Frisierter Lebenslauf von Yahoo-Chef fordert ersten Rücktritt, aber nicht seinen

9. Mai 2012, 05:19
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Dass nicht der neue Yahoo-Chef Scott Thompson den Hut nehmen musste für seinen gefälschten Informatik-Abschluss, sondern Verwaltungsratsmitglied Patti Hart, die ihn einstellte, spricht Bände.

Dass nicht der neue Yahoo-Chef Scott Thompson den Hut nehmen musste für seinen gefälschten Informatik-Abschluss, sondern Verwaltungsratsmitglied Patti Hart, die ihn einstellte, spricht Bände. Denn es zeigt, wie peinlich dem amerikanischen Internetpionier es sein muss, nach monatelanger Suche nach einem geeigneten Nachfolger für die im September 2011 geschasste Carol Bartz offenbar einem "nicht ganz sauberen" neuen Hoffnungsträger aufgesessen zu sein. Etwas erinnert das an die Plagiatsaffäre um den deutschen Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg.
Aufgedeckt wurde die Affäre um den falschen Informatik-Abschluss Thompsons von einem kritischen Hedgefonds-Manager, der nicht geringe Aktienanteile kontrolliert. Hart, im Hauptberuf Chefin des Spielespezialisten International Game Technology, war als unabhängiges Mitglied vor zwei Jahren in den Yahoo-Verwaltungsrat gelangt und wurde mit der Suche nach einem neuen CEO betraut. Das Gremium hat sie nun zum Rückzug gedrängt, weil ihr nicht aufgefallen sei, dass Thompson gar keinen Bachelor in Computer Science hat, so der Vorwurf. Thompson hat sich zwar mittlerweile bei den Mitarbeitenden für die "falschen Angaben" entschuldigt, zu den Vorwürfen selbst aber noch nicht Stellung bezogen. Von Konsequenzen seinerseits ganz zu schweigen.
Dem Hedgefonds-Manager namens Dan Loeb, der die Affäre aufgedeckt und den Stein ins Rollen gebracht hat, reicht das allerdings nicht. Denn er verlangt nun, dass Thompson selbst gefeuert wird. Dabei handelt er offenbar nicht ganz uneigennützig, denn als Chef der Investmentfirma Third Point mit 5,8 Prozent der Yahoo-Anteile versucht er seit geraumer Zeit selbst, in den Verwaltungsrat einzuziehen, um mehr Mitsprache zu erlangen. Da ihm diese verwehrt wurde, soll er als Druckmittel den falschen Universitätstitel Thompsons ausgegraben haben, berichtet etwa der 'Spiegel'. (kh)

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