Forschung: Bundesrat soll sich für Schweizer IT einsetzen

29. März 2021, 10:08
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Die EU will bei Schlüssel­technologien wie der Quanten­forschung unabhängiger werden. SwissICT befürchtet Nachteile für hiesige Firmen.

Der Schweiz droht beim EU-Forschungsprogramm Horizon Europe bei Projekten der Weltraum- und Quantenforschung der Ausschluss. Das hat nichts mit dem institutionellen Rahmenabkommen zu tun, sondern mit einem neuen Bewusstsein der EU, die künftig strategischer agieren und Schlüsseltechnologien selbstständig entwickeln will.
Bis anhin konnten am EU-Forschungsprogramm assoziierte Staaten an den Projekten "Space" und "Quantum" problemlos teilnehmen. Das soll sich nun in Zukunft ändern, wie aus einem Entwurf der EU-Kommission hervorgeht, welches das Internetportal 'Sciencebusiness.net' kürzlich publiziert hat.
Davon betroffen sind neben der Schweiz beispielsweise auch Israel und Grossbritannien. Selbst für die EWR-Länder Norwegen, Island und Liechtenstein sollen neu strengere Regeln gelten.
Für SwissICT ist diese Entwicklung besorgniserregend. Schweizer Unternehmen im Bereich Quantencomputing könnten ernsthafte Nachteile erleiden, schreibt der Verband in einer Stellungnahme. Dies gelte insbesondere, wenn es um die Erforschung und Entwicklung der nächsten technologischen Generationen gehe.

Aus Projekten können Zulieferverträge entstehen

Da gerade auch die Zusammenarbeit von Schweizer Hochschulen mit ausländischen Partnern in der EU im Visier ist, seien hier auch strategische Partnerschaften für Schweizer Unternehmen in Gefahr. Dasselbe gelte für den Zugang unserer Industrie zu Raumfahrtprojekten, so SwissICT. Denn häufig würden über solche Projekte auch neue Partnerschaften und Zulieferverträge entstehen.
Die EU-Kommission begründet den Schritt damit, dass die Industrie in der EU "ihre Widerstandsfähigkeit und Flexibilität verbessern muss". Daher müsse die EU technologisch "unabhängiger von Drittstaaten" werden.

Bundesrat soll Position erarbeiten

Der IT-Branchenverband SwissICT hat den Bundesrat vergangene Woche in einem Brief dazu aufgerufen, sich klar für eine volle Einbindung der Schweiz in alle Horizon-Europe-Programme stark zu machen, und entsprechende Verhandlungspositionen zu erarbeiten und zu vertreten. Allenfalls sollten auch Allianzen mit anderen betroffenen Staaten angestrebt werden (Israel, Norwegen, UK), schreibt SwissICT.
Die Schweiz trage mit ihren hervorragenden Hochschulen und Unternehmen massgeblich zum Erfolg der EU-Forschungsprogramme bei, und es sei auch im Interesse der EU, die Schweiz in allen Bereichen dabei zu haben, so die Mitteilung weiter.
Ein Ausschluss wäre für die Schweiz aber auch für die EU ein grosser Verlust, erklärte auch das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) Mitte März auf Anfrage der Nachrichtenagentur 'Keystone-SDA'.
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Die Schweiz war im letzten Forschungsprogramm Horizon 2020 erfolgreich. Sie verzeichnete laut SBFI bis Anfang September 2020 im Bereich "Space" 60 und bei "Quantum" 23 Beteiligungen – damit sind Anzahl Verträge zwischen Forschenden und der EU-Kommission gemeint. Entsprechend erhielten Forschende in der Schweiz 19,2 Millionen Franken für Space-Projekte und 21,2 Millionen Franken für Quantum-Projekte, wobei diese Zahlen noch nicht ganz definitiv sind.

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