Fast 60 Prozent weniger Spam nach Provider-Abschaltung

13. November 2008, 08:00
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Jagd nach Spammern und Phishern zeigt (kurzfristig) Wirkung

Jagd nach Spammern und Phishern zeigt (kurzfristig) Wirkung
Nachdem der Internet-Zugang des amerikanischen Providers McColo am letzten Dienstag gekappt wurde, soll das weltweite Spamaufkommen um rund 60 Prozent auf 112 Milliarden Spammails gesunken sein.
Sicherheitsforscher hatten McColo bereits länger im Visier, weil auf den Servern des Providers immer wieder Spam gehostet wurde und Phisher ihre Webseiten platzierten, um von dort ihre Malware weiter zu verbreiten. Nun hat der Upstream-Provider Hurricane Electric die Notbremse gezogen und dem Provider kurzerhand den Internetzugang gekappt. "McColo tut offensichtlich schlechte Dinge und wir tolerieren das nicht auf unserem Netz", sagte Hurricane-Electric-Manager Benny Ng gegenüber 'ChannelWeb'.
Forscher gehen in einem gemeinsamen Report von Sicherheitfirmen wie McAfee, Trend Micro und Arbor Network davon aus, dass McColo eine tragende Rolle hinsichtlich der Internet-Konnektivität von Cyberkriminellen für Spam, Botnetze sowie den Vertrieb von Malware trug. Im Bericht wird McColo auch beschuldigt, Kontrollserver für einige der grössten Botnetze der Welt gehostet zu haben. So sei beispielsweise der Trojaner Sinowal von einer IP-Adresse, die zu McColo gehört, gesteuert worden. Sinowal geriet in die Schlagzeilen als bekannt wurde, dass der Trojaner über 300'000 Logindaten für Online-Banking sowie Nummern von Kreditkarten gesammelt hatte.
Bereits im September war es dem Hosting-Provider Intercage ähnlich ergangen. Auch damals schaltete der Upstream-Dienstleister die Leitungen des Providers ab, nachdem Securityexperten mehrfach darauf hinwiesen, dass sich auf Servern des Providers eine hohe Anzahl von Spamversendern und anderer Kriminellen, die beispielsweise Malware-Software verkauften, konzentrierte.
Auch ICANN greift, als Oberaufsicht über die Domainregistrare von generischen Top-Level-Domains wie .com-, .net- und .org-Domains, im Kampf gegen Spam und Online-Betrug zu härteren Massnahmen. Wie die Non-Profit-Behörde mitteilt, hat sie dem Domainregistrar EstDomains per 24. November 2008 die Akkreditierung entzogen. Als Grund nennt ICANN die Verurteilung von EstDomains-Präsident Vladimir Tsastsin vor einem Gericht in Estland wegen Kreditkartenbetrug, Geldwäscherei und Urkundenfälschung. Gerüchten zufolge soll EstDomains für Cyberkriminelle mehrfach wissentlich Domains registriert haben. (Tom Brühwiler)

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