Formatkriege: Massachusetts geht in die Knie

3. Juli 2007, 14:38
  • e-government
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Der US Bundesstaat will nun neben dem Open-Source-Dokumentstandard ODF auch Microsofts "Office Open XML" akzeptieren. Signalwirkung?

Der US Bundesstaat will nun neben dem Open-Source-Dokumentstandard ODF auch Microsofts Open XML akzeptieren. Signalwirkung?
Der US-Bundesstaat Massachusetts will nun auch Microsofts XML-Dokumentenstandard "Office Open XML" (ooXML) in die Liste der akzeptierten Standards aufnehmen. Damit korrigiert der kleine Bundesstaat einen Entscheid vom Herbst 2005, der weltweit beachtet wurde. Damals beschloss Massachusetts, nur noch Dokumente im "Open Document Format" (ODF) zuzulassen - dieser Entscheid hätte langfristig den Abschied von Microsoft Office bedeutet.
In einem Entwurf für die neueste Version des "Enterprise Technical Reference Model" von Massachusetts ist nun auch Microsofts ooXML (ECMA 376) als akzeptierter Standard aufgeführt.
Die verschiedenen Behörden in Massachusetts werden ihre heute Desktop-Applikationen, nämlich Microsoft Office behalten, sagte Massachusetts CIO Bethann Pepoli zu Cnet news.com. Grund: Microsoft Office entspricht den Bedürfnissen von Behinderten am besten. Dokumente werden im XML-Format mit Microsofts "Translator" abgelegt. Entscheidend für Pepoli ist, dass die über 50'000 Angestellten des Bundesstaats die Dokumente überhaupt in einem XML-Format ablegen.
Die ECMA, eine Industrievereinigung, hat ooXML als Standard anerkannt und bei der ISO eingereicht. Der wesentlich einfachere Standard ODF, der vor allem von der Open-Office-Gemeinde unterstützt wird, ist allerdings bereits als ISO-Standard anerkannt.
In der Schweiz empfiehlt eCH, der Standardisierungsverein der Schweizer Behörden, ebenfalls beide Dokumentenstandards.
Bei den "Standardkriegen" geht es um ungeheuer viel: Behörden wollen weltweit durchsetzen, dass Dokumente aller Art nur noch in offenen Formaten abgelegt werden. Damit will man sicherstellen, dass Bürger und Firmen mit Behörden-Unterlagen arbeiten können, ohne dass sie gezwungen werden, eine bestimmte Software zu kaufen. Microsofts ursprüngliche Office-Formate wie XLS, oder DOC sind nicht "offen", das heisst andere Software-Hersteller können, wenn überhaupt, nur mit grösster Mühe sicherstellen, dass man mit ihren Produkte solche Dokumente korrekt darstellen und bearbeiten kann. Der Siegeszug von ODF durch die Standardisierungsgremien hat Microsofts Dominanz bei der Büro-Software ernsthaft bedroht. (Christoph Hugenschmidt)

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