Fritz & Macziol kommt unter den Hammer

23. April 2014, 10:37
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Der holländische Technologie-Konzern Imtech will das ICT-Geschäft, zu dem die paneuropäische Fritz&Macziol-Gruppe gehört, versteigern. Die Schweizer Niederlassung ist bekanntlich in den Seco-Korruptionsskandal verwickelt.

Der holländische Technologie-Konzern Imtech will das ICT-Geschäft, zu dem die paneuropäische Fritz&Macziol-Gruppe gehört, versteigern. Die Schweizer Niederlassung ist bekanntlich in den Seco-Korruptionsskandal verwickelt.
Der holländische Technologie-Mischkonzern Imtech ist massiv überschuldet und muss einen ganzen Geschäftsbereich abstossen. Der Bereich ICT, zum dem der deutsch-schweizerische IT-Dienstleister Fritz & Macziol (FuM) gehört, soll in einem Auktionsverfahren verkauft werden, teilte Imtech letzte Woche mit. FuM Schweiz ist in den Seco-Korruptionsskandal verwickelt.
Imtech hat im vergangenen Jahr aufgrund heftiger Probleme in Polen und Deutschland einen Verlust von knapp 700 Millionen Euro (Umsatz: 4,9 Milliarden Euro) angehäuft. Der Mischkonzern musste sich über Bankkredite refinanzieren und ist nun massiv überschuldet. Deshalb soll das verhältnismässig profitable ICT-Geschäft abgestossen werden. Der Verkauf soll über ein Auktionsverfahren eingeleitet werden. Wie Imtech-Sprecherin Dorien Wietsma auf Anfrage zu inside-channels.ch sagte, stehen alle Tochterfirmen des ICT-Bereichs, also auch Fritz & Macziol Schweiz und deren Zuger Tochter IT&T, en bloc zum Verkauf.
Imtech baut Lösungen für Verkehrs-, Infrastruktur- und Gebäude-Management. Ausserdem liefert Imtech Komponenten für Schiffe aller Art bis hin zu Ölbohrplattformen und erbringt Dienstleistungen für die Schifffahrt. Per Ende 2013 beschäftigte der Konzern über 26'000 Mitarbeitende.
Der Chef will eine bessere Work-Life-Balance
Der ICT-Bereich von Imtech ist in den Niederlanden, Deutschland, Österreich, Schweden, Belgien, der Schweiz, Grossbritannien und den Philippinen tätig. Der Bereich beschäftigte per Ende 2013 2'380 Mitarbeitende, setzte 740 Millionen Euro um und verdiente auf EBITDA-Stufe 33 Millionen Euro.
Gleichzeitig mit der Ankündigung des geplanten Verkaufs des Bereichs wurde die Führung ausgewechselt. Der Bereich wird neu von Theo Cordesius geführt. Sein Vorgänger, Tjin van Dommelen, habe den Wunsch nach einer besseren Work-Life-Balance ausgedrückt, heisst es in einer Pressemitteilung des Konzerns.
Korruptionsskandal in der Schweiz
Angesichts der riesigen Verluste des Technologie-Konzerns in Deutschland und Polen dürfte der Skandal um Fritz & Macziol Schweiz keinen Einfluss beim Entscheid zum Verkauf des ICT-Geschäfts gehabt haben.
Ehemalige Angestellte von FuM werden beschuldigt, ein Kadermitglied des Seco (Staatssekretariat für Wirtschaft) bestochen zu haben.
Rasch zusammengekaufte ICT-Dienstleister-Gruppe
Der ICT-Bereich von Imtech besteht aus einer ganzen Reihe von hastig zusammengekauften Firmen. Die deutsche Fritz&Macziol-Gruppe wurde 2006 übernommen, 2008 kaufte FuM seinerseits den Schweizer Spezialisten für Gemeindesoftware IT&T und 2010 verleibte man sich die Penta Group ein. Im Juni 2011 kündigte der ehemalige FuM-Schweiz-Chef Roger Eder weitere Übernahmen an.
Gemeinsam ist den meisten IT-Firmen des Imtech-Konzerns, dass sie IBM-Lösungen verkaufen oder Software für IBM-Plattformen entwickeln. (hc)

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