Exklusiv! Schweizer Channel droht AMD mit Boykott

15. Juni 2006, 12:22
  • channel
  • amd
image

Assemblierer und Inhaber von PC-Shops verlieren durch die jüngste überraschende Preissenkungsaktion von AMD mehrere 100'000 Franken. Nun drohen sie offen, den Verkauf von AMD-Chips einzustellen.

Assemblierer und Inhaber von PC-Shops verlieren durch die jüngste überraschende Preissenkungsaktion von AMD mehrere 100'000 Franken. Nun drohen sie offen, den Verkauf von AMD-Chips einzustellen.
PC-Shops und Assemblierer, die vergangenen Donnerstag AMD Athlon-CPUs an Lager hielten, schauen in die Röhre. Denn AMD senkte überraschend die Preise, schreibt aber nur den offiziellen Distributoren wie Ingram Micro und Microtronica die Differenz gut.
760'000 Franken Verlust?
Machen wir ein kleines Rechenspielchen: Nehmen wir an, dass es in der Schweiz etwa 500 PC-Shops, kleine Assemblierer und Subdistributoren gibt, die letzten Donnerstag von jedem der vier Athlon-Typen je 10 Stück an Lager hielten. Bei einer durchschnittlichen Preissenkung von 38 Franken kommen wir auf einen Gesamtverlust für den Schweizer Channel von 760'000 Franken (500 Shops x 4 Athlon-Typen à 10 Stück mal 38 Franken). Drei Viertel Millionen Franken muss sich ausgerechnet jener Teil des Schweizer IT-Geschäfts ans Bein streichen, dem es zur Zeit nicht gerade gut geht.
Wyscha: "Wir fordern Entschädigung"
Tom Brunner vom einzigen offiziellen AMD-Subdistributoren Wyscha mag seinen Verlust durch die kopflose Aktion des Intel-Konkurrenten nicht auf Franken und Rappen beziffern. Brunner: "Klar, auch wir haben 'einen Schuh voll herausgezogen'. Als anerkannter "Channel-Provider" von AMD müssen wir die Chips schliesslich an Lager halten."
Brunner hat bei AMD interveniert, wo man ihm sehr defensiv sagte, es habe sich ja nur um eine kurzfristige Preisaktion gehandelt. "Wir stellen die klare Forderung, dass wir und unsere Kunden entschädigt werden. Falls AMD sich nicht gesprächsbereit zeigt, könnte der Ausstieg aus der AMD-Distribution die Folge sein," so Brunner klipp und klar. Die Situation ist für Wyscha allerdings schwierig, denn der Boykott von AMD würde wohl nur Sinn machen, wenn auch andere Subdistis wie Littlebit, Brack, Jet oder COS mitziehen würden.
PC Hai: "Eine Katastrophe"
"Das Verhalten von AMD ist eine Katastraphe," sagt Marcel Heller von der bekannten PC-Shop-Kette PC Hai. "So ist das Geschäft mit AMD überhaupt nicht mehr spannend. Für uns ist besonders ärgerlich, dass Systeme mit AMD-CPUs bei unseren Kunden zur Zeit sehr gefragt sind." Auch Heller hat mindestens einen gut vierstelligen Betrag durch kopflose Preissenkungsaktion bei AMD verloren. Hellers Forderung an AMD ist klar und deckt sich mit Aussagen von anderen Assemblierern und PC-Shops wie etwa Top-D: "Wenn AMD mit uns auf eine saubere Art geschäften will, braucht es Price Protection" (Gutschriften auf Lagerware, deren Preise durch den Hersteller gesenkt werden).
AMD-Pionier Jet stocksauer
Auch die selten um klare Worte verlegene Chefin Simona Maier des Ramsener Assemblierers Jet Schweiz IT wird sehr deutlich, wenn man sie auf AMD anspricht: "Wir haben zwar nur minimal Geld verloren, aber wir sind stocksauer. Zum Glück sind wir bereits bei der letzten Preissenkungs-Aktion von AMD vorsichtig geworden und haben das Geschäft zurückgefahren. Doch auch wir haben nun Diskussionen mit unseren Partnern, die wir mit AMD-PCs beliefert haben."
Maier, mit Jet und den 17 Filialen von Megashop in der Schweiz gewiss kein kleiner Player, macht eine ähnliche Analyse wie Tom Brunner von Wyscha: Der Markt für Assemblierer und PC-Shops in der Schweiz ist zur Zeit durch die Preissenkungsrunden auch bei Flachbildschirmen keiner guter Verfassung. Die Kunden warten und warten auf weitere Preissenkungsrunden. Brunner: "Einzig sehr günstige PCs und Highend-Geräte für Gamer laufen noch einigermassen gut."
"Der Markt ist völlig durcheinander," sagt Maier. "Und ausgerechnet in dieser Situation drehen die einzigen, die an der ganzen Sache noch Geld verdienen (Intel und AMD), weiter an der Preissschraube."
Den AMD-Leuten dürfte aus dem Schweizer Channel in den nächsten Wochen ein eisiger Wind entgegen blasen. Von AMD selbst war bis heute Mittag Redaktionsschluss kein Kommentar zu erhalten. Wir werden eine Stellungnahme von AMD an dieser Stelle publizieren. (Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Atos lehnt Übernahmeangebot des Konkurrenten Onepoint ab

Der kriselnde Konzern sollte für seine Cybersecurity-Sparte 4,2 Milliarden Euro erhalten. "Nicht im Interesse der Stakeholder", sagt der Verwaltungsrat.

publiziert am 30.9.2022
image

All for One legt Schweizer Töchter zusammen

Die beiden SAP-Dienstleister Process-Partner und ASC werden zu All for One Switzerland.

publiziert am 29.9.2022
image

Geopolitische Lage dämpft Erwartungen der Schweizer ICT-Branche

Der Swico-Index zur Stimmung in der ICT-Branche ist erneut rückläufig. Die Anbieter glauben aber, dass sich die Auftragslage positiv entwickelt.

publiziert am 28.9.2022
image

Abra Software will nach Besitzerwechsel expandieren

Das Investment-Unternehmen Elvaston hat die Aktienmehrheit übernommen. Nun soll der ERP-Anbieter durch weitere Akquisitionen wachsen.

publiziert am 28.9.2022