Forschungsarbeit zeigt das Potenzial von sozialen Robotern

25. November 2021, 15:09
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Die Studie bietet einen Überblick zu Chancen und Risiken der Technik und enthält diverse Empfehlungen. Anhand von einem Beispiel zeigen wir, wie das funktionieren kann.

In einer auf zwei Jahre ausgelegten Forschungsarbeit hat die Hochschule für Angewandte Psychologie der Fachhochschulen Nordwestschweiz (FHNW) mögliche Auswirkungen der Interaktion zwischen Menschen und sozialen Robotern untersucht. Ebenso wurden ethische und rechtliche Aspekte reflektiert, die mit dem Einsatz von Robotern dieser Art einhergehen. Gemäss einer Medienmitteilung der Hochschule beleuchteten die Forscherinnen und Forscher die vier Anwendungsbereiche Gesundheit, öffentlich zugängliche Orte, private Haushalte und Bildung aus unterschiedlichen Perspektiven.

Potenzial vorhanden

Die Studie attestiert den sozialen Robotern ein vielfältiges Einsatzpotenzial in verschiedensten Anwendungsbereichen. So sollen sie zukünftig in der Pflege, beim Einkauf oder in der Bildung eingesetzt werden können. Gemäss dem wissenschaftlichen Papier sollen Roboter mit menschen- oder tierähnlichem Aussehen die intuitive Interaktion erleichtern. Dabei besteht aber immer auch die Gefahr einer Täuschung, insbesondere bei Robotern, die in ihrem Aussehen und ihrem Interaktionsverhalten sehr menschenähnlich gestaltet würden, so die Medienmitteilung.
Ebenso zeigt die Studie, dass Anwenderinnen und Anwender den Einsatz sozialer Roboter in einer Assistenz- oder Unterstützungsfunktion bevorzugen würden. Auf diese Weise kann vom Menschen entschieden werden, welche Aufgaben der Roboter übernehmen soll. Den Fachkräften sollen sich dadurch neue Möglichkeiten zur Interaktion mit ihren Zielgruppen eröffnen.

Die Gesellschaft miteinbeziehen

Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse haben die Forschenden konkrete Empfehlungen für Gesellschaft, Politik und Wirtschaft abgeleitet. Als zentral erachten sie dabei die partizipative Entwicklung von Einsatzszenarien und Aufgabenprofilen für soziale Roboter. Dies soll insbesondere für vulnerable Nutzergruppen in den Institutionen der Gesundheit und Bildung gelten. Die Studie empfiehlt deshalb auch weiterführende Forschungen und Entwicklungen speziell in diesem Bereich.
Des Weiteren wird empfohlen, die Mitwirkung der Gesellschaft bei der Bestimmung der Einsatzbereiche sozialer Roboter zu fördern. So sollen die zukünftigen Nutzerinnen und Nutzer über die Funktionsweisen und Weiterentwicklungen von sozialen Robotern aufgeklärt und informiert werden. Wie bei anderen Technologien sei auch hier der Schutz von Privat- und Intimsphäre zu gewährleisten, so die Studie.

Assistenz-Roboter im Einsatz

Ein Beispiel für ein Roboter mit Assistenz- oder Unterstützungsfunktion ist der neue Ultraviolett-C-Desinfektionsroboter des Universitätsspital Zürich (USZ). Gemäss einer Mitteilung ist er der erste seiner Art in einem Schweizer Spital. Der Roboter, der allerdings nicht über soziale Funktionen verfügt, reinigt Patientenzimmer mit UV-C-Strahlen und tötet dabei verschiedene Erreger ab.

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Desinfiziert Spitalzimmer besser als Menschen, Roboter Hero21. Foto: Universitätsspital Zürich
Dank seinen Sensoren kann sich das Gerät eigenständig im Raum orientieren und Ziele anpeilen, die ihm vom Reinigungspersonal vorgegeben werden. Mit der nötigen Software ausgestattet, kann der Roboter sogar Fahrstuhl fahren, sofern auch die Gebäudeinfrastruktur mit der dafür notwendigen Technologie ausgerüstet ist. Aline Wolfensberger, Oberärztin der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene am USZ, sagt: "Der Reinigungsroboter ist ein einfach einzusetzender Helfer, um Erreger wirksam und effizient zu beseitigen."
Der Roboter wird für die Zweitreinigung von Patientenzimmern eingesetzt, in denen Personen mit spitalhygienisch relevanten Erregern untergebracht waren. "Bis anhin machten die Reinigungsequipen in diesen Räumen zwei Durchgänge. Nun ersetzen wir die zweite Reinigung durch UV-Desinfektion", so Adrian Lottenbach, Qualitätsbeauftragter des USZ im Bereich Facility Services. Das Ziel der Innovation sei nicht eine Effizienzsteigerung bei den Reinigungsabläufen, sondern das Erreichen einer qualitativ bestmöglichen Reinigung, so Lottenbach.

Zur Studie

Das Projekt wurde im Auftrag von TA-Swiss und unter der Leitung der Hochschule für Angewandte Psychologie FHNW durchgeführt. Weiter beteiligten sich die Hochschule für Wirtschaft FHNW, die Pädagogische Hochschule FHNW, das Departement Gesundheit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften sowie die Universität St. Gallen an der Studie. Gearbeitet wurde mit Literaturrecherchen, Experteninterviews sowie Round Tables mit Beteiligten aus den jeweiligen Anwendungsbereichen. Der Schlussbericht ist online einsehbar.

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