Exklusiv! Turbulenzen um Deepgreen

26. August 2011, 13:35
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Das für seine neuartige Technik bereits im Projektstatus prämierte Deepgreen Datacenter am Walensee muss noch vor Baubeginn erste Turbulenzen überstehen. CTO Oppermann geht und Deepgreen hat eine Klage am Hals.

Das für seine neuartige Technik bereits im Projektstatus prämierte Deepgreen Datacenter am Walensee muss noch vor Baubeginn erste Turbulenzen überstehen.
Das Business mit Rechenzentren (RZ) in der Schweiz hat 2010 einen regelrechten Boom ausgelöst. nominiert, der im Oktober vergeben wird. Doch inzwischen hat der technische Kopf des angekündigten RZ-Baus, CTO André Oppermann, auf Ende August gekündigt. Zudem ist per Einschreiben vom 26. Mai 2011 eine Namensklage des Churer Internetunternehmens Deep und von dem RZ-Betreiber green.ch aus Brugg beim Obergericht in Glarus gegen Deepgreen eingegangen.
Wenig Transparenz
Das Deepgreen Datacenter werde sicher realisiert, stellt Reinhardt heute gegenüber inside-it.ch klar. Zwar sei der früher gegenüber den Medien genannte Termin nicht zu halten, doch bis Ende 2012 werde der Betrieb laufen. Reinhardt scheint an Transparenz wenig interessiert zu sein. Denn nach wie vor verrät er nichts darüber, wie das Rechenzentrum finanziert wird. Dabei handelt es sich laut Sonntagsblick immerhin um ein rund 130-Millionen-Franken-Projekt, das dereinst 140 Arbeitsplätze schaffen soll - 70 im RZ selbst und 70 sollen von Mietern kommen, die sich in dem Neubau einquartieren. Auch zu potentiellen Kunden ist bisher noch nichts bekannt.
Deepgreen steckt in der für RZ-Projekte typischen Falle: Potentielle Kunden unterschreiben die Verträge erst, wenn die Investoren grünes Licht für den Bau gegeben haben. Doch die Investoren machen ihre Zusagen abhängig von konkret mit Kunden abgeschlossenen Verträgen. Seit Anfang 2011 verweist man bei Deepgreen darauf, Zusagen von künftigen RZ-Nutzern zu haben, nennt aber weder konkrete Namen, noch wurde bisher bestätigt, ob es sich um mehr als sogenannte "Letter of Understandig" handelt.
Der technische Kopf tritt ab
Kommt hinzu, dass nun CTO Oppermann geht, der das technisch ambitionierte Projekt erfolgreich bis zur Baubewilligung begleitet hatte und immer wieder als der technische Kopf des neuen RZ beschrieben wurde. Nun, wo es um die Umsetzung geht, kehrt er dem Projekt den Rücken. Gegenüber inside-it.ch will er nichts zu den Hintergründen sagen und verweist an Deepgreen-CEO Andreas Reinhardt. Auch von ihm gibt es jedoch keine Hintergrundinformationen. Reinhardt stellt lediglich klar, dass es "kein Zerwürfnis" gegeben habe. "Das Projekt wird realisiert", betonen beide. Ein Nachfolger für Oppermann sei bereits gefunden, doch um seinen Namen macht Reinhardt ebenfalls ein Geheimnis. Oppermanns Nachfolger ist allerdings leicht zu finden, denn im Programm des "Datacenter Forum 2011", das im November im deutschen Wiesbaden über die Bühne gehen wird, ist Referent Christian Thielebein als "CTO, Deepgreen Datacenter AG, Näfels (Schweiz)" aufgeführt. André Oppermann ist übrigens auch als Speaker vor Ort, allerdings als "unabhängiger Berater". Thielebein gehörte seit 2005 dem Kader der Olor AG aus Obfelden an, die sich auf den Bau und sicheren Betrieb von hochverfügbaren Informatikräumen spezialisiert hat.
Streit um den Namen
Auch zum Namensstreit mit den Firmen Deep und green.ch will Reinhardt nicht viel sagen. Er habe einen konkreten Vorschlag gemacht, um den Namenstreit gütlich beizulegen, bevor die Situation mit dem nun hängigen Verfahren eskaliert sei, sagt Reinhardt gegenüber inside-it.ch. Da dieser Vorschlag abgelehnt worden sei, "müssen wir jetzt die Anwälte arbeiten lassen". Aus den involvierten Kreisen wird die Aussage von Reinhardt zwar bestätigt, doch mit entscheidenden Einschränkungen: "Andreas Reinhardt hat uns angeboten, den Namen zu wechseln, wenn wir ihm einen sechstelligen Betrag bezahlen", klärt Franz Grüter, CEO von green.ch, gegenüber inside-it.ch die Hintergründe auf. Grüter spricht von einer Frechheit statt einem Vorschlag, lässt sich zu drastischeren Bewertungen des Angebots von Reinhardt, den Namenswechsel unter solchen Bedingungen vorzunehmen, gegenüber inside-it.ch aber nicht hinreissen.
Vorerst bleibt erst einmal abzuwarten, wie sich die Situation am Walensee weiterentwickelt. Laut Reinhardt sind heute bereits rund 40 Mitarbeiter in der konkreten Umsetzungsplanung des Deepgreen Datacenters beschäftigt. Dabei dürfte es sich weitgehend um Subunternehmen handeln. Doch "der operative Betrieb wird Ende 2012 aufgenommen" und bald würden auch die Bagger auffahren, sagt Reinhardt. (Volker Richert)

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