Frauen verdienen auch in der Informatik weniger als Männer

13. November 2007, 17:19
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Lohnumfrage des Bundes zeigt weiterhin erschreckend grosse Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern - auch und gerade in der Informatik

Lohnumfrage des Bundes zeigt weiterhin erschreckend grosse Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern - auch und gerade in der Informatik.
In fortschrittlichen Firmen sollten Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern kein Thema mehr sein. Und wir in der Informatik sind doch fortschrittlich. Sind wir?
Die "Schweizerische Lohnstrukturerhebung 2006" des Bundesamts für Statistik zeigt ein ganz anderes, erschreckendes Bild. Die Erhebung wird alle zwei Jahre im Oktober durchgeführt und bezieht etwa 1,5 Arbeitnehmende in der Schweiz ein. Die gezeigten Löhne werden auf standardisierte Monatslöhne umgerechnet - Teilzeit sollte also keine Rolle spielen. Ein Rolle dürfte hingegen spielen, dass die Schweizer IT-Industrie statistisch nicht wirklich erfasst wird: Viele InformatikerInnen werden sich nicht unter dem Punkt 72, 74 "Informatikdienste, Dienstleistungen für Unternehmen" wiederfinden. Soweit zur Kritik der Daten des BfS.
Das BfS schlüsselt das Zahlenmaterial einerseits nach Geschlecht und Anforderungsprofil auf, andererseits nach Geschlecht und beruflicher Stellung. Wir interessieren uns hier für ersteres, da wir damit das Problem ausschalten, dass Frauen eher seltener "Linienkarrieren" machen.
Frauen verdienen im Anforderungsprofil 1 (höchstes) im Schnitt 9'463 Franken pro Monat (standardisierter Bruttolohn), Männer 11'021 Franken. Der Unterschied beträgt also 14 Prozent. Im Anforderungsprofil 2 beträgt der Unterschied 18 Prozent (Frauen: 6'500, Männer: 7'973), im Profil 3 sind es nur acht Prozent (Frauen: 5'570, Männer: 6'000). Im tiefsten Anforderungsprofil 4 beträgt der Unterschied dann wieder 13 Prozent (Frauen: 3'847, Männer: 4'494).
Wann endlich verschwinden die Lohnunterschiede?
Wir haben uns im September anlässlich eines Podium-Gesprächs intensiv mit der Frage, warum für Frauen Berufe in der Informatik nicht attraktiv sind, auseinandergesetzt. Diskutiert wurden eine ganze Reihe von möglichen Ursachen für die Abwesenheit von Frauen in der Informatik: Sozialisierung, gesellschaftliche Anerkennung von technischen Berufen, Chauvinismus und einiges mehr. Einig ist man sich heute, dass der "Frauenmangel" für die Schweizer ICT-Industrie, die heute händeringend nach Fachleuten sucht, ein gefährlicher Zustand ist, da man glatt die Hälfte des "Hirnpotentials" in der Schweiz verschenkt.
Lohnunterschiede waren auf dem sehr gut besetzten Podium im September eher kein Thema, weil viele der Diskutierenden (Frauen) aus Firmen kamen, in denen Lohngleichheit eine Selbstverständlichkeit ist. Schaut man die Zahlen des BfS an, so wird ersichtlich, dass dies offenbar immer noch die Ausnahme ist. Womit wir bei der Beantwortung der Frage, warum Informatik-Berufe für Frauen nicht attraktiv sind, einen Schritt weiter wären. (Christoph Hugenschmidt)
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