Finanzkontrolle kritisiert ICT-Projekt der Zollverwaltung

11. Oktober 2016, 13:57
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Das neue Einsatzleitsystem des Grenzwachtkorps: Drei Jahre Verzögerung verständlich, Anforderungen aber zu schwammig.

Das neue Einsatzleitsystem des Grenzwachtkorps: Drei Jahre Verzögerung verständlich, Anforderungen aber zu schwammig.
Die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK) hat bei der Überprüfung eines neues Informatiksystems der Zollverwaltung Mängel in Bezug auf die Qualitätskontrolle, den Betrieb und die Kosten festgestellt. Es bestünden Restrisiken, die nicht beurteilbar seien.
Die Finanzkontrolle will mit dem Projekt das Einsatzleitsystem für das Grenzwachtkorps und für die zivilen Zollstellen vereinheitlichen. Es wurde 2010 lanciert und soll 27 Millionen Franken kosten. Davon entfallen 17 Millionen Franken auf das Einführungsprojekt und zehn Millionen Franken auf den Betrieb. Die Abnahmetests waren zum Zeitpunkt der Prüfung (Mai 2016) zu 95 Prozent abgeschlossen. Ende Juni ging das System online. Der Projektleiter, Stabsadjutant Lukas Kilian, schildert in einem Beitrag im aktuellen 'ForumZ', dem Magazin des Schweizer Zolls (Ab Seite 14), was das neue System nun an Vorteilen bringt.
Verzögerung nachvollziehbar
Wie die Finanzkontrolle schreibt, hat die EZV in einem offenen WTO-Ausschreibungsverfahren auf dem Markt beschafft. (Anmerkung der Redaktion: Der Gewinner der Ausschreibung war Intergraph Schweiz.)
Ein gewisses Verständnis bringt die EFK der Verzögerung von drei Jahren und den Mehrkosten entgegen. Denn die Integration in die Informatikumgebung des Bundes stelle eine bedeutende Herausforderung dar, heisst es in dem heute Dienstag veröffentlichten Bericht.
Qualitätsanforderungen mangelhaft formuliert
Hingegen kritisiert die Finanzkontrolle, dass die Qualitätsanforderungen in der Projektdokumentation nur "grob umschrieben" und im Testkonzept sogar explizit ausgeschlossen seien. So könne die Zollverwaltung den Lieferanten bei Qualitätsproblemen nur schwer in die Verantwortung nehmen.
Tests von Sicherheitsmassnahmen seien nicht vorgesehen. Dadurch verblieben "Risiken, die nicht beurteilbar sind", heisst es weiter. Zum Zeitpunkt der Prüfung durch die EFK waren die Abnahmetests zu 95 Prozent abgeschlossen. Doch verschiedene konzeptionelle Fragen seien immer noch nicht geklärt. Das berge weitere Risiken in Bezug auf Kosten und Termine.
Veträge immer noch nicht definitiv
Schliesslich seien die Verträge mit dem Lieferanten noch nicht definitiv ausgehandelt und auch der personelle Aufwand für das neue System nicht abschätzbar. Das gefährde einen stabilen und sicheren Betrieb des System. Damit sei "die Grundlage für eine finanzielle Führung sowie eine personelle Ressourcenplanung" nicht gegeben.
Die Zollverwaltung (EZV) betont hingegen in einer Stellungnahme, dass der Budgetrahmen des Projektauftrages trotz der Mehrkosten eingehalten werden konnte. Das Risiko der noch ausstehenden Wartungs- und Supportverträge sei erkannt und die Behebung in Arbeit. Die Lieferanten hätten aber die groben Rahmenbedingungen akzeptiert.
Die Kritik an der Qualitätskontrolle weist die EZV zurück. Diese sei mit der Wahl des "bewährten Standards" des Lieferanten umgesetzt und geprüft worden. Die Stabilität des Systems werde zudem während der Ausbildungszeiten beobachtet. Die EZV werde jedoch die verlangten Vorgaben in zukünftigen Projekten einbauen. (hjm/sda)

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