Finanzplatz: Es ist höchste Zeit für eine Krisenorganisation Cyber Security

16. Januar 2020, 12:27
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Der Beirat Zukunft Finanzplatz des Bundesrats sagt, dass grosse "Cyber-Unfälle" den Fintech-Standort Schweiz gefährden würden.

Vor rund vier Jahren setzte der Bundesrat befristet bis Ende 2019 den Beirat Zukunft Finanzplatz ein. Auftrag des Gremiums war es, die Landesregierung losgelöst vom Tagesgeschäft in Fragen der Ausrichtung der Finanzmarktstrategie zu beraten. Der Beirat hat nun dem Bundesrat eine Roadmap (PDF) vorgelegt mit Ratschlägen für das Jahr 2020. Das Expertengremium wiederholt darin eine Empfehlung aus dem Jahr 2016: Behörden sollen gemeinsam mit der Finanzindustrie eine Sektor-spezifische Cyber-Sicherheits-Krisenorganisation aufbauen.
Diese Empfehlung wurde bisher nicht umgesetzt, und das Thema beginnt dem Beirat auf den Nägeln zu brennen. In seiner aktuellen Roadmap ist die Krisenorganisation eine von zwei zentralen Empfehlungen an den Bundesrat. Der Aufbau einer solchen Organisation sei nun "prioritär und dringlich".

"Cyberrisiken haben sicher nicht abgenommen".

Die Cyberrisiken hätten im Finanzsektor seit der früheren Empfehlung sicher nicht abgenommen und aus Sicht der Stabilität und Reputation des Finanzplatzes sei es zentral, möglichst rasch über ein funktionierendes Krisendispositiv zu verfügen: "Unprofessionell bewältigte systemweite Unfälle in diesem Bereich hätten das Potential, die sehr gute Stellung des Schweizer Finanzplatzes im Bereich Fintech rasch zunichte zu machen."
Als Hauptbremsklotz identifiziert der Beirat Uneinigkeiten über die Kompetenzen. Als erster Schritt sollte daher so rasch wie möglich die Federführung für dieses Dossier geklärt werden. Auf dieser Basis solle dann eine Zusammenarbeit zwischen Privatsektor und Behörden etabliert werden.
Diese wiederum soll die Voraussetzungen schaffen um den möglichst zeitnahen gegenseitigen Informationsaustausch zu Cybergefahren zu sichern, die genannte Krisenorganisation zu schaffen und regelmässige Übungen anhand von Stressszenarien durchführen.

Einiges gemacht, vieles fehlt noch

Seit der Beirat vor vier Jahren die Schaffung einer Cyber-Sicherheits-Krisenorganisation angeregt hatte, seien zwar einige Arbeiten eingeleitet worden, es bestünden aber auch noch viele Unklarheiten
Seit 2018 würden beispielsweise regelmässige Treffen zwischen dem Staatssekretariat für internationale Finanzfragen (SIF), der Schweizerischen Nationalbank (SNB), der Finanzmarktaufsicht (Finma) und der Melde- und Analysestelle des Bundes Melani auf technischer Ebene stattfinden. Diese würden dem Erfahrungsaustausch und der Besprechung anstehender Probleme sowie aktueller Trends dienen.
Zwischen den interessierten Behörden und Vertretern der Finanzbranche sei zudem besprochen worden, wie eine sektorspezifische Krisenorganisation aufgebaut werden könnte. Dabei müsse man einerseits die gesetzlichen Kompetenzen und die Rollen von SNB und Finma berücksichtigen, andererseits auch die Möglichkeit der Integration einer solchen Organisation in eine übergeordnete, sektorübergreifende Struktur. Eine Führungsfunktion des Eidgenössischen Finanzdepartements für einen solchen Verbund sei bislang nicht als machbar erachtet worden.

Ein Bildungs- und Forschungs-Hub

Als eine weitere Empfehlung mit tieferem Dringlichkeitsgrad regt der Beirat auch die Etablierung eines Bildungs- und Forschungs-Hubs für Fintech und Cyber Security an. Die Schweiz hätte grosse Chancen, glaubt der Beirat, in diesen Technologie-Bereichen eine Vorreiterrolle zu spielen. So könnte man auch das Thema Cyber-Security nicht nur als Bedrohung, sondern auch als Chance wahrnehmen.
Ein Anstoss für einen solchen Hub könnten beispielsweise das Nationale Forschungsprogramm des SNF oder der Zusammenzug bestehender Aktivitäten in ein sichtbares interuniversitäres Center sein.
Die Mitglieder des Beirats:
Aymo Brunetti, Professor Universität Bern (Vorsitzender). Hans-Ulrich Bigler, Direktor Schweizerischer GewerbeverbandMark Branson, Direktor FINMARolf Dörig, Präsident Schweizerischer VersicherungsverbandMartin Dumermuth, Direktor Bundesamt für JustizSusan Emmenegger, Professorin Universität BernStefan Estermann, Leiter Abteilung Sektorielle Aussenpolitiken EDADavid Frick, Représentant de SwissHoldings et economiesuisseAdrian Hug, Direktor Eidgenössische SteuerverwaltungRomeo Lacher, Verwaltungsratspräsident SIX GroupDaniel Lampart, Chefökonom Schweizerischer GewerkschaftsbundMichel Liès, Präsident des Verwaltungsrates Zurich Insurance GroupMartin Neese, Präsident Forum SRO Beat Oberlin, Repräsentant KantonalbankenEric Scheidegger, Stv. Direktor SECOHerbert Scheidt, Präsident Schweizerische BankiervereinigungDaniela Stoffel, Staatssekretärin SIFAxel Weber, Verwaltungsratspräsident UBSFritz Zurbrügg, Vizepräsident des Direktoriums der SNB

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