Exklusiv! Translumina Networks ist konkurs

4. November 2010, 16:43
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"Swisscom hat Translumina das Genick gebrochen", sagen die Verantwortlichen bei Translumina/Mygate. Nachdem das Netzbaugeschäft aufgegeben wurde, soll sich die neue Mygate nur noch als einfacher Service-Provider positionieren. Derweil warten einige Ex-Angestellte von Translumina immer noch auf ihre Löhne.

"Swisscom hat Translumina das Genick gebrochen", sagen die Verantwortlichen bei Translumina/Mygate. Nachdem das Netzbaugeschäft aufgegeben wurde, soll sich die neue Mygate nur noch als einfacher Service-Provider positionieren. Derweil warten einige Ex-Angestellte von Translumina immer noch auf ihre Löhne.
Über das Telekom-Unternehmen Translumina Networks ist Ende August der Konkurs eröffnet worden. Ob das Konkursamt Bern-Mittelland den Konkurs überhaupt durchziehen kann, ist zurzeit aber mehr als fraglich. Mit grösster Wahrscheinlichkeit wird das Verfahren mangels Aktiven wieder eingestellt. 120 Gläubiger warten auf schätzungsweise insgesamt 3,5 bis 4 Millionen Franken.
Durchgezogen wird wohl hingegen der Konkurs von Translumina Trading (17 Gläubiger), wobei es sich hierbei lediglich um eine Einkaufsgesellschaft ohne Beschäftigte handelt.
Von 70 auf 25 Mitarbeitende
Noch im Herbst 2009 präsentierte das Unternehmen hochfliegende Pläne. In der Branche spricht man aber unterdessen vermehrt darüber, dass die Verantwortlichen bei Translumina auch schon bei früheren Firmen, die sie aufgebaut haben, mit Finanzierungslücken zu kämpfen hatten.
Bei Translumina Networks arbeiteten im Herbst 2009 noch um die 70 Personen – heute sind es bei Mygate gemäss Angaben von Peter Helfenstein noch 25. Helfenstein ist CEO von Mygate. Mygate wird von aussen als die neue Translumina Networks wahrgenommen, ist aber eigentlich der neue Name der umfirmierten Firma 3-Quest, die ebenfalls zur Translumina-Gruppe gehört. Die Translumina Holding wurde im März 2010 in Mygate Holding umbenannt. Verwaltungsratspräsident ist Andreas Danuser. Die Holding ist beteiligt am Service-Provider Mygate, an Mygate Deutschland als Service-Provider in Deutschland, an der TPN AG als Anbieter von Public-WLAN-Diensten und an Comitas als Anbieter von Portal-Lösungen.
Warum aber musste Translumina Networks in den Konkurs geschickt werden? Man habe anfänglich mit Translumina Networks das Ziel gehabt, Glasfasernetze aufzubauen und diese zu betreiben, sagt Danuser. Anfänglich durchaus mit Erfolg, etwa 2007 mit dem Pilot in Dettighofen, oder in Kloten, im Appenzell und im Tessin. "Während vor wenigen Jahren zumindest in ländlichen Gegenden noch niemand Interesse zeigte, in solche Infrastrukturen zu investieren, hat sich unter anderem durch den Einstieg von Swisscom sowie von vielen lokalen Energieversorgungsunternehmen diese Situation komplett verändert", so Danuser. Diese Firmen und Institutionen sowie die öffentliche Hand könnten nach ganz anderen Kriterien investieren und dabei mit ganz anderen Abschreibungszyklen arbeiten als eine rein privatwirtschaftlich finanzierte Firma wie Translumina Networks.
Anders gesagt: Die bereits mit viel Fremdkapital gepolsterte Unternehmensgruppe konnte keine neuen Investitionsgelder für dieses Geschäft finden. Ende 2009 begannen entsprechend die finanziellen Schwierigkeiten. Danuser antwortet auf die Frage, ob Swisscom der Translumina Networks das Genick gebrochen habe, mit einem klaren "Ja". Der Mygate Holding habe Swisscom mit ihrem konsequenten Einstieg einen "schweren Schaden" zugefügt.
Man habe während vieler Monate versucht, diesen Konkurs abzuwenden, sagen die Verantwortlichen. "Dabei wurden uns aber einige Hindernisse in den Weg gelegt, wie etwa die Ablehnung eines Gesuchs um Kurzarbeit", rechtfertigt sich Danuser.
Ausstehende Löhne
Erste Kündigungen gab es Bereits Ende 2009. Der grösste Brocken folgte aber im Sommer 2010. Danuser sagt, man sei gezwungen gewesen, die Aktiven zu veräussern, um so Gläubiger und Mitarbeiter zu bedienen. Kritiker weisen darauf hin, dass Translumina noch Ende 2009 für 2,5 Millionen Franken eine Serverfarm erworben haben soll. Danuser bestätigt den Kauf, jedoch nicht die Summe: "Die entsprechenden Server sind in der Folge zu Anschaffungswerten verkauft worden. Damit ist niemand zu Schaden gekommen."
Trotzdem konnten nicht alle Löhne bezahlt werden, wie inside-it.ch erfahren hat. Vom Konkurs sind zudem etliche Lieferanten betroffen, deren Leistungen nicht oder nur teilweise bezahlt werden konnten. Bei den ehemaligen Angestellten gäbe es wohl zwei oder drei Härtefälle, meint Danuser: "Wir haben versucht, zu retten, was man retten konnte." Gemäss Danuser hat man im Sommer vermutlich 15 bis 20 Mannmonate ausstehende Löhne gehabt. "Der Konkurs ist nicht ganz so gross, wie er von einigen Leuten dargestellt wird", so Danuser.
Redimensioniert
Mit 25 Angestellten (ohne Beteiligungen) ist Mygate heute schlank aufgestellt, "vielleicht etwas zu schlank", wie Helfenstein sagt. Man konzentriere sich nun klar auf die Aufgabe als Service-Provider und kooperiere mit verschiedenen Energieversorgungsunternehmen, die ihrerseits Glasfasernetze bauen. "Wir setzen zu hundert Prozent auf dieses Pferd, der Bau von Glasfasernetzen ist vorbei", sagt Helfenstein. Durch die Aufgabe des Netzgeschäftes und durch den Konkurs der Translumina Networks habe die Mygate-Gruppe einen herben Schlag erlitten. "Die langfristigen Ziele, Triple-Play-Dienste in der Schweiz und in Deutschland anzubieten, sind aber nach wie vor intakt."
Mygate will mittelfristig die Gewinnschwelle erreichen. "Dank der konsequenten Partnerschaft mit den Energieversorgern sowie mit OEM-Kunden können täglich neue Kunden aufgeschaltet werden", sagen die Verantwortlichen. Entsprechend steige der Umsatz von Mygate "von Monat zu Monat". Die Kosten seien massiv reduziert worden. "Dieser Business-Plan ist finanziert", versichert Helfenstein. (Maurizio Minetti)

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