Finnova: 600 deutsche Banken locken

12. Mai 2010, 14:11
  • rechenzentrum
  • finnova
  • wachstum
image

Am jährlichen Jour fixe in intimer Journalistenrunde hat gestern Charlie Matter, Chef der Lenzburger Bankensoftware-Spezialistin Finnova, die jüngsten Entwicklungen im Hause Finnova nachgezeichnet. Novitäten, so Matter vorweg, seien nicht zu erwarten.

Am jährlichen Jour fixe in intimer Journalistenrunde hat gestern Charlie Matter, Chef der Lenzburger Bankensoftware-Spezialistin Finnova, die jüngsten Entwicklungen im Hause Finnova nachgezeichnet. Novitäten, so Matter vorweg, seien nicht zu erwarten.
Mit einem Marktanteil von 43 Prozent an den 189 Schweizer Banken – die einzelnen Raiffeisenbanken sind nicht gesondert gezählt – sieht Finnova-Chef Charlie Matter (Foto) "seine" Firma bestens in der Schweiz aufgestellt. Einführungsprojekte, so Matter, laufen derzeit ausser bei den fünf RBA-Banken in weiteren sechs Banken. Als erstes soll die Mercantil Bank am 2. August life gehen, die anderen Banken aus dem RBA-Verbund oder etwa die WIR Bank Genossenschaft und die östereichische BTV sollen Anfang 2011 folgen. Trotz der laufenden Projekte betonte Matter aber, dass man den Fokus auf die bestehenden Kunden sicher nicht vernachlässigen werde. Auch die seit Anfang Jahr bekannte Expansion nach Luxemburg und die Pläne für Deutschland würden daran nichts ändern. Wachstum um jeden Preis werde man bei Finnova wie bisher nicht antreffen, meinte Matter, obwohl er prognostizierte, dass bis Ende 2012 noch weitere 50 Banken die Finnova-Software einführen werden.
600 deutsche Banken locken
Im Gegensatz zu Luxemburg plant Finnova in Deutschland vorerst keine eigene Niederlassung, erläuterte Matter. Die Gründung der Luxemburger Filiale sei favorisiert worden, weil man bei den dortigen Banken auf mit der Schweiz vergleichbare Geschäftsmodelle und regulatorische Bedingungen trifft. Allerdings mit dem Nachteil, dass eben auch alle anderen Schweizer und internationalen Anbieter dort vertreten sind. Dass Finnova sich diesem Verdrängungskampf dennoch stellt, erklärte Matter damit, dass es im gesamten europäischen Markt noch eine grosse Anzahl von in die Jahre gekommenen Plattformen gibt. Die Lenzburger-Software, so der optimistische Matter, sei für spezielle Banken im Grossherzogtum "die ideale Gesamtbankenlösung". Jedenfalls wollen die Lenzburger, den Kuchen der Konkurrenz nicht kampflos überlassen.
Trotz ungleich anderer Voraussetzungen unternimmt Finnova aber auch schon seit geraumer Zeit im "grossen Kanton" ernsthafte Anstrengungen, Fuss zufassen. In Frage kämen gemäss Finnova-CCO-Chef (Customer Care Officer) Christoph Erb um die 600 Banken. Dort betreibe man meist noch kaum integrierte Einzellösungen. Allerdings sind die Banken in Deutschland derzeit noch immer stark mit der Finanzkrise beschäftigt, was konkrete Projekte erschwere, wie Erb aus Erfahrungen mit dortigen Bankvorständen weiss. Zudem verständen die deutschen Banker noch kaum die Vorteile der integrierten Finnova-Software.
Unklar scheint aber ausserdem, wie weit die konkrete Zusammenarbeit mit der Münchner MSG Systems gehen soll, die inzwischen mit 46 Prozent an Finnova beteiligt ist. Man wolle autonom auftreten, erklärte Matter, werde aber dennoch mögliche Synergien mit MSG nutzen. Klar ist auf jeden Fall die strategische Ausrichtung: Neben der Schweiz und Liechtenstein sind Luxemburg und Deutschland als primäre Zielmärkte definiert worden. Bei der 270-köpfigen Finnova-Truppe, rund zwei Drittel von ihnen arbeiten in der Software-Entwicklung, sind denn auch Stellen unbesetzt und Spezialisten gesucht.
Sicherheit steht ganz oben auf der Agenda
Im technischen Teil der Veranstaltung widmete sich Erb den jüngsten Sicherheits-Features der Finnova-Software. Um Datenbanken abzusichern, werden jetzt sowohl die Bankmitarbeitenden als Benutzer des Systems als auch die Administratoren und Application-Manager als Betriebsverantwortliche adressiert.
Auf Benutzerebene ist einerseits eine sehr detaillierte Bestimmung und Vergabe von Zugriffsrechten und deren Funktionen möglich. Sobald Daten aus Finnova herunter geladen werden, verlangt das System andererseits, dass im Sinne des Vier-Augen-Prinzips eine weitere Person zusätzlich ihr Einverständnis gibt. Da aber laut Erb das grössere Risiko bezüglich Datenklau im Betrieb der Softwarelösung besteht, liefere man auch hierfür ein mehrschichtiges Angebot, sagte Erb. Die Test-Datenbanken sind anonymisiert und die Parametrisierung erfolgt so, dass keine Einsicht in echte Daten möglich ist. Zudem sei die Verschlüsselung der Daten auch in der Produktion sichergestellt.
Neu ist laut Erb, dass nun auch in mandantenfähigen Installationen spezifische Sicherheitskonzepte bestehen, zumal hier die Daten verschiedener Banken auf einem zentralen Rechner gespeichert werden. Erb spricht von einem dreistufigen Konzept zum Schutz der Daten, wobei jederzeit zwei Elemente ausfallen können, um dennoch über die maximale Sicherheit zu verfügen. Grundlage dafür ist, dass künftig jedem Dokument eine so genannte „User-Bank-Nummer“ hinterlegt wird, die eindeutig bestimmt, welche Daten zu welcher Bank gehören. Die erste Schutzmassnahme auf dieser Basis besteht aus einer von Oracle unterstützten Virtual Private Database (VPD), die Daten nur unter der Voraussetzung liefert, dass die Bank und User-Bank-Nummer übereinstimmen. Die zweite Stufe sieht vor, dass zu jedem Zugriff als Einschränkung die User-Bank-Nummer zwingend dazu programmiert werden muss. Und als dritte Stufe stellt auch der Data Base Service (DBS) von Finnova sicher, dass nur Daten geliefert werden, wenn die Bank sowie die User-Bank-Nummer sich entsprechen. Das System ist auditierbar und wurde unter anderem von der Finanzmarktaufsicht abgesegnet. (Volker Richert)

Loading

Mehr zum Thema

image

Erstes Green-RZ in Dielsdorf live

Ziemlich genau ein Jahr nach der Ankündigung des Metro-Campus wurde das erste Datacenter in Betrieb genommen. Es bietet Platz für rund 80'000 Server.

publiziert am 17.1.2023
image

CKW-Rechenzentrum in Rotkreuz eingeweiht

Das neuste Schweizer RZ ist in Betrieb. Sowohl in Sachen Sicherheit als auch betreffend Nachhaltigkeit soll es neue Standards setzen.

publiziert am 9.1.2023
image

Vantage will RZ in Winterthur weiter ausbauen

Das Baugesuch für den letzten Ausbauschritt ist eingereicht worden. Noch offen ist, wann es losgeht.

publiziert am 20.12.2022
image

Infopro nach Cyber­angriff wieder online

Der Berner Hoster hat nach einer Cyberattacke die Systeme im RZ heruntergefahren. Mittlerweile stehen die Services wieder auf "grün", es können aber Performance-Einbussen auftreten.

publiziert am 6.12.2022