlich tönt es von Ingram Micro: "Es sind Produkte im Markt vorhanden, jedoch lässt sich augenblicklich keine Prognose zur weiteren Verfügbarkeit treffen," so Robert Beck, VP Product Mangement von Ingram Micro in Deutschland.
Auch Alltron versucht, auf ein weltweites Netz von Brokern zurückzugreifen. Brunner: "Wir können noch - und immer wieder - liefern, aber nur dank langjährigen und guten Partnerschaften in einem weltweiten HDD-Broker-Netzwerk."
Nicht nur HDs, auch PCs und Notebooks werden teurer
Die weltweite Knappheit schlägt sich rasch auf die Preise nieder. Steinhardt: "Es ist zu erwarten, dass die Preise steigen werden. Wöchentliche Promotionen wurden bereits abgesagt." Komponenten-Spezialist-Brunner: "Die HDD-Preise gingen in den vergangenen Tagen massiv nach oben und steigen weiter. Dadurch steigen auch die Preise auf PCs, NAS, Media-Playern, etc."
Die Harddisk-Dürre wird keine kurzfristige Erscheinung bleiben. So schreibt uns Matzinger, der das Harddisk-Geschäft kennt wie kein anderer in der Schweiz: "Die HD-Weltproduktion läuft nur noch auf etwa 30 bis 40 Prozent, die Verfügbarkeit für das Weihnachtsgeschäft für interne und externe Harddisks wird daher sehr limitiert sein."
Doch bei den Harddisks wird es im schlimmsten Fall nicht bleiben, denn auch die Hersteller von PCs und Notebooks haben keine grossen Lagerbestände, sondern beziehen möglichst "just-in-time", was sie empfindlich macht. "Die Verknappung dürfte sich mittelfristig auch auf PCs und Notebooks auswirken", so Matzinger, dessen Einschätzung von Brunner geteilt wird.
Kleine, lokale Hersteller am kürzeren Hebel
Dies wiederum könnte einmal mehr vor allem die kleinen, lokalen Hersteller treffen. Denn grosse Anbieter haben mehr Einkaufsmacht bei den HD-Herstellern und werden deshalb wohl zuerst und je nach Vertrag auch zu fixen Preisen bedient. Wer seine Komponenten hingegen auf dem freien Markt kaufen muss, leidet eher unter höheren Preisen. Der Distributor kann da nicht viel machen: Matzinger: "Ausser um jedes Stück Harddisk bei den Herstellern zu kämpfen, gibt es keine Möglichkeiten, die Harddisk-Dürre zu umgehen." (Christoph Hugenschmidt)

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