Fehlen bald noch mehr MINT-Fachkräfte?

27. Mai 2019, 10:06
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Nur zwei Drittel der Schweizer Schüler erreichen die Lernziele in Mathematik. Dies sei "bedenklich", findet ein ICT-Bildungsexperte, und ein "Warnsignal", schreibt Economiesuisse.

Nur zwei Drittel der Schweizer Schüler erreichen die Lernziele in Mathematik. Dies sei "bedenklich", findet ein ICT-Bildungsexperte und ein "Warnsignal", schreibt Economiesuisse.
Die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) hat die Ergebnisse der ersten nationalen Erhebung zum Stand der Grundkompetenzen in der Volksschule präsentiert. Im Bereich der Mathematik fallen die Resultate in mehreren Kantonen unbefriedigend aus. Nur rund zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler erreichen die Lernziele.
Es zeigen sich grosse Unterschiede zwischen den Kantonen. Beispielsweise in Luzern erreichen nur 56 Prozent der Kinder die Lernziele. Dies sei unter anderem auf die geringere Anzahl der Lektionen zurückzuführen. Mit der Einführung des Lehrplans 21 ändere sich dies, erklärt Reto Wyss, Bildungsdirektor Kanton Luzern. Zudem führe man ein Wahlpflichtfach Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik ein. Ob das genügt, bleibt indes fraglich, wies Wyss doch darauf hin, dass Defizite, die beim Schuleintritt bestehen, oft über die gesamte Schulzeit nicht ausgeglichen werden könnten. Insbesondere deswegen habe die frühe Förderung im Kanton Luzern noch Potenzial.
Laut 'SonntagsZeitung' gibt es nach dem schlechten Abschneiden jedoch auch Kritik am Schweregrad der Aufgaben. Die Zeitung beruft sich dabei auf ein Gutachten des Luxemburger Zentrums für Bildungstests. Der Audit-Report im Auftrag der EDK kritisiere die Mathematik-Aufgaben als übertrieben ambitioniert. Die Schweizer Mathe-Ambitionen seien "im internationalen Vergleich sehr, wenn nicht sogar extrem hoch", heisst es.
"Anforderungen nicht nach unten korrigieren"
Aus der Sicht von Economiesuisse darf das schlechte Resultat aber nicht als Anlass genommen werden, das Anforderungsprofil nach unten zu korrigieren. Viel mehr sollen sie Anlass sein, in die Stärkung der Grundkompetenzen zu investieren. Die kantonalen Unterschiede im Fach Mathematik seien ein "Warnsignal", wie Economiesuisse schreibt. Denn fast alle Berufsfelder seien immer stärker von der Digitalisierung betroffen, mathematische Fähigkeiten seien somit unabdingbar.
Alain Gut, Mitglied der Kommission Bildung von ICT Switzerland, kommentiert die Ergebnisse als bedenklich. Sie würden zeigen, dass somit "noch mehr MINT-Fachkräfte fehlen werden", schreibt er auf Twitter. Handlungsbedarf bestehe nicht nur bei den Schülerinnen und Schülern sondern auch bei den Pädagogischen Hochschulen.
Mit der Erhebung überprüfte die EDK, wie hoch der Anteil der Schülerinnen und Schüler ist, der die Grundkompetenzen erreicht. Die Ergebnisse sollen Indikator sein für die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems und für den Harmonisierungsgrad bei den nationalen Bildungszielen. Mit den Lehrplänen und den nationalen Bildungszielen würden zwar Instrumente zur Harmonisierung vorliegen, schreibt die EDK, deren Implementierung in der Schulpraxis sei aber ein längerer Prozess.
Die Erhebungen haben 2016 und 2017 stattgefunden. Getestet wurden im Jahr 2017 die Schulsprache und die erste Fremdsprache am Ende der Primarstufe. 2016 wurden die Mathematik-Kenntnisse am Ende der obligatorischen Schule (Ende des 11. Schuljahrs) erhoben. Dafür wurden von fast 25'500 Schülern aus allen Kantonen Aufgaben am Computer gelöst. (kjo, mit Material von Keystone-sda)

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