Firmen vor Komplexitätsreduktion und Industrialisierung

27. März 2015, 07:10
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Ergebnisse des neusten C-Level-Roundtables.

Ergebnisse des neusten C-Level-Roundtables.
85 Prozent der Schweizer Unternehmen stehen unter hohem bis sehr hohem Wettbewerbsdruck, die Komplexität in ihren Unternehmen signifikant zu reduzieren. Immerhin 58 Prozent konnten hierbei bislang zumindest in Teilen erste Erfolge erzielen. Dies ergab die Umfrage auf dem jüngsten C-Level-Roundtable, auf dem mit Unterstützung von Cognizant und Boydak Strategy Consulting 59 Top-Executives über neue, nachhaltige Alternativen zur Effizienzsteigerung in ihren Unternehmen diskutierten.
Klassisches Cost-Cutting greift zu kurz. Die berühmte Zitrone hat nach wenigen traditionellen Kostenrunden einfach keinen Saft mehr. Weitere nachhaltige Effizienzsteigerungen kann nur noch durch die Eliminierung unnötiger Komplexität generiert werden. Hierbei geht es darum, das gesamte Geschäftsmodell und alle Unternehmensbereiche einer fundamentalen Überprüfung zu unterziehen, mit dem Ziel, unnötige Komplexität zu beseitigen. Kurz gesagt: zu vereinfachen.
Ein branchenübergreifend wichtiger Komplexitätstreiber ist ausgeprägtes Silo-Denken. Jede Geschäftseinheit konzentriert sich auf ihren eigenen Bereich und versucht diesen bestmöglich zu optimieren. Dieses Gärtli-Denken führt jedoch dazu, dass der Blick aufs Ganze, auf die aus Sicht des Kunden entscheidende End-to-End-Sicht auf Abläufe und Leistungen, vernebelt wird. Die Einsicht, vom Kunden her zu denken, scheint sich in Schweizer Unternehmen langsam zu etablieren. So erwarten 27 Prozent der befragten Top-Manager durch Komplexitätsreduktion eine Verbesserung von Kundenzufriedenheit und Qualität. 34 Prozent erwarten gar eine Zunahme von Agilität und Geschwindigkeit.
Letztlich ist Komplexität das Ergebnis mangelnder Priorisierung und Fokussierung. Und das bedeutet immer auch: Entscheiden, was liegen bleiben soll. Dazu gehört aber auch die Grundbereitschaft vielleicht auch liebgewonnene "Sonderschleifen" tatsächlich aufzugeben. Hier zeigt sich eine Schwierigkeit vieler Unternehmen. So gab nur eine Minderheit der Befragten an, dass in ihren Unternehmen die Bereitschaft bestünde, lang gehegte Aktivitäten aufzugeben. Eine problematische Einstellung, die es rasch zu ändern gilt.
Voraussetzung für mutige Priorisierung ist eine umfassende Analyse der Wertschöpfungskette. Die Wertschöpfungskette und auch alle Geschäftsaktivitäten entlang dieser müssen aufgebrochen und kategorisiert werden mit dem Ziel, die strategisch bedeutenden Bereiche zu identifizieren, in denen man sich von Wettbewerbern absetzen möchte. Alles andere wird auf den Prüfstand gestellt, um es entweder zu vereinfachen oder ganz auszulagern.
Ein wichtiger Schlüssel zur Eliminierung unnötiger Komplexität liegt in den sich rasant entwickelnden modernen Technologien. Die Digitalisierung etwa ermöglicht, komplexe Abläufe und Interaktionen zu automatisieren und dadurch stark zu vereinfachen. Gerade im Bereich Robotisierung liegen grosse Erwartungen. Software-Lösungen können teure Arbeitskräfte ersetzen. Das gilt insbesondere für standardisierte Prozesse. Neben Automatisierung und Robotisierung geht es auch darum, mehr und neue Daten zu gewinnen und diese für Kunden sinnbringend zu kombinieren (Stichwort: Analytics). Dazu braucht es Leute, die Technologie über das eigene Unternehmen hinaus koordinieren können. Mit einem optimalen Partnering kann ein Unternehmen viel vereinfachen. Doch das setzt ein neues Verständnis von Outsourcing voraus. Nämlich nicht einfach Aktivitäten kostengünstig abzustossen, sondern mit einem starken Partner gemeinsam eine Hebelwirkung zu erzielen.
Eine umfassende Komplexitätsreduktion kann natürlich nur dann das Optimum "herausholen", wenn das jeweilige Unternehmen das Ambitions-Niveau richtig einschätzen kann. Hier zeigt sich ein weiteres Handlungsfeld in Schweizer Unternehmen. So gaben nur 9 Prozent der befragten Top-Executives an, dass in ihren Unternehmen eine vollständige Transparenz über das mögliche Potenzial zur Komplexitätsreduktion vorhanden sei. Ein noch besorgniserregenderes Bild zeichnet sich bei der Frage nach den notwendigen Fähigkeiten ab, mit denen das Potenzial der Komplexitätsreduktion mobilisiert werden kann. Nur acht Prozent der Schweizer Unternehmen geben an, vollumfänglich über diese Skills zu verfügen. Bei der Frage, wer im Unternehmen das Thema Komplexitätsreduktion verantworten und vorantreiben sollte, ist die Ansicht in Schweizer Unternehmen gespalten. Obwohl eine Mehrheit von 61 Prozent eine zentrale Steuerung bevorzugt, plädieren immerhin ein Drittel der Unternehmen für eine dezentrale Verantwortlichkeit durch die Geschäftseinheiten. (mim)
Über C-Level
C-Level ist eine Community, die aus der Mitte der Schweizer Manager entstanden ist. Im Rahmen ihrer Aktivitäten werden regelmässige C-Level-Roundtables veranstaltet und das C-Level Magazin publiziert. Über 700 der wichtigsten 3'000 Schweizer Top-Executives bringen sich bereits aktiv in der Community ein. C-Level befragt regelmässig Mitglieder zu aktuellen Themen und veröffentlicht die Resultate auf inside-it.ch.

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