Fintech Numbrs entlässt wohl die halbe Belegschaft

8. Mai 2020, 09:40
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Eine Finanzierungsrunde scheitert, Corona bringt Unsicherheiten, und dann noch PSD2. Das Zürcher Fintech reagiert mit einem harten Sparprogramm.

Numbrs wurde letzten Sommer als "Unicorn" gehandelt. Das in Zürich ansässige Startup war mit mindestens einer Milliarde Dollar bewertet worden. Bis heute hat die Firma fast 200 Millionen Dollar an Investorenkapital angezogen, auch von prominenten Investoren. Dreht sich nun der Wind?
Im Herbst 2019 hatte das Startup bereits mitgeteilt, dass die Implementierung von PSD2 langsam voranschreite und es zu Unterbrechungen von Funktionen kommen könne. Ausserdem müssten einige Funktionen, wie etwa Daueraufträge oder geplante Transfers, deaktiviert werden. Zudem konnten PINs nicht mehr gespeichert werden. Im Februar 2020 waren dann einige Probleme behoben, aber lange nicht alles.
Offenbar ist nun eine neue Finanzierungsrunde nicht zu Stande gekommen. Und zwar trotz rechtsverbindlicher Unterschriften, wie das Fintech in einer Mitteilung festhält. Dazu würden die Unsicherheiten der Corona-Pandemie kommen.
Der Anbieter einer Finanz-App regiert mit einem harten Sparprogramm: Die Kostenbasis soll um 50 Prozent gesenkt werden. Bis zu 62 Mitarbeiter am Zürcher Firmensitz könnten laut Numbrs ihren Job verlieren – das wäre rund die Hälfte aller Angestellten.
Des Weiteren wurde die gesamte Belegschaft schon vor zwei Wochen ins Homeoffice geschickt. Damals hiess es noch, dass man auf Covid-19 und die zunehmende Digitalisierung reagiere. Die Mitarbeiter sollen nun für die Arbeit zu Hause bleiben. Numbrs nennt dies eine "vollständige Virtualisierung der Organisation".
"Im Namen der Geschäftsführung möchte ich bei allen Numbrs-Mitarbeitern um Verständnis werben, dass wir uns ebenso wie viele andere Startups jetzt auf eine längere Durststrecke einstellen müssen", lässt sich Fynn Kreuz, Managing Partner bei Numbrs, in der Mitteilung zitieren.
Bereits vor knapp drei Jahren sorgte Numbrs mit einer Massenentlassung in Zürich für Schlagzeilen. Die Einnahmen des Fintechs waren damals gering, wie eine Zwischenbilanz zeigte. Man arbeite noch nicht profitabel, wolle dies aber bis in zwei Jahren geschafft haben, sagte Numbrs-Gründer Martin Saidler dann zwei Jahre später im Sommer 2019.
Numbrs ist mit seiner Multibanking-App vor allem auf dem deutschen Markt aktiv. Die Applikation soll weiter in vollem Funktionsumfang im deutschen Markt angeboten und unterstützt, versichert Numbrs. Zudem halte man am Markteintritt in Grossbritannien im Sommer 2020 fest.

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