Exklusiv! Microsoft erneuert Schulpartnerschaft

10. Juni 2011, 13:57
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Microsoft hat die Nutzungsbedingungen der kostenlosen Schulplattform "[email protected]" revidiert. Jetzt will die Fachstelle von Bund und Kantonen ihre Warnung vor Microsoft im Schulzimmer zurückziehen.

Microsoft hat die Nutzungsbedingungen der kostenlosen Schulplattform "[email protected]" revidiert. Jetzt will die Fachstelle von Bund und Kantonen ihre Warnung vor Microsoft im Schulzimmer zurückziehen.
Die Schweizerische Fachstelle für Informationstechnologien im Bildungswesen (SFIB) des Schweizer Medieninstituts für Bildung und Kultur (educa.ch) und Microsoft haben sich auf eine Erneuerung ihrer Partnerschaft geeinigt. Das sagte Karl Wimmer, Vizedirektor von educa, gegenüber inside-it.ch.
Philipp Negele, Bildungsverantwortlicher bei Microsoft Schweiz, bestätigt dies und erklärt: "Wir haben die Nutzungsbedingungen von '[email protected]' schon letztes Jahr geändert und an Schweizer Verhältnisse angepasst, um es Bildungsorganisationen einfacher zu machen, Online-Dienste im Unterricht einzusetzen. Dies war einer der Schritte auf dem Weg zur Erneuerung der Bildungspartnerschaft mit der SFIB." Er geht davon aus, dass es nur noch eine Frage weniger Wochen sei, bis die SFIB und Microsoft die Eckpunkte ihrer erneuten Zusammenarbeit öffentlich vorstellen werden.
Im März des vergangenen Jahres hatte die SFIB eine regelrechte Bombe platzen lassen: Sie empfahl allen Schweizer Schulen, auf Produkte von Microsoft zu verzichten, dass die SFIB die falschen Nutzungsbedingungen geprüft habe.
Microsoft hat Hausaufgaben gemacht
Trotz des Streits gingen die Verhandlungen hinter den Kulissen weiter. educa-Vize Wimmer freut sich: "Wir haben nie erwartet, dass unsere Empfehlung bei Microsoft Freude auslösen wird. Und wir haben immer gewusst, dass eine neue Partnerschaft, von der die öffentlichen Schulen in der Schweiz tatsächlich profitieren können, ein grosses Stück Arbeit von beiden Seiten erfordert."
Besonders wichtig sei für die Fachstelle gewesen, dass Microsoft die Schweizer Datenschutzbestimmungen einhalte. "In diesem Bereich war unsere Empfehlung erfolgreich und Microsoft hat seine Hausaufgaben gemacht", sagt Wimmer. Das entlasse die Schulen allerdings nicht aus der Verantwortung, kantonale und kommunale Bestimmungen umzusetzen.
Die (Nicht-)Empfehlung der SFIB hatte Gewicht: Im föderalen Schweizer Bildungswesen - es gibt 26 verschiedene, kantonale Schulsysteme, Primarschulen sind gar kommunal geregelt - bearbeitet die SFIB im Auftrag der Erziehungsdirektoren der Kantone und des Bundes Fragen im Zusammenhang mit ICT und Bildung. Und sie schliesst auch Rahmenverträge mit privaten Anbietern ab. Will Microsoft also nicht mit jeder Schule einzeln über den Einsatz ihrer Software verhandeln, kommt der Softwareriese an der SFIB nicht vorbei.
Schule als Markt
Die revidierten Nutzungsbedingungen standen bereits dem Kanton Luzern zur Verfügung, der im Januar einen Vertrag mit Microsoft abschloss und damit bis zu 20'000 Berufs- und Mittelschülerinnen und -schüler auf "[email protected]" hievte. Wie diese neuen Nutzungsbedingungen konkret aussehen, entzieht sich der Kenntnis der Öffentlichkeit, Microsoft wollte diese inside-it.ch nicht zur Verfügung stellen.
Die Schulzimmer weltweit nimmt Microsoft mit der Initiative "Partners in Learning" ins Visier, "[email protected]" ist eine Komponente davon. Das von Microsoft gehostete Angebot bietet E-Mail-Konten im Outlook-Stil, einen Live Messenger, 25 Gigabyte Speicherplatz pro Nutzer und die Nutzung der so genannten Office WebApps.
Im Moment wird "[email protected]" in die Microsoft-Wolke "Office-365" migriert, die in ihrer Gänze wahrscheinlich auch für Schulen nicht mehr kostenlos sein wird. Details sind laut Microsoft allerdings noch nicht geklärt. Es ist anzunehmen, dass allfällige kostenpflichtige Teile via die regulären Microsoft-Volumen-Lizenzprogramme für Bildungsinstitutionen bezogen werden können.
Schlag für die Opensource-Apologeten
Verfechtern von quelloffenen Lösungen in den Klassenzimmern gegründete Parlamentarische Gruppe Digitale Nachhaltigkeit dürfte mit der erzielten Einigung zwischen Microsoft und der SFIB ein wichtiges Argument abhanden kommen.
Es fällt allerdings auf, dass sich immer mehr Schulen für Opensource-Lösungen entscheiden. Diese entsprechen oft den Bedürfnissen besser und versprechen niedrigere Kosten, beispielsweise bei der Berufsschule in Muttenz - wohlgemerkt ein Projekt der SFIB - wird bei immer mehr Schulen im Unterricht genutzt.
ICT-Kompetenzen im Lehrplan
Die einzige nationale Richtlinie ist die bis heute gültige Strategie der EDK im Bereich ICT und Medien. Diese hält unter dem Punkt "ICT-Literacy" fest: "Allen Schülerinnen und Schülern der Volksschulstufe [sind] Grundfertigkeiten im Umgang mit ICT [zu] vermitteln."
Ob dies mit quelloffener Software oder mit Microsoft-Produkten geschehen soll, bleibt Kantonen und Gemeinden überlassen. Das zeigt auch das erwähnte Beispiel aus der Zentralschweiz: Während sich der Kanton Luzern für Microsofts "[email protected]" entschieden hat, wählte die Volksschule der Stadt Luzern die Opensource-Lösung OpenOffice. Damit will die Kommune 100'000 Franken jährlich sparen. (pk)
Auch in thailändischen Schulzimmern wird mit Microsoft gelehrt. (Bild Microsoft, Screenshot inside-it.ch)

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