Faigle steigt in den 3D-Druckermarkt ein

30. August 2013, 13:05
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    Dem Hype rund um 3D-Druck zum Trotz hat sich bisher die logische Verbindung des Printmaschinen- mit dem neuen Markt rund um Objektdrucker noch nicht etabliert. Mit Faigle steigt jetzt ein traditionsreicher Anbieter im Bereich von Dokumentendruck in das Geschäft ein.

    Dem Hype rund um 3D-Druck zum Trotz hat sich bisher die logische Verbindung des Printmaschinen- mit dem neuen Markt rund um Objektdrucker noch nicht etabliert. Mit Faigle steigt jetzt ein traditionsreicher Anbieter im Bereich von Dokumentendruck in das Geschäft ein.
    Das Zürcher Familienunternehmen Faigle möchte vom 3D-Drucker-Trend profitieren. Es hat deshalb neu die 3D-Drucker oder "additive Fertigungsmaschinen" des US-Unternehmens 3D Systems ins Sortiment aufgenommen. 3D Systems ist einer der beiden Marktführer neben dem ebenfalls amerikanischen Unternehmen Stratasys.
    Firmen im Visier
    Leiter der neuen Sparte namens "Faigle 3D Systeme" ist Caspar Steiner, der bereits den gesamten Bereich um Dokumentenmanagement bei Faigle aufgebaut hat. Die bestehende Logistikkette prädestiniere Faigle für das Geschäft. "Wir wollen den Kunden neben unserem Angebot an professionellen Druckern alles an Know-how anbieten können, was nach der Erstellung der CAD-Daten anfällt", sagt Steiner. Sprich: Einrichtung und Bedienung der Druckertreiber, Nachbearbeitung der Objekte, Lieferung von Verbrauchsmaterial und Wartung der Maschinen. "Mit unserem Team von 30 Aussendienstlern haben wir bereits zum Start die Infrastruktur, um auch 3D-Drucker-Kunden umfassend bedienen zu können." Faigle hat ausschliesslich Geschäftskunden im Visier und verzichtet auf den Verkauf der jüngst von den Medien breit vorgestellten Personal-3D-Druckern.
    Steiner macht kein Hehl daraus, dass die neue Technologie für Faigle auch ein Türöffner für Kunden herkömmlicher Dokumentenmanagement-Lösungen sei: In anwendungsnahen Industriezweigen sei generell ein grosses Interesse an der 3D-Druck-Technologie zu spüren. "Aber für uns besteht die Herausforderung zunächst darin, abseits des Hypes mit dem, was heute bereits mit 3D-Druck möglich ist, ein Geschäft aufzubauen."
    CAD-Daten sind zentral
    Steiner misst den Prophezeiungen um die "nächste Industrielle Revolution" durchaus eine gewisse Bedeutung zu, will den Markt aber mit einem pragmatischen Ansatz angehen. "Ob die Technologie aus der Nische herauskommt und wie weit sie die Erwartungen erfüllen wird, hängt weniger von den Fertigungsmaschinen ab als vom Umgang mit den vorgängig zu erstellenden CAD-Daten." Voraussetzung für die Alltäglichkeit des 3D-Drucks sei demnach nicht nur eine grosse Verbreitung leicht bedienbarer Konstruktionssoftware, sondern auch die Weiterentwicklung des ganzen Bereichs des Scannings von Objekten.
    Wo heute aber schon mit CAD gearbeitet werde, böten die verfügbaren Drucker ein enormes Potential für die Steigerung der Produktivität und Kosteneinsparungen. "Der 3D-Drucker läuft nicht nur während, sondern auch ausserhalb der Arbeitszeiten; ein Spezialteil kann so buchstäblich über Nacht hergestellt werden." Die Kosten für einen hochwertigen professionellen Pulverdrucker beliefen sich heute bei einer Finanzierung über vier Jahre auf rund 2500 bis 3500 Franken im Monat, jene der Kunststoffdrucker ab 5500 Franken. Das Verbrauchsmaterial fällt bei den farbigen Pulverdruckern ebenfalls etwas preiswerter aus als die Kunststoffe.
    Gussform für Pralinées
    Konkrete Einsatzmöglichkeiten sieht Steiner im Rapid Prototyping, im Modellbau für Ingenieur- und die Architekturbranche, aber dank neuen, widerstandsfähigeren Kunststoffen auch für die Herstellung von Einzelstücken für den direkten Einsatz etwa im Spezialmaschinenbau. Weitere spannende Anwendungsgebiete seien der Druck von Wachsmodellen für die Herstellung von Gussformen etwa für Bijoutiers oder auch im Lebensmittelbereich, wozu Steiner eine im 3D-Drucker hergestellte Gussform für Pralinées zeigt.
    Den Start machen bei Faigle die Druckermodelle der ProJet 3500 Serie für Kunststoffdruck und die Pulverdrucker der ProJet x60-Serie. Erstere sind für Prototypen und Einzelstücke für den Direkteinsatz geeignet; die Pulverdrucker bieten sich für Modelle in Farbdruck an, namentlich im Bereich von Design, Schulung oder Ingenieurs- und Architekturwesen.
    "Mittelfristig hoffen wir, bezahlbare Maschinen für den Metalldruck anbieten zu können", sagt Steiner: Diese vor allem auf Lasersinter-Methoden aufbauende Sparte des 3D-Drucks vertreibt 3D Systems derzeit nur direkt. Für den Durchbruch des 3D-Drucks in der Industrie seien belastbare Materialien und damit eine Expansion der Einsatzgebiete vom Rapid Prototyping hin zu Rapid Manufacturing unabdingbar. (Peter Sennhauser)
    Bildlegende: Funktionstüchtige Mechanik direkt aus dem Kunststoff-Drucker. (Bild Faigle)

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