Fachkräftemangel? Produziert mehr Kinder!

11. April 2008, 09:15
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Wolfgang Clement, ehemaliger deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, fordert bessere Bildungssysteme für die Jugend, Beschäftigung für die Älteren und eine entkrampfte Zuwanderungspolitik.

Wolfgang Clement, ehemaliger deutscher Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, fordert bessere Bildungssysteme für die Jugend, Beschäftigung für die Älteren und eine entkrampfte Zuwanderungspolitik.
Am gestrigen "SAP Public Services Day" im Luzerner Kultur- und Kongresszentrum (KKL) hielt der ehemalige deutsche Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement (Bild), die Eröffnungsrede. In seiner Key Note sprach er auch über den (IT-)Fachkräftemangel. Wolle man in Europa den "War for Talents" gewinnen, müsse man auf die Jugend, die Älteren und auf die Ausländer setzen.
Überalterung und Geburtenstagnation
Clement, der von 2002 bis 2005 in Gerhard Schröders rot-grüner Regierung Vater der bislang radikalsten Arbeitsmarktreform in Deutschland ("Agenda 2010") war, sagte in seinem Referat "Innovationspolitik in Zeiten von Globalisierung und demografischem Wandel", dass es nicht sein könne, dass ein indischer IT-Spezialist zuerst einen Arbeitsvertrag vorweisen müsse, damit er in Deutschland arbeiten könne. Die Frage der Zuwanderung müsse vor allem in Europa entkrampft werden. Hier sei die Politik gefordert.
Man müsse auch an die Zukunft denken und sich vor Augen führen, wie schwierig die Situation schon in wenigen Jahren sein könnte, wenn es so weiterginge. Ausser in Afrika seien die Geburtenraten weltweit auf einem Tiefstniveau. In der westlichen Welt bringe eine Frau heutzutage nicht mehr fünf, sondern höchstens zwei Kinder zur Welt. Schätzungen gehen davon aus, dass ab 2050 die Weltbevölkerung schrumpfen wird. Gleichzeitig werden wir dank der Medizin immer älter.
Jüngere und Ältere fördern
Im Hinblick auf die Wirtschaft müsse deshalb dafür gesorgt werden, dass zum einen die ältere Generation weiter beschäftigt und zum anderen die jüngere besser in den Arbeitsmarkt integriert werde. "Es dürfen keine Talente verloren gehen", so Clement. Die Jugendarbeitslosigkeit betrage in der EU momentan 13 bis 15 Prozent. Man müsse deshalb das Bildungssystem erneuern und die Investitionen in Wissenschaft und Forschung erhöhen. Die Wirtschaft solle auch im Klassenzimmer präsent sein, damit die jungen Menschen schon früh mit der Arbeitswelt konfrontiert würden. Man dürfe das Problem nicht nur der Politik zuschieben.
Ältere Menschen, so Clement, sollen zudem im Berufsleben neue Rollen finden. Ein 67-jähriger Dachdecker könne beispielsweise in seiner Firma eine andere Funktion übernehmen. Technologie-Unternehmen müssten sich darum bemühen, pensionierte Ingenieure anzustellen beziehungsweise zu behalten. Die Pensionsgrenze sollte nicht mehr als fixes Limit angeschaut werden.
Er selber habe seinen Beitrag geleistet, sagte Clement: Der ehemalige Minister hat fünf Töchter, wird im Juli 68 und denkt nicht an den Ruhestand. (Maurizio Minetti)

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