Fintechs mögen die Schweiz nicht besonders

16. November 2016, 14:44
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Startups halten die hiesigen Regulierungsbehörden für wenig aufgeschlossen. Noch.

Startups halten die hiesigen Regulierungsbehörden für wenig aufgeschlossen. Noch.
Die Unternehmensberatung Roland Berger hat eine neue Studie veröffentlicht, welche Fintechs in den Fokus rückt. "FinTechs in Europe – Challenger and Partner" zeigen Prioritäten, Businessmodelle und Selbsteinschätzungen aus ganz Europa, darunter die Schweiz.
Die befragten Fintechs sind in den Bereichen Investing Crowdfunding und -lending sowie Payments tätig. Und man kann herauslesen, dass unter ihnen gerade sechs Prozent auf Blockchain oder ähnliche Technologien setzen, der grosse Rest ist "traditioneller" unterwegs.
95 Prozent der Befragten halten sich in Bezug auf digitale Kompetenz gegenüber den herkömmlichen Finanzdienstleistern für überlegen. Das bedeutet allerdings nicht, dass sie sich alleine etablieren wollen, im Gegenteil: 86 Prozent wollen mit den Alteingesessenen Firmen kooperieren und zwei Drittel der Startups glauben nicht, dass Fintechs die bekannten Player ersetzen werden. Diese Einschätzungen seien realistisch, so das Fazit von Berger.
Die Studie hält des Weiteren fest, dass die meisten Fintechs ihr Businesspotential vor allem in den Segmenten Investing und Asset Management erwarten. Die Mehrheit fokussiert dabei auf nur eine Zielgruppe und B2B-Modelle.
Irland und Frankreich beliebter
Das Beratungsunternehmen erfragte auch Standortaspekte. Dabei schneidet das Bankenland Schweiz schlecht ab.
Die Kriterien der Fintechs für die Standortqualität seien in erster Linie das Recruiting von Mitarbeitern, die Aufgeschlossenheit der Regulierungsbehörden sowie starke Netzwerke und Investoren vor Ort. Speziell in regulatorischer Hinsicht ist die Schweiz aus Fintech-Perspektive offenbar ein garstiger Ort, so die Studie.
Vielleicht ändert sich die Meinung der Fintechs in absehbarer Zeit: Ebenfalls heute hat die Finanzmarkt-Aufsichtsbehörde Finma bekanntgegeben, man werde mit Genehmigung des Bundesrats die Beseitigung von "unnötigen wettbewerbsbehindernden Regulierungshürden und die Schaffung von geeigneten Rahmenbedingungen für innovative Finanzdienstleister" anstreben.
Die Unternehmungsberatung Roland Berger hat in der Studie recherchiert, dass 2015 rund 19 Milliarden Dollar weltweit in Fintechs geflossen sei. Dies entspreche einem Plus von fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
In einer Online-Umfrage wurden von Roland Berger 248 Fintechs aus 18 europäischen Ländern, darunter 25 schweizerische, befragt. Die Studie ist als PDF erhältlich. (mag)

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