Finanzkontrolle: IT-Portale des Bundes besser koordinieren

10. September 2021, 15:15
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Was das Technische angeht, ist die EFK zufrieden mit den verschiedenen Online­portalen des Bundes. Allerdings könnten Synergien deutlich besser genutzt werden.

Die digitale Interaktion zwischen Behörden, Bevölkerung und Unternehmen erfolgt über eine Vielzahl von Einzellösungen, teils über Portale, die mehrere Lösungen bündeln. Die grossen Onlineportale des Bundes seien über die Zeit weitgehend unabhängig voneinander entstanden, schreibt die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK). Sie hat nun überprüft, ob die bestehenden Portal-Architekturen angemessen aufeinander abgestimmt sind.
Für die Prüfung ausgewählt wurden die 4 grossen Portale des Bundes: Agate vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW), Easygov.swiss vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco), ePortal vom Eidgenössischen Finanzdepartements (EFD) und die E-Government-Plattform des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).
Soweit man es im Rahmen der Prüfung beurteilen könne, bestehe in technischer, organisatorischer und finanzieller Sicht kein unmittelbarer Handlungsbedarf, schreibt die EFK. Auch mit Blick auf die mögliche Skalierbarkeit sowie der Sicherheit der Anbindung von Fachanwendungen hat die EFK nichts auszusetzen.

Eine gemeinsame Soll-Architektur schaffen

Aus Gründen der Effizienz und Nutzbarkeit müsse bei künftigen Investitionen konsequent eine übergreifende Sichtweise eingenommen werden, folgt schliesslich die Mahnung der EFK.
Dazu müssten aber noch entsprechende Grundlagen geschaffen werden. Etwa müsse geklärt werden, wie die Wahrnehmung der Gesamtsicht organisiert werden soll oder wer auf welcher Rechtsgrundlage die Steuerung und Führung übernehmen soll.
Bedarf sieht die EFK auch in Sachen Architekturgrundsätze und -Vorgaben. Hier mangle es an einer etablierten gemeinsamen Definition.
Erste Schritte dazu seien eingeleitet worden, etwa mit dem Bericht "Synergiepotenzial bei abzulösenden E-GovPlattformen" des Informatiksteuerungsorgan des Bundes (ISB) von 2020. Auch im Rahmen der "Digitalen Verwaltung Schweiz" werde das Thema angegangen. Diese Bestrebungen seien allerdings eher langfristig angelegt, schreibt die EFK.
Die Finanzkontrolle sieht somit Bedarf für kurz- und mittelfristige Leitplanken. Für eine Übergangszeit empfiehlt sie, beispielsweise Minimalstandards sowie einheitliche Begriffe und Architekturgrundsätze zu definieren.
Solche Leitplanken könnten eine harmonisierte Entwicklung der Portale fördern. Die Bundeskanzlei (BK) unterstützt in ihrer Stellungnahme die Empfehlung. Im nächsten Jahr werde im Rahmen der Umsetzung der "IKT Strategie Bund" gemeinsam mit den Portalbetreibern eine Architektur erarbeitet.

Portal-Bausteine als IKT-Standarddienst?

Laut der EFK sollte zudem geprüft werden, inwiefern Portale beziehungsweise Bausteine als Standarddienst oder -produkt geführt werden könnten. Bei den IKT-Standarddiensten des Bundes handelt es sich um IT-Leistungen, die verschiedene Verwaltungseinheiten in gleicher oder ähnlicher Form benötigen. Dazu gehört aktuell beispielsweise die Identitäts- und Zugriffsverwaltung.
Die BK unterstützt in ihrer Stellungnahme diese Empfehlung. Für die Bausteine müsse ein entsprechendes Angebotsmodell festgelegt werden. Die Prüfung erfolge 2022, so die Stellungnahme der Bundeskanzlei. 

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