Exklusiv! SCIS setzt IT-Contractors das Messer an den Hals

30. Januar 2009, 16:53
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Swisscom IT Services will die Kosten für externe Mitarbeiter um ein Viertel senken und erwartet bis morgen Samstag Vorschläge.

Swisscom IT Services will die Kosten für externe Mitarbeiter um ein Viertel senken und erwartet bis morgen Samstag Vorschläge.
Das Schreiben, das Swisscom IT Services (SCIS) am 16. Januar den externen Personalvermittlern ins Haus schickte, ist ausgesprochen unverblümt. Aufgrund der Marktsituation sei auch SCIS gezwungen, ihre Kosten "massiv zu senken", heisst es da. Weiter: "Um mit unseren Leistungen marktfähig zu bleiben, müssen wir die Kosten für externe Dienstleister um rund 25 % reduzieren".
Die angeschriebenen Dienstleister, heisst es weiter unten lapidar, könnten bis morgen Samstag "erste Vorschläge, wie Sie uns bei der Erreichung dieser Kostensenkung unterstützen können," einreichen.
"Die fetten Jahre sind vorbei"
SCIS-Sprecher Martin Schweikert bestätigte gegenüber inside-it.ch die Existenz des Schreibens. Schweikert: "Die fetten Jahre sind vorbei und man findet heute wieder mehr Spezialisten. Als der Arbeitsmarkt ausgetrocknet war, konnten die Vermittler verlangen, was sie wollten und wir mussten Stundenansätze von bis zu 280 Franken bezahlen. Nun ist der Arbeitsmarkt besser und alle müssen den Gürtel enger schnallen."
SCIS müsse eben mit dem grossen Preisdruck seitens der Kunden auf der Kostenseite Schritt halten und die externen Mitarbeiter seien ein "wesentlicher Kosten- und Produktionsfaktor", so Schweikert zu inside-it.ch.
Er betont, dass SCIS nicht die Löhne von relativ tief bezahlten temporären Mitarbeitenden, die einfachere Arbeiten wie etwa Staging erledigen, angreifen wolle. Vielmehr gehe es um hochbezahlte Spezialisten, die sich ja auch von SCIS anstellen lassen könnten.
Swisscom IT Services beschäftigt gemäss Schweikert im Durchschnitt und je nach Projektlage zwischen 150 und 250 externe Mitarbeitende.
Ähnliche Bestrebungen haben auch andere Grossfirmen unternommen. So setzte die Grossbank Credit Suisse bereits letzten Juni Personalvermittler massiv unter Druck. Allerdings verlangte Credit Suisse damals nur eine Senkung der Honorare um sechs Prozent. Wie heute SCIS versuchte auch CS bestimmte Externe zu tieferen Kosten direkt anzustellen.
"25 Prozent sind unrealistisch"
Marcel Casserini, Country Manager von Harvey Nash Schweiz bestätigt, das Schreiben von SCIS erhalten zu haben. Sämtliche Grossfirmen haben, so Casserini, in letzter Zeit versucht, Preissenkungen für Contractors durchzusetzen. Doch 25 Prozent, wie SCIS verlangt, sind gemäss Casserini völlig unrealistisch. Denn selbst wenn Harvey Nash auf jegliche Gewinnmarge verzichtete, müsste er die Contractors zu einer Lohnsenkung von ungefähr 13 Prozent zwingen. Und dies - so warnt Casserini - würde unweigerlich dazu führen, dass gute Spezialisten ein Projekt vorzeitig verlassen würden.
Auch die Alternative, dass SCIS (und andere Grossfirmen) die Contractors direkt anstellen könnte, hält Casserini für völlig unrealistisch. Denn die meisten Grossfirmen würden nur die wenigsten Externen mit unbefristeten Verträgen ausstatten wollen. Stellen sie Leute hingegen selbst als Contractor an, so haften die Firmen gemäss Casserini für die Einhaltung der Gesetze, etwa die Bezahlung der Sozialleistungen.
Hays: "Kein Einbruch bei der Nachfrage"
Der auf hochqualifizierte Spezialisten fokussierte Dienstleister Hays liess hingegen ausrichten, man gehe davon aus, dass man nicht betroffen sei, da man bis heute keinen Einbruch in der Nachfrage feststelle. Ausserdem vermittle Hays Experten, die in den Projekten auch Know-How zum Kunden transferierten, auf das die Kunden nicht verzichten könnten.
Alle tun es…
Wer sich in der Branche der Bodyleaser umhört, bekommt teilweise haarsträubende Geschichten zu hören. Sämtliche Grossfirmen haben von den Vermittlern - teils ohne Verhandlungen - eine Senkung der Stundensätze verlangt. So kündigte eine Grossbank einfach alle Verträge und schickte gleich neue Verträge - mit tieferen Ansätzen - in einem separaten Paket. Ein grosser IT-Dienstleister hingegen zitierte die Chefs der Vermittler zu sich und verlangte eine Preissenkung - rückwirkend und in Cash auszubezahlen… Tatsächlich: "Die fetten Jahren sind vorbei." Nun werden die harten Bandagen montiert. (Christoph Hugenschmidt)

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