Feuer im Dach beim Informatikamt des Kantons Bern

12. April 2011, 15:28
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Drei Mitglieder der Geschäftsleitung des Amts für Informatik des Kantons Bern müssen gehen, der umstrittene Chef Heinz Wyler aber bleibt. Die Finanzdirektorin verteidigt ihren Entscheid.

Drei Mitglieder der Geschäftsleitung des Amts für Informatik des Kantons Bern müssen gehen, der umstrittene Chef Heinz Wyler aber bleibt. Die Finanzdirektorin verteidigt ihren Entscheid.
Laut Recherchen der 'Berner Zeitung' hat sich Heinz Wyler (Foto), der Leiter des kantonalen Amts für Informatik und Organisation (KAIO), innerhalb der vergangenen zwölf Monate mit vier von sechs Mitgliedern seiner eigenen Geschäftsleitung heillos zerstritten.
Drei Abteilungsleiter - das gesamte operative Team - müssen jetzt gehen: Der Vorsteher der Abteilung "IT-Management Kanton" hat das Amt bereits verlassen, der Chef "Applikations- und Datenbankmanagement" wird das in Bälde tun und der Chef "Service Operations & Support" wird eine Stelle bei einem anderen Amt antreten. Schon vor einem Jahr hatte ein Mitglied der Geschäftsleitung das Gremium im Streit mit Wyler verlassen.
Unklare Gründe
Über die Gründe des Exodus herrscht Unklarheit. In einer Mitteilung ans Personal teilte die zuständige Finanzdirektorin Beatrice Simon mit, dass es unterschiedliche Auffassungen in Fach- und Führungsfragen gegeben habe, sowie ungenügende Kommunikation und fehlendes Vertrauen. Dies habe dazu geführt, dass die Geschäftsleitung "nicht einwandfrei funktionierte".
KAIO-Chef Wyler wollte gegenüber inside-it.ch keine Stellung zum erzwungenen Abgang der drei Mitarbeiter nehmen, sondern verwies auf die Finanzdirektion. Von dort gab es bis Redaktionsschluss keine Antwort.
Es darf spekuliert werden, dass sich die Abteilungsleiter und ihr Chef wegen der Umsetzung der so genannten "koordinierten Dezentralisierung" überworfen haben. Dieses Projekt will die sieben kantonalen Direktionen und die Staatskanzlei jeweils für die eigene Informatik zuständig machen, was bereits im Frühling des vergangenen Jahres für Aufregung sorgte. Aus dem Umfeld des Amtes verlautete zudem, dass Wyler zwar viel Erfahrung in der Verwaltung habe, aber weniger in der Informatik.
Externe Gutachter
Dem Abgang der drei Abteilungsleiter ging eine Untersuchung des Amtes durch zwei externe Spezialisten voraus, die vor wenigen Tagen abgeschlossen worden war.
Doch auch das Gutachten sorgten für hochgezogene Augenbrauen: Der eine Berater war vor fünf Jahren als damaliger Leiter ad interim des Amts beratend an der Auswahl von Wyler beteiligt gewesen. Simon begründete den Zuzug des ehemaligen Chefs mit Kostenersparnis. (Philippe Kropf)

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