"Formulare sind ein Drama"

12. Oktober 2004, 16:14
  • business-software
  • erp/crm
image

Immerhin 756 ERP-Anwender haben sich die Mühe genommen, insgesamt 215 in der Schweiz eingesetzte Systeme zu bewerten. Die Resultate sind spannend.

"Der ERP-Markt für grössere KMU mit 150 bis 299 Mitarbeitenden ist der schwierigste überhaupt." Diese Firmen haben oft genauso komplexe Anforderungen wie multinationale Grossformen, aber sie können deren 'Economies of Scale' in Projekten nicht ausspielen." So interpretiert Eric Schwerer von i2s die Tatsache, dass die mittelgrosse Firmen durchschnittlich mit ihrer Business-Software am wenigsten zufrieden sind.
Die Rede ist von den Resultaten der diesjährigen Ausgabe Schweizer der ERP-Zufriedenheitsstudie, die gestern Abend in Zürich vorgestellt wurde. Neu wurde die Zufriedenheit von ERP-Anwendern mit ihrem System nach Grösse der Anwenderfirma aufgeteilt, dargestellt. Und da gibt es einige überraschende Ergebnisse. So sind die Anwender von Microsoft Navision in Firmen mit bis zu 250 Mitarbeitenden wesentlich weniger zufrieden, als solche in Grossfirmen. Dieses Resultat dürfte den Schweizer Navision-Leuten noch einiges Kopfzerbrechen bereiten.
Wichtiger noch als die Frage, welches nun "das Beste" ERP-System sei, sind die Schlüsse, die Scherer aus den Resultaten der diesjährigen Studie zieht. So sind Anwender beim Thema "Formulare und Auswertungen" weitaus am wenigsten zufrieden. Scherer kommentiert: "Formulare sind ein Drama für die Branche. Das Problem liegt aber eher bei den Anwendern. Wer vor einer Evaluation durch alle Abteilungen geht und so eine 'Wunschliste' zusammenstellt, wird seine Formulare nicht vereinheitlichen können."
Interessant auch Scherers Bemerkungen zu Dauerbrenner Termin- und Kostenkontrolle: "Das Resultat der Studie zu diesem Thema ist ganz ok. Aber in der täglichen Praxis wird diese Frage völlig unterschiedlich gut gelöst. Die Kosten- und Terminkontrolle ist in den meisten Projekten hundsmiserabel, dabei kann man das Problem mit ganz einfachen Mitteln lösen."
Infos
Einige Resultate der ERP-Zufriedenheitsstudie wurde in der gestrigen Ausgabe 18 der IT-Anwenderzeitschrift InfoWeek veröffentlicht. Die Studie kostet als PDF 275 Franken und kann hier bestellt werden.
Kommentar
Die Studie zur ERP-Zufriedenheit von Schweizer Anwendern ist einmalig im deutschsprachigen Raum. Die Resultate sind entsprechend differenziert und in fast allen Fällen logisch nachvollziehbar. Ausserdem wird die Studie von keinem Hersteller gesponsort und die Leute von i2s, die die Studie durchführen, lassen sich sicher nicht manipulieren.
Trotzdem wird die Kritik an der Studie wohl nie verstummen. Denn i2s steckt in einem unlösbaren Dilemma. Sponsoring verbietet sich, also ist eine klassische, repräsentative Befragung von Tausenden von Firmen zu teuer. Die Berater sind also auf die ERP-Hersteller und -Integratoren angewiesen, die ihre Kunden zum Mitmachen auffordern müssen. Und da lassen sich Manipulationen und mehr oder weniger sanfte Beeinflussungsversuche nie ganz ausschliessen.
Und eine spitze Frage können wir uns nicht verkneifen: Welche Systeme wurden genau unter dem Label "Bison Solutions" bewertet?
(Christoph Hugenschmidt)

Loading

Mehr zum Thema

image

Zurich wechselt in die AWS-Cloud

Bis 2025 sollen bei der Versicherung rund 1000 Anwendungen auf AWS migriert werden. Damit will Zurich 30 Millionen Dollar im Jahr sparen können.

publiziert am 31.1.2023
image

Kritik an Oracles neuem Lizenzierungsmodell

Experten warnen davor, dass das neue Abonnement mit einer Abrechnung pro Person zu einem "steilen Anstieg der Kosten für Java" führen könnte.

publiziert am 30.1.2023
image

Die Entlassungswelle schwappt nach Europa

Bis jetzt haben die Entlassungen bei Big Tech vornehmlich den US-Arbeitsmarkt getroffen. Nun will auch SAP 3000 Jobs streichen und Kosten senken.

publiziert am 26.1.2023
image

Aktivistischer Investor steigt mit Milliarden bei Salesforce ein

Beim SaaS-Anbieter könnte es noch turbulenter werden: Die aktivistische Investment­firma Elliott Management beteiligt sich mit mehreren Milliarden Dollar an Salesforce.

publiziert am 25.1.2023