Fastweb-Skandal: Hausdurchsuchungen in der Schweiz

24. Februar 2010, 15:24
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Fahnder im Tessin und in Genf.

Fahnder im Tessin und in Genf.
In der seit gestern Morgen brodelnden Affäre um mutmassliche Geldwäscherei und Steuerbetrügereien bei Fastweb und einer Telecom-Italia-Tochter wurden die Behörden auch in der Schweiz aktiv. Die Bundesanwaltschaft (BA) in Bern bestätigt gegenüber inside-it.ch: "Die Bundesanwaltschaft kann in diesem Zusammenhang den Vollzug eines italienischen Rechtshilfeersuchens aus Rom bestätigen. Es fanden mehrere Hausdurchsuchungen im Kanton Tessin und in Genf statt."
Manager, Politiker, Mafia...
Weitere Angaben, etwa zum Ergebnis der Hausdurchsuchungen, wollte die BA nicht machen. Als Rechtshilfevollzugsbehörde könne die BA Fragen zu im Ausland geführten Strafverfahren nicht beantworten, heisst es in einem Statement. Die Frage, wann genau die Hausdurchsuchungen stattgefunden haben, wollte die BA ebenfalls nicht beantworten. Das Bundesamt für Justiz, das in solchen Fällen für Fahndungen, Festnahmen und Auslieferungen zuständig ist, wollte sich unter Berufung auf das Amtsgeheimnis nicht zu dem Fall äussern.
Gemäss Medienberichten richteten sich die 56 Haftbefehle der Römer Staatsanwaltschaft auch gegen Personen in Grossbritannien, USA, Panama, Luxemburg und Italien. Ihnen wird unter anderem Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen, da auch die kalabrische 'Ndrangheta involviert sein soll. Unter den Verdächtigen befindet sich auch der in Brüssel lebende Senator Nicola Di Girolamo, der Silvio Berlusconis Partei angehört und die im Ausland lebenden Italiener vertritt.
Es bleibt unklar, wie viele Personen bereits in Haft sind. Die Fastweb-Mutter Swisscom sagt, fünf Personen des früheren Managements und Mitarbeiter von Fastweb seien unter den Verdächtigen. Im Fokus stehen drei Namen: Gegen Fastweb-Gründer -Verwaltungsratsmitglied Silvio Scaglia gab es einen Haftbefehl. Er befindet sich zurzeit in Südamerika, bezeichnet sich als unschuldig und will mit den Behörden kooperieren. Gemäss Swisscom gibt es auch gegen das ehemalige Fastweb-VR-Mitglied Mario Rossetti einen Haftbefehl. Im Verdacht steht zudem der aktuelle Fastweb-CEO und -Verwaltungsrat Stefano Parisi.
Weitere Namen
Italienische Medien wie die linke L'Unità nennen derweil weitere Namen von angeblich involvierten Fastweb-Managern: Giuseppe Crudele, Bruno Zito, Roberto Contin, Alberto Calcagno sowie Mario Rossi. Der Letztgenannte ist Schweizer und war von Anfang 2007 bis zum September 2009 Finanzchef von Fastweb und davor unter anderem Finanzchef von Swisscom Fixnet. Er ist zurzeit Leiter Business Steering Swisscom Schweiz und Mitglied des Verwaltungsrates von Swisscom IT Services. Swisscom-Sprecher Sepp Huber wollte sich zu den weiteren Namen nicht äussern.
Swisscom betont, dass die ganze Angelegenheit Vorfälle betreffe, die sich vor der Übernahme von Fastweb durch Swisscom ereignet haben. Swisscom hatte Fastweb vor drei Jahren für knapp 7 Milliarden Franken übernommen. Obwohl auch Fastweb selbst unter den Beschuldigten figuriert, tritt Fastweb als geschädigte Partei auf. (Maurizio Minetti)

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