Finanz-IT: Lizenzkosten fressen Skaleneffekte

31. Oktober 2006, 14:13
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Interfaces zu Umsystemen und Flexibilität sind Schwachpunkte von Standard Banksystemen.

Interfaces zu Umsystemen und Flexibilität sind Schwachpunkte von Standard Banksystemen.
Anlässlich der Präsentation der diesjährigen, 16. (!) Ausgabe des Zürcher Finance Forums veröffentlichte IBM Global Services den "Swiss Core Banking Survey 2006". Wenn auch die Datenbasis etwas schwach ist - es nahmen total nur 25 Schweizer Bank-CIOs und COOs teil - zeigt die Untersuchung doch einige interessante Aspekte des Einsatzes von Kernbankenlösungen auf.
Megatrend Outsourcing
Während man seit Jahren von "Business Process Outsourcing" (Auslagern von Geschäftsprozessen) mehr spricht als solche Projekte auch umsetzt, so scheint sich nun die "Industrialisierung der Dienstleistung" zu materialisieren.
71 Prozent der befragten IT-Manager und ihre Banken verfolgen eine Outsourcing-Strategie - nur 16 % haben keine Sourcing-Strategie. Immerhin 13 % der Umfrageteilnehmer verfolgen eine Insourcing-Strategie, das heisst sie versuchen für andere Banken Dienstleistungen zu erbringen. Hauptmotivation für Outsourcing ist übrigens immer noch die Kostenreduktion.
Von den Banken, die weder IT- noch Geschäftsprozesse (z.B. Wertschriftenhandel: siehe Raiffeisen und Vontobel) auslagern, nennen 29 % die Angst, Kernkompetenzen zu verlieren als Hauptgrund für ihre Zurückhaltung.
Bauchweh mit der Flexibilität von Standardlösungen
IBM fragte die CIOs und COOs (Logistikchefs) der teilnehmenden Banken auch nach ihrer Zufriedenheit mit den eingesetzten Standardlösungen. Die heute in der Schweiz üblichen Lösungen sind offenbar ausgereift: Die allgemeine Zufriedenheit ist hoch. Einzig bei den Punkten "Flexibilität des Systems" , "Interface Technologie" und "Change request process" haben die Anbieter und Integratoren noch reichlich Raum für Verbesserungen. Nur knapp die Hälfte der Befragten nannte die Schnittstellen-Technologie genügend und nur etwa 60 % zeigte sich zufrieden mit dem Umgang der Anbieter mit "change requests".
Lizenzkosten: Die Kehrseite von "on demand"-Angeboten
Eine interessante These war von Professor Rudolf Marty im Anschluss an die Präsentation der Studie durch IBM-Mann Roger Altorfer zu hören. Die zunehmende Variabilisierung der Software-Lizenzkosten von Banken durch "on demand"-Konzepte (Bezahlung von Lizenzen nach Transaktionsvolumen oder User) drohen nämlich gemäss Marty die Skaleneffekte bei grösseren Banken und mittleren Banken aufzufressen. Marty: "Ein Teil der Skaleneffekte diffundiert." Er habe mit Bank-CIOs gesprochen, deren Kosten für Softwarelizenzen (Datenbanken, Kernsysteme, Umsysteme, Produktivität) heute bereits einen höheren Anteil der Kosten für den Betrieb der IT-Umgebung ausmachten als die Personalkosten, so Marty.
Finance Forum 2006
Nächsten Montag und Dienstag geht im Zürcher Kongresshaus die 16. Ausgabe des Finance Forums über die Bühne. Kernthemen sind "Business Process Outsourcing" mit einer eigenen Sondershow, Chancen und Risiken für Banken bei der Expansion in neue Märkte und die Frage, wie sich erfolgreiche Finanzinstitute in gesättigten Märkten bewegen können. Einen Überblick über die für die Schweizer Finanz-IT-Industrie zentrale Veranstaltung gibt es hier. (Christoph Hugenschmidt)

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