Foxconn droht Massenexodus wegen Überstundenkontrolle

27. August 2012, 13:21
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Auf die Kritik einer US-Arbeitsrechtgruppe reagierend, hat der weltgrösste Elektronikauftragsfertiger Foxconn angeordnet, die Wochenarbeitszeiten in drei chinesischen Werken auf 60 Stunden zu begrenzen.

Auf die Kritik einer US-Arbeitsrechtgruppe reagierend, hat der weltgrösste Elektronikauftragsfertiger Foxconn angeordnet, die Wochenarbeitszeiten in drei chinesischen Werken auf 60 Stunden zu begrenzen. Nun droht dem Apple-Produktionspartner, dass viele der über 1 Million Beschäftigten gehen, weil sie um ihre Überstundengelder bangen, berichtet die amerikanische Publikation 'ZDNet.com'. Die Fair Labor Association (FLA) mit Sitz in Washington hatte Untersuchungen gegen das Unternehmen aus Taiwan eingeleitet, nachdem sich Selbstmordfälle in seinen chinesischen Fabriken 2010 dramatisch häuften. Derweil hatte sich Foxconn Mitte 2010 zu dem Versprechen durchgerungen, die Mindestlöhne auf 1'200 Yuan, umgerechnet 180 Franken, pro Monat anzuheben.
Lohnanpassungen werden in zunehmendem Masse auch von den zuständigen Lokalbehörden gefordert. Von freier Kost und Logis scheint bei Foxconn allerdings keine Rede zu sein. Denn wie 'ZDNet.com' aus einem anonym geführten Interview mit einer Foxconn-Arbeitskraft aus Shenzhen zitiert, werden von dem Monatslohn in Höhe von aktuell 2'350 Yuan 190 Yuan für Sozialversicherung, 120 Yuan für einen in Shenzhen obligatorischen Bausparvertrag und 110 Yuan für Kost und Logis abgezogen, womit dann umgerechnet lediglich 1'930 Yuan (290 Franken) übrigbleiben. Dabei wird Shenzhen wie andere Megastädte am Pazifikspeckgürtel nicht nur für die Unternehmen, die dort produzieren, sondern auch für die Bevölkerung immer teurer.
Von einem Arbeiter mit Alias Li Hongqi hat 'ZDNet.com' erfahren, dass er bisher monatlich fast 4'000 Yuan (605 Franken) für das Assemblieren von iPads in Shenzhen erhalten habe, mit der Beschränkung der Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden in der Woche könne er nun aber nur weniger als 1'000 Yuan im Monat auf die Seite legen. Normalerweise arbeite er 10 Stunden am Tag, zur Hochzeit im Februar habe er 150 bis 180 Tablet-PCs am Tag assembliert. Nun habe er schon seine Kündigung eingereicht, weil die neue Reglung ihm viel weniger lasse. (kh)

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