FinTech, Banken, Startups und Politik

20. August 2015, 06:05
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Rund hundert Personen folgten vorgestern der Einladung der Swiss Finance Startups zu einer Paneldiskussion zum Thema "FinTech in der Schweiz – Hindernisse und Möglichkeiten".

Rund hundert Personen folgten vorgestern der Einladung der Swiss Finance Startups zu einer Paneldiskussion zum Thema "FinTech in der Schweiz – Hindernisse und Möglichkeiten". Moderiert von Rino Borini, einem der führenden Köpfe der Schweizer Finanz 2.0-Szene, nahm das illustre Panel zu den einzelnen Bereichen Stellung. Mit Andreas Kubli (Head of Digitalization UBS Switzerland AG), Holger Spielberg (Digital Private Banking Credit Suisse), Urs Häusler (CEO DealMarket.com), Jacqueline Badran (IT-Unternehmerin/SP-Politikerin, Nationalrätin) und Ruedi Noser (IT-Unternehmer, FDP-Politiker, Nationalrat) waren sowohl Startups, Banken als auch Politik vertreten. Wie bei solchen Veranstaltungen üblich, glänzte die Finma durch Abwesenheit.
Hürden und Hindernisse
Die von Startups am meisten beklagten Hindernisse betrafen das Schweizerische Obligationenrecht, die Finma, die steuerliche Bewertung von Beteiligungserwerb und Aktien und die ungenügenden Finanzierungsmöglichkeiten. Das Schweizerische Obligationenrecht ist nicht auf die speziellen Bedürfnissen von risikokapitalfinanzierten Startups ausgerichtet und birgt ein paar Hürden, die überwunden werden müssen. Dass es trotzdem geht, zeigen die vielen Biotech-Startups. Einfacher wäre es aber, wenn es gesetzliche Spezialregelungen für Startups gäbe.
Ein weiterer Problemkreis ist die steuerliche Bewertung von Gründer- und Mitarbeiteraktien, die entweder direkt oder als Optionen ausgegeben werden. Einen effektiven Wert erhalten die nämlich nicht mit der Bewertung einer Finanzierungsrunde, sondern erst mit der Möglichkeit eines Exits. Sowohl in Bezug auf Einkommen wie auch auf das Vermögen sollten solche Aktien erst ab Realisierungsmöglichkeit besteuert werden.
Als weiterer Problempunkt wurden die aus Sicht der Startups als ungenügend erachteten Finanzierungsmöglichkeiten ausgemacht.
Der Finanzmarkt wird durch die Finma reguliert. Dass diese Online-Versionen von traditionellen Geschäftsmodellen nicht anders behandelt als die traditionellen Versionen selbst ist durchaus nachvollziehbar. Die Finma stellt diesbezüglich nur eine Hürde dar, die von allen Marktteilnehmern genommen werden muss. So ist durchaus verständlich, dass Crowdlending als gewerbliche Kreditvermittlung eingestuft wird und eine entsprechende Banklizenz Bedingung ist.
Möglichkeiten
Die Schweiz ist klein und B2C-Modelle skalieren relativ schlecht, insbesondere im Vergleich mit grossen Ländern. Die besten Geschäftsmöglichkeiten bieten deshalb B2B-Modelle, wobei diese oft auch als B2B2C ausgestaltet sind. Werden bei der Produktentwicklung von vornherein die unterschiedlichen regulatorischen Anforderungen unterschiedlicher Länder berücksichtigt, so steht einer Internationalisierung des addressierbaren Marktes deutlich weniger im Weg.
Die beiden grossen international tätigen Schweizer Banken arbeiten schon heute eng mit FinTech-Startups und -Upstarts zusammen und sind ein positiver Treiber der Schweizer FinTech-Szene. Zusätzlich investieren beide, wie auch andere Schweizer Banken, in Forschung und Entwicklung im FinTech-Bereich. Der geplante Innovationspark Dübendorf soll das vorhandene FinTech-Ökosystem im Raum Zürich noch weiter voranbringen. (Christoph Jaggi, Foto: Gian Reto à Porta)

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